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„Wer Schuldenprävention will, muss Ideen vom guten Leben vermitteln“

Konsumentscheidungen im Alltag

(c) Demian Smit - pexels - CC0

06.07.2015

Fünf Fragen an… den Konsumpädagogen Peter Gnielczyk

Alles auf Pump: 1,75 Millionen Deutsche unter 30 Jahren sind verschuldet, ein Grund ist oft schlechte Haushaltsführung. Was Schule tun kann, damit möglichst wenige Menschen in die Schuldenfalle geraten, weiß der Verbraucherschützer und Dozent für Konsumpädagogik Peter Gnielczyk. Fünf Fragen an ihn.

1. Herr Gnielczyk, Schuldenprävention – warum gehört sie in die Schule?

Weil junge Menschen heute in ihren Familien oft nur wenig über Finanzen lernen. Gleichzeitig wird ihr Konsumalltag komplexer. Jugendliche müssen lernen, sich darin zurechtzufinden. Sie müssen wissen, wie sie angemessen mit Geld umgehen, die richtige Versicherung oder die für sie passenden Finanzprodukte finden können. Dabei muss Schule ihnen helfen, wenn sie sie vor Verschuldung oder gar Überschuldung bewahren möchte. 

2. Was kriegen angehende Lehrkräfte bei dem Thema heute an der Uni mit auf den Weg?

Inzwischen gibt es bundesweit viel Aufmerksamkeit für die Förderung der Alltags- und Konsumkompetenzen und damit auch der Finanzkompetenzen. Beigetragen dazu hat die Kultusministerkonferenz, die sich im Herbst 2013 für mehr Verbraucherbildung an Schulen ausgesprochen hat. Das hat auch an den Unis Folgen gehabt. Finanzkompetenzen sind im Vorlesungsplan fest verankert. Die Themen finanzielle Bildung und Schuldenprävention sind dort angekommen.

3. Was fehlt, wo gibt es Nachbesserungsbedarf?

Wer Finanzkompetenz vermitteln will, sollte das Alltagshandeln der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt stellen. Sie sollen lernen, ihren Konsumalltag sicher und ohne finanzielle Verluste für den Haushalt zu meistern. Mancherorts liegt der Schwerpunkt der finanziellen Bildung jedoch eher auf der ökonomischen Bildung, auf dem Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge. Und Lehrstühle für Hauswirtschaft oder Verbraucherbildung gibt es leider auch nicht überall. 

4. Welche Rolle spielt das Thema in Schulbüchern? 

Soweit ich den Überblick habe, gibt es in vielen Schulbüchern „Warnhinweise“ zur Verschuldung, zur Verschuldungsspirale. Was fehlt, sind Zugänge zu den tieferen Gründen der Ver- oder Überschuldung. Die haben viel mit Werbung zu tun, mit „Konsumdruck“, mit der Suche nach Anerkennung. Schuldenprävention sollte sich deswegen auch mit den Möglichkeiten eines „guten Lebens“ abseits des Konsums befassen. In vielen Schulbüchern sucht man das aber noch vergebens.  

5. Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen? 

Dass alle Schülerinnen und Schüler im Unterricht mehr Gelegenheit haben, sich mit ihren Lebenszielen und ihren Vorstellungen eines „guten Lebens“ zu befassen. Denn dazu gehört mehr als nur Dinge zu besitzen – etwa Sinn zu finden in der Arbeit oder in der Beziehung zu anderen. Jungen Menschen müssen in der (Konsum-) Gesellschaft erst ihreeigene Position finden. Schule sollte ihnen dabei stärker als bisher unter die Arme greifen. 

Im Gespräch:

Peter Gnielczyk

Peter
Gnielczyk

Peter Gnielczyk hat bis zu seiner Pensionierung 2014 über drei Jahrzehnte zur Schuldenprävention und Verbraucherbildung gearbeitet, davon 14 Jahre beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Als Dozent lehrt er Verbraucherpolitik und Konsumkompetenz an der Technischen Universität Berlin und weiteren Unis.

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