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"Lehrerinnen und Lehrer brauchen aufbereitete Materialien, die fachlich seriös sind."

09.11.2011

Aber Voraussetzung für eine kritische Begutachtung von Unterrichtsmaterialien ist die gut ausgebildete Lehrkraft.

Wenn Lehrkräfte – wie sie selbst sagen – ökonomische Bildung oft fachfremd unterrichten, dürfte ihnen das schwerfallen.

Weil zu häufig noch fachfremd unterrichtet werden muss, brauchen Lehrerinnen und Lehrer aufbereitete Materialien, die fachlich seriös sind, modernen  fachdidaktischen Ansätzen  genügen und sinnvolle Lehr-Lern-Arrangements bieten. Dieser  Anspruch ist für uns eine wichtige Leitlinie. Auch unsere mit dem Handelsblatt erstellten Einheiten enthalten kontroverse Positionen und Perspektiven auf das Wirtschaftssystem. Aber es stimmt: Voraussetzung für eine kritische Begutachtung von Unterrichtsmaterialien ist die gut ausgebildete Lehrkraft.

Sie schreiben, eine kritische Analyse von Kooperationen, Konzepten und Unterrichtsmaterialien für die ökonomische Bildung sei „erforderlich und offen zu führen“. Wo drückt der Schuh aus Ihrer Sicht?

Wir führen in Deutschland gegenwärtig eine intensive Debatte über die Verbesserung der Finanzkompetenz von Schülern, über eine bessere finanzielle Allgemeinbildung, über die ökonomische Bildung und ihr Verhältnis zur politischen Bildung. Die entscheidende Frage in dieser Debatte ist aus meiner Sicht: Wie kann man ökonomische Bildung fest im Bildungssystem verankern und mit ausreichenden Stundendeputaten versehen? Ich glaube nicht, dass das über ein Fach „Verbraucherbildung“ gelingt. Ohne systematische Berücksichtigung der Verbraucherperspektive kann finanzielle Allgemeinbildung nicht gelingen, ganz klar. Aber es gibt auch die Position der Erwerbstätigen, der Unternehmen oder des Staates. Ökonomische Bildung stellt diese Positionen in einen größeren allgemeinen fachlichen Zusammenhang als die Verbraucherbildung alleine es könnte.

Diese Mehrdimensionalität strebt die Verbraucherbildung auch an. Reden wir nicht von demselben Anliegen?

Inhaltlich sehe ich das nicht, strategisch ist das eine andere Frage. Schauen Sie auf die Entwicklung der Verbrauchererziehung in den letzten 30 Jahren: Ist es ihr gelungen, sich bundesweit fest in den Curricula zu verankern. Nein. Die Folgen? Die Universitäten bieten keine entsprechenden Studiengänge an, können kein Professionswissen fördern. Es wird nicht geforscht, kein Nachwuchs etabliert, keine ausreichende fachwissenschaftliche und fachdidaktische Kompetenz erzeugt. Es gibt mal hier einen zweitägigen Kurs, dort mal einen Nachmittag zur Fortbildung, hier mal ein Materiälchen, viele „Aktiönchen“, aber keine Gesamtkonzeption.

Was schlagen Sie vor?

Wir brauchen eben ein Gesamtkonstrukt für den Schulunterricht, eines, das die Verbraucherperspektive einbezieht, aber auch die Perspektive der Erwerbstätigen, des Wirtschaftsbürgers, der Unternehmer, des Staates. Sie können nicht eine Dimension – die der Verbraucher – zum Schulfach erklären, wenn die Wirkungen dieser einen Dimension massiv die anderen Dimensionen unserer Existenz beeinflusst. Das ist ent- problematisierend, verschüttet Erkenntnismöglichkeiten. Wer seriöse Verbrauchererziehung im Schulsystem verankern will, muss aus den Erfahrungen der letzten 30 Jahre lernen und überlegen, was daraus für gemeinsame Aktivitäten von Hochschulen, Verbraucherverbänden und Unternehmen folgt.

Wenn Verbraucherbildung nur eine Dimension der ökonomischen Bildung ist – läuft die Vermittlung von Alltags- und Lebenskompetenzen im Unterricht dann nicht wieder Gefahr, zu kurz zu kommen?

Nein. Diskutiert werden muss, wie ausgewogene Curricula aussehen können, die alle Dimensionen berücksichtigen. Schauen Sie sich die Curricula zum Fach Wirtschaft in  Niedersachsen an...

 

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