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Digitale Bildung: Sachverständige wollen Lehrkräfte stärken

06.05.2015

Anhörung im Bundestag

Beim Umgang mit Computer und Internet haben deutsche Schülerinnen und Schüler Nachholbedarf. Das will die Berliner Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD jetzt ändern. Sachverständige empfehlen unter anderem Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer.

Es sei Zeit für eine „Anpassung der Curricula für die Lehrerausbildung“, meint Richard Heinen von der Universität Duisburg-Essen. Der Bildungsforscher war Ende April Gast im Deutschen Bundestag, wo er mit weiteren Sachverständigen mögliche Wege zur Verbesserung der digitalen Bildung diskutierte. Eingeladen dazu hatte der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

Heinen forderte im Zuge der Anhörung unter anderem eine „Professionalisierung der Lehrkräfte“. Um sie fit zu machen für die Vermittlung digitaler Kompetenzen, würden keine zentralen, von oben gesteuerten Fortbildungen benötigt. Wichtiger sei der Austausch in regionalen Bildungsnetzwerken, wie es ihn etwa beim Thema individuelle Förderung schon gebe.  

Viele Lehrkräfte seien durch digitale Medien verunsichert, so Heinen weiter. Durch die ständige Verfügbarkeit von Informationen aus dem Netz wachse ihre Angst, in ihrer Kompetenz in Frage gestellt zu werden. Solchen Ängsten könne man aber nicht mit Fortbildungen begegnen. Sinnvoller sei die Entwicklung „kollegialer Beratungsstrukturen“.

Lehrkräfte, die bereits Erfahrung mit digitalen Medien hätten, könnten dabei in ihrer Schule eine „wichtige Promotorenfunktion wahrnehmen“ und für die digitale Bildung im Unterricht werben. Heinen: „Dazu ist es wichtig, diesen engagierten Lehrkräften Austauschstrukturen zu bieten und Unterstützung zu gewähren.“ 

Für die Stärkung von Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer warb auch Professorin Dr. Birgit Eickelmann von der Universität Paderborn. Die Hochschullehrerin für Schulpädagogik sprach sich dafür aus, „Medienbildung als fächerübergreifende Schlüsselkompetenz“ zu vermitteln und in den Curricula aller Schulstufen festzuschreiben. 

Diese Lehrpläne müssten „Schulentwicklungsmaßnahmen umfassen, die die Kompetenz der Lehrer erhöhen“, so Eickelmann. Auch müssten Fortbildungen für Lehrkräfte stärker wissenschaftlich begleitet werden, um zum Beispiel die Frage zu klären, was „guten“ digitalen Unterricht überhaupt ausmacht. „Es geht nicht um Quantität, sondern um Qualität“, so die Professorin.

Anlass des Fachgesprächs, an dem neben Heinen und Eickelmann weitere Sachverständige teilnahmen, war der Antrag der CDU/CSU und SPD „Durch Stärkung der Digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“. Die Regierungsparteien hatten ihn Ende März auf den Weg gebracht. 

Zuvor hatte eine Ende 2014 veröffentlichte internationale Vergleichsstudie offengelegt, dass bundesdeutsche Schülerinnen und Schüler nur über mittelmäßige computer- und informationsbezogene Kompetenzen verfügen. Beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht sah die Studie Deutschland sogar als Schlusslicht. 

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