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Studie: Natur und biologische Vielfalt haben für Jüngere geringeren Stellenwert

11.05.2016

Naturbewusstseinsstudie 2015 erschienen

Den Deutschen ist die Natur hoch und heilig. Eigentlich, denn ihre Wertschätzung hat Grenzen. Zum Beispiel bei der biologischen Vielfalt. Die finden zwar die meisten wichtig. Ihr Handeln steht damit aber oft nicht im Einklang, wie eine neue Studie zeigt. Auch die Einstellungen älterer und jüngerer Befragter weichen deutlich voneinander ab.  

Das ist eine Erkenntnis der Naturbewusstseinsstudie 2015, die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Beate Jessel, die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Ende April vorgestellt haben. „Die Natur“, so Jessel, spiele „für die Bevölkerung eine sehr wichtige Rolle“. Es gebe jedoch bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Generationen.

Laut Studie schätzen ältere Personen und Frauen ein Leben in und mit der Natur im Allgemeinen stärker als jüngere Personen und Männer. Von den jüngeren Befragten meinen auch mehr, dass sie als Einzelperson keinen großen Beitrag zum Schutz der Natur leisten könnten: Während sich 29 Prozent der 50- bis 65-Jährigen persönlich für deren Schutz verantwortlich fühlen, sind das bei den unter 30-Jährigen nur 19 Prozent. Gleichzeitig sind von ihnen deutlich weniger der Ansicht, dass Naturschutz eine wichtige politische Aufgabe darstellt.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der biologischen Vielfalt. Um die zu schützen, sind beispielsweise 64 Prozent der 50- bis 65-Jährigen „sehr bereit“, beim Einkaufen auf Obst und Gemüse aus ihrer Region zuzugreifen. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt dieser Wert mit 47 Prozent deutlich darunter. Um das zu ändern, empfehlen die Studienautoren unter anderem, die negativen Folgen, die eine Schädigung der biologischen Vielfalt für das eigene Leben und die eigene Region nach sich ziehen, stärker zu kommunizieren.

Außerdem drängen sie auf den „Anstoß einer Suffizienzdebatte“. Die Frage, was wirklich nötig sei für ein gutes Leben und welcher Lebensstil aus einer Nachhaltigkeits- und Gerechtigkeitsperspektive vertretbar sei, dürfe „nicht gescheut werden“. Das sei allerdings eine Debatte, die für gut situtierte Milieus tauge. Sozial benachteiligte Schichten gewinne man eher durch „Förderung einer positiven Naturbeziehung“ für den Schutz der Natur und der biologischen Vielfalt.

Für die Naturbewusstseinsstudie 2015 wurden im vergangenen Sommer 2.054 Personen aus der deutschsprachigen Wohnbevölkerung im Alter ab 18 Jahren befragt. Sie ist die vierte bundesweite Befragung zum Bewusstsein der Deutschen für Natur, Naturschutz und biologische Vielfalt und hat in diesem Jahr erstmals auch Einstellungen zu den Themen „Agrarlandschaften“ und „Stadtnatur“ abgefragt.

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