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„Auszubildende lernen nicht nur für den Beruf, sondern auch fürs Leben“

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(c) Jugendaktionstag 2016 bei Siemens - igmetall jugend bayern - flickr CC BY-SA 2.0

21.09.2015

Fünf Fragen an… Irmgard Frank vom Bundesinstitut für Berufsbildung

Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Finanzen: Auch im Ausbildungsberuf kommen Jugendliche oft mit konsumrelevanten Aspekten in Kontakt. Welche das sind und welche zuletzt Gewicht gewonnen haben, weiß Irmgard Frank vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Fünf Fragen an sie. 

1. Frau Frank, das BIBB zeichnet mitverantwortlich für die Modernisierung der dualen Ausbildungsberufe. Welche Rolle spielen Verbraucherthemen in der Berufsausbildung?

Grundsätzlich sind  Nachhaltigkeitsaspekte wie Umweltschutz, Fragen der Kundenorientierung und  kosten- und ressourcenschonendes Handeln in allen Ausbildungsberufen von Bedeutung. Was die jungen Leute dazu in Betrieb und Berufsschule lernen, können sie natürlich auch im Alltag anwenden. Sie lernen ja nicht nur für ihre Ausbildung, sondern fürs Leben. 

2. Welche Verbraucherthemen sind wichtiger geworden? Gibt es Trends? 

Umweltschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz sind inzwischen in jeder Ausbildung relevant, etwa das Recycling oder die Energieeffizienz. Wichtiger geworden sind auch IT-Kompetenzen. Die jeweilige Gewichtung und Relevanz dieser Aspekte in der betrieblichen und schulischen Ausbildung hängt letztlich davon, wie sehr diese Kompetenzen im Berufsalltag tatsächlich gebraucht werden.   

3. Bleiben wir bei Nachhaltigkeitsaspekten: Spielen die im gewerblich-technischen Berufen eine größere Rolle als in kaufmännischen?

Die sind in beiden Bereichen gleich bedeutsam. In den „grünen“ Berufen sind diese Aspekte leichter auszumachen. In den kaufmännischen Berufen oder im Dienstleistungsbereich stehen sie nicht immer offensichtlich im Vordergrund. Doch auch Kaufleute, etwa für Büromanagement, lernen etwas über die Vermeidung betriebsbedingter Umweltbelastungen oder über wirtschaftliche und umweltschonende Energie- und Materialanwendung.

4. Berührt der Megatrend Digitalisierung auch die Ausbildungsberufe? 

Berufe sollen eine „Haltbarkeitsdauer“ von etwa zehn Jahren haben. Das bedeutet, bei der Entwicklung neuer bzw. der Modernisierung bestehender Berufe auch die zu erwarteten künftigen technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu berücksichtigen. Das gilt auch für die Frage, inwieweit die Digitalisierung die Inhalte von Ausbildungsberufen verändert.

5. Stichwort Finanzen: Lernen Azubis in ihrer Ausbildung auch, wie sie selbst verantwortlich mit Geld umgehen? 

Das wird nicht in jeder Berufsbildbeschreibung explizit aufgeführt, steckt aber dennoch oft drin. Zum Beispiel über die Kompetenzen, die junge Menschen an die Hand kriegen, um Berechnungen oder Kalkulationen anzustellen. Das, was die Azubis dazu aus der Anbieterperspektive lernen, können sie auf die Verbraucherperspektive ummünzen – und dann für das eigene Leben nutzen. Und selbstverständlich können sie sich in Betrieb und Berufsschule durch entsprechende Fragen auch selbst einbringen und schlau machen.

Im Gespräch:

Irmgard Frank

Irmgard
Frank

Irmgard Frank leitet seit mehr als 10 Jahren die Abteilung Struktur und Ordnung der Berufsbildung beim Bundesinstitut für Berufsbildung. Die Abteilung beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Entwicklung neuer und der Modernisierung bestehender Aus- und Fortbildungsregelungen, der Qualifikationsforschung im Vorfeld der Ordnungsarbeit und überprüft die Wirksamkeit der Ordnungsmittel in der Praxis. Frau Frank ist diplomierte Volks- und Betriebswirtin.

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