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Unterrichtsmaterial von Unternehmen: Qualität lässt zu wünschen übrig

Unterrichtsmaterial aus der Wirtschaft - Studie vzbv 2014

Unterrichtsmaterial aus der Wirtschaft

(c) vzbv

10.06.2012

Oft werden einseitige Interessen verfolgt

Unternehmen drängen zunehmend mit eigenen Unterrichtsmaterialien zu allen denkbaren Themen in deutsche Schulen. Um die Qualität und Neutralität dieser Angebote ist es indes nicht immer gut bestellt, wie eine Analyse des Verbraucherzentrale Bundesverbands vzbv offenbart.

Für die Anfang Mai veröffentlichte Analyse hat der vzbv Bewertungen von rund 220 Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe unter die Lupe genommen. Unabhängige Wissenschaftler und Bildungsexperten hatten deren didaktisch-methodischen, inhaltlichen und formalen Qualitäten zuvor auf den Prüfstand gestellt. Die Verbraucherschützer halten diese Unterrichtsmaterialien samt Bewertungen im Online-Materialkompass für Verbraucherbildung vor, um Lehrerinnen und Lehrern Orientierung bei der Auswahl guter Unterrichtsideen zu konsumrelevanten Themen zu geben.

Ein Ergebnis der vzbv-Analyse: Unterrichtsmaterialien von Wirtschaftsunternehmen oder wirtschaftsnahen Institutionen weisen signifikant mehr Defizite auf als solche, die von Institutionen der öffentlichen Hand oder nicht-kommerziellen Interessenverbänden erstellt wurden. Negativ fielen den Bewertern der Materialien vor allem verkürzte oder tendenziöse Darstellungen von Fachinhalten und deren unzureichende didaktische Aufbereitung seitens der Unternehmen auf. Didaktik, heißt es in der Analyse dazu, zähle in der Regel wohl „nicht zu den Kernkompetenzen von Wirtschaftsunternehmen“.

Über 25 Prozent der größtenteils kostenlos von Unternehmen verteilten oder via Internet angebotenen Unterrichtsmaterialien mussten mit „ausreichend“ oder „mangelhaft“ bewertet werden. Nur 40 Prozent schafften ein „gut“ oder „sehr gut“. Etliche Inhalte wurden nach Ansicht der Bildungsexperten, die die Materialien bewertet haben, so dargestellt, dass sie vor allem den Interessen der Anbieter dienten. Auch seien Informationen, die eine (wirtschafts-) kritischere Sicht auf das jeweilige Thema gelenkt hätten, unterschlagen worden. 

Wie kommt das? Der vzbv vermutet, dass viele Unterrichtsmaterialien aus Unternehmen oder wirtschaftsnahen Institutionen eben doch nicht so neutral sind, wie sie sich gerne geben. Untermauert wird diese Interpretation durch etliche Einzelanalysen für den Materialkompass: Versuche, das Image bestimmter Produktlinien oder ganzer Branchen zu verbessern oder Ansichten zu propagieren, die bestimmten ökonomischen Denkschulen verpflichtet sind, häuften sich gerade bei den Unterrichtseinheiten aus der Wirtschaft. Das geht zulasten umfassend dargestellter Fachinformation.

Was heißt das für Lehrerinnen und Lehrer? Sie sollten bei der Auswahl neuer Unterrichtsideen wachsam bleiben. Gute oder sehr gute Materialien gibt es – unter den 220 für den Materialkompass bewerteten Einheiten erhielten fast zwei Drittel diese Noten. Auffällig dabei: Überwiegend stammten sie von Institutionen der öffentlichen Hand. Die arbeiten meist im Auftrag der Kultusministerien oder anderer öffentlicher Institutionen und verfolgen keine kommerziellen Ziele oder (wirtschaftliche) Interessen.

Deutlich besser als die Unterrichtsmaterialien aus der Wirtschaft schnitten auch die Angebote von Nichtregierungsorganisationen ab. Diese Organisationen verfolgen zwar eigene Interessen. Offenbar gelingt es ihnen aber sehr viel besser, Sachinhalte ausgewogen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln darzustellen. Mehr als zwei Drittel der von ihnen angebotenen Materialien wurden mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet. „Offenbar“, so das Fazit der vzbv-Analyse, „ist die Gefahr, dass die fachliche Qualität leidet, größer, sobald kommerzielle Interessen ins Spiel kommen“.

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