Title

Aktiv gegen Cyber-Mobbing

Vorbeugen - Erkennen - Handeln

Das Material "Aktiv gegen Cyber-Mobbing. Vorbeugen - Erkennen - Handeln" des Österreichischen Herausgebers Saferinternet.at umfasst 54 Seiten und gliedert sich in sieben Kapitel. Die ersten sechs Kapitel bieten Lehrkräften und Schulleitungen eine Einführung in das Thema. In diesem Rahmen wird definiert, was unter Cyber-Mobbing zu verstehen ist und wie sich das Phänomen unter Schüler/innen darstellt. Entlang der drei Phasen Vorbeugen, Erkennen und Handeln werden konkrete Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Schule aktiv gegen Cyber-Mobbing vorgehen kann. In einem kurzen Abschnitt wird darüber hinaus thematisiert, was Lehrer tun können, die selbst zu Opfern geworden sind. Zudem werden Informationen zu rechtlichen Bedingungen und Beratungsstellen gegeben (beides in Bezug auf Österreich) sowie weiterführende Links und Materialien aufgeführt. Das siebte Kapitel widmet sich konkret der didaktischen Umsetzung im Unterricht. Es umfasst drei Informationsblätter für Schüler/innen und acht Übungen zum Thema Cyber-Mobbing.

Das Material bietet eine fachlich korrekte und informative Einführung in das Thema Cyber-Mobbing. Dabei verbleibt es nicht auf der abstrakten Ebene, sondern bietet zahlreiche anwendungsbezogene Anregungen für Lehrende und Schulleitungen, diesem Phänomen sowohl präventiv als auch intervenierend zu begegnen. Die Informationsblätter und Unterrichtsübungen sind überwiegend pädagogisch sinnvoll und methodisch abwechslungsreich gestaltet. Kritik lässt sich in Bezug auf die vage Formulierung von Lernzielen, die unzureichende Angabe des einzuplanenden Zeitumfangs sowie der empfohlenen Zielgruppe üben. Eine zentrale Schwierigkeit ist hinsichtlich der Übertragbarkeit dieses österreichischen Materials auf den Schulunterricht in Deutschland zu sehen. So können einige Arbeitsblätter und Hintergrundinformationen zu rechtlichen Fragen oder bestehenden Beratungsangeboten nicht ohne Adaptation umgesetzt werden. Insgesamt kann das Material jedoch mit gewissen Einschränkungen für den Einsatz in der Sekundärstufe 1 empfohlen werden.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Gut
Methodik-Didaktik:
Gut
Formale Gestaltung:
Gut
Gesamtbewertung:
Gut
Ausführliche Bewertung
"Aktiv gegen Cybermobbing" ist ein gut geeignetes Material für Schulleitungen und Lehrende der Sekundarstufe 1. Es sensibilisiert für die Thematik, gibt zahlreiche Anregungen für präventive und intervenierende Handlungsmöglichkeiten und bietet konkrete Unterrichtsvorschläge, die zu großen Teilen pädagogisch sinnvoll und methodisch abwechslungsreich gestaltet sind. Verschiedene Medien (u.a. Bild, Video, Poster) kommen zum Einsatz und es werden handlungsorientierte Unterrichtskonzepte vorgeschlagen, die Methoden- und Medienkompetenz fördern können. Zudem werden stets verschiedene Varianten angeboten, so dass eine Anpassung an die individuelle Schülerschaft erleichtert wird. Der gewählte Komplexitätsgrad überzeugt ebenso wie die Balance zwischen theoretischen Hintergrundinformationen und praktischen Handlungstipps. Die Einführung in das Thema erfolgt auf Basis wissenschaftlicher Literatur und bietet damit einen differenzierten Blick auf verschiedene Formen, Ursachen und Schweregrade von Cyber-Mobbing. Hierbei findet keine einseitige Verteuflung digitaler Medien statt. Vielmehr werden die Unterschiede von "herkömmlichem" Mobbing zu Cyber-Mobbing nachvollziehbar hergeleitet. Ein gut gewähltes Fallbeispiel macht die zuvor dargelegte Definition anschaulich und stellt den Bezug zur Praxis her. Das Material ist gut strukturiert. Die Querverweise auf andere Kapitel innerhalb des Dokuments aber auch auf weitere Materialien des Herausgebers saferinternet.at sind sehr hilfreich. Insbesondere die Unterteilung in die drei, bereits im Titel genannten, Bereiche des Vorbeugens, Erkennens und Handelns machen die verschiedenen Phasen und damit verbundenen Anforderungen sehr gut deutlich. So setzen die aufgezeigten Handlungsoptionen nicht erst beim vorgefallenen Problem an, sondern es wird bereits für eine Primär-Prävention im Sinne einer Stärkung von Schul- und Klassenklima sensibilisiert. Darüber hinaus ist die visuelle Gestaltung des Materials stringent, schlicht und passend. Elemente wie Kästen, Pfeile oder Icons setzen gute Schwerpunkte. Es ist genügend Platz für eigene Notizen der Lehrkräfte. Ein erster Kritikpunkt bezieht sich auf die Darstellung der relevanten Medien im Zusammenhang mit Cyber-Mobbing unter Schüler/innen. Diese kennzeichnet sich zum einen durch eine verwirrende Vermischung von Hard- und Software ("Soziale Netzwerke, E-Mail und Handy") und zum anderen entspricht sie nicht dem aktuellen Stand der Medienentwicklung. So wird nicht von internetfähigen Smartphones gesprochen, die auch 2014 unter Jugendlichen bereits weit verbreitet waren, sondern von (klassischen) Handys. Ein zweiter Kritikpunkt bezieht sich auf das siebte Kapitel. So ist die sinnvolle Struktur (Vorbeugen Erkennen Handeln) in diesem Abschnitt leider nicht wiederzufinden. Die Auswahl dieser voneinander unabhängigen Unterrichtseinheiten wird nicht weiter begründet oder eingeordnet. Hier lässt sich noch anschließen, dass die Angabe von Leinzielen, Zeitumfang und Zielgruppe recht vage bleibt und die Übung acht eher zum Thema Privatsphäre als zum Thema Cyber-Mobbing passt. In Bezug auf die Anwendbarkeit des österreichischen Materials auf den Schulunterricht in Deutschland liegt die zentrale Schwierigkeit in der Länderspezifik der rechtlichen Grundlagen und möglichen Beratungsstellen. Zwar nicht der Großteil, aber doch das eine oder andere Modul des Materials, kann daher nicht ohne eine umfangreiche Adaptation eingesetzt werden. Insgesamt kann das Material unter Würdigung der Stärken und Berücksichtigung der Kritikpunkte als gut bewertet werden. Mit den genannten Einschränkungen bietet es eine hilfreiche Grundlage mit großem Fundus an Handlungsoptionen und sensibilisierenden Informationen.
Erscheinungsjahr
2014
Autor/in
Barbara Amann-Hechenberger, Barbara Buchegger, Elke Prochazka, Sonja Schwarz, Marlene Kettinger
Reihe
Preis
ISBN
Materialformat
Schlagworte