Title

Barbie und Action Man

Das Material "Barbie und Action Man" nennt als Zielsetzung, Werbung als Vermittler von Konsumwünschen, Trends und Lebensstilen zu erkennen und zu bewerten. Der Fokus dabei ruht auf den geschlechtsspezifischen Mustern in (Kinder-)Werbung. Es finden sich Anregungen zur eigenen Produktion kleiner Werbegeschichten, die auf der Umsetzung erstellter Fotografien und Texte in eine computerbasierende Präsentation beruhen.
Das Material besteht aus einer allgemeinen Modulbeschreibung unter Auflistung vorauszusetzender und zu erwerbender Kompetenzen sowie Hinweisen zur Ergebnissicherung. Des Weiteren finden sich eine kurze Lehrerinformation, Angaben zum Bildungsplanbezug und ein dargestelltes Unterrichtsbeispiel und Arbeitsergebnis. Für die Schülerhand gibt es 3 Arbeitsblätter und exemplarisches Bildmaterial.

Das Material "Barbie und Action Man" verspricht, dass Schülerinnen und Schülern geschlechtsspezifische Unterschiede von Werbung und "beispielsweise anhand der eigenen Kleidung oder der Ausstattung ihres Zimmers Mode- und Stiltrends" erkennen lernen. Zudem sollen sie "Werbung als Vermittler von Wunschvorstellungen erkennen; Werbung zielgruppenspezifisch unterscheiden können; Werbung bestimmten Trends zuordnen können". Diesem Lernnziel kommt das Material jedoch in keinster Weise nach. Es fehlt an konkreten Aufgaben- oder Fragestellungen, die die Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, sich kritisch mit den gewählten Figuren Barbie und Action Man auseinanderzusetzen. Im Gegenteil werden eher geschlechtsstereotype Perspektiven verstärkt.
Zudem fehlt es an sachlichen Hintergrundinformationen für Lehrkräfte.
Das Material „Barbie und Action Man“ ist kein vollständiges Unterrichtsmaterial, sondern fungiert lediglich als Anregung zu einem Unterrichtsvorgehen. Sachinformationen zum Thema, Unterrichtsverlauf mit Hinweisen auf Sozialformen, Medieneinsatz und Sequenzzielen sowie umfangreichere Anregungen zur Reflexion und Stärkung der Urteilsfähigkeit sind zu knapp bzw. fehlen gänzlich. Die Idee hinter dem Projekt und auch das präsentierte Schülerbeispiel sind gelungen, die Umsetzung als Unterrichtsmaterial jedoch weist zu viele Lücken und Schwachstellen auf und ist somit nicht empfehlenswert.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Mangelhaft
Methodik-Didaktik:
Mangelhaft
Formale Gestaltung:
Ausreichend
Gesamtbewertung:
Mangelhaft
Ausführliche Bewertung
Kinder sind in der heutigen Medienkindheit tendenziell überall und jederzeit von Werbung umgeben. Nicht selten arbeitet speziell die Werbung für Kinder mit stereotypen Geschlechterrollen. Mit bewusst gewählten geschlechtsspezifischen Gestaltungsmitteln wie Wortwahl, Farbgestaltung und Machart sollen gezielt Jungen bzw. Mädchen angesprochen und zum Kauf animiert werden. Das vorliegende Material „Barbie und Action Man“ beansprucht vor diesem Hintergrund für sich, Kinder in ihrer Werbekompetenz und in ihrer Fähigkeit zum Erkennen und Bewerten geschlechtsspezifischer Werbemittel zu fördern. Tatsächlich jedoch verbleiben die gegebenen Unterrichtsvorschläge auf der reinen Anwendungsebene mit geschlechtsspezifischen Werbebeispielen. Das bewusste Übertragen in die eigene Lebenswelt, Sammeln und Reflektieren der Ergebnisse fehlt. Das Material verfehlt damit die selbstgenannten Lernziele "Werbung als Vermittler von Wunschvorstellungen erkennen; Werbung zielgruppenspezifisch unterscheiden können; Werbung bestimmten Trends zuordnen können". Diese Lernziele sollen anhand der Figuren Barbie und ActionMan erarbeitet werden. Jedoch gibt es nicht eine Aufgabenstellung, die auf eine kritische Auseinandersetzung und Reflexion der Figuren abzielt oder die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt, Absichten und Macharten von Werbung zu durchschauen. Auch für die Lehrkraft fehlt es an Hintergrundinformation, die auf die Entstehung und Zweck von Werbung eingeht und insbesondere das Thema geschlechtsspezifische Unterschiede von Werbung, aber auch von Spielzeugen, aufgreift. Im Gegenteil wird durch das Material eher eine geschlechtsstereotype Sichtweise auf die Figuren Barbie und Action Man befördert. Zum einen dadurch, dass bereits die Arbeitsblätter eine Geschlechtertrennung vorsehen durch Arbeitsaufträge wie "Ich bin ein Mädchen und finde Barbie..." oder "Ich bin ein Junge und finde Barbie...", ohne dass im Anschluss ein Arbeitsauftrag formuliert ist, der die Ergebnisse kritisch hinterfragt oder Alternativen bietet. Zudem werden den Schülerinnen und Schülern Beispiele für Werbesprüche für Barbie und Action Man geliefert, die wiederum in keiner Arbeitsphase kritische besprochen werden sollen. Zwar ist die Medienarbeit mit Fotoapparat und computerbasierenden Präsentationsprogrammen motivierend für die Kinder, doch sowohl Lehrperson als auch die Lernenden erfahren in Unterrichtsplanung und Unterrichtsgeschehen wenig Unterstützung durch das vorliegende Modul. Es fehlen genaue didaktische Hinweise, wie der Arbeitsauftrag in Gruppenarbeit angegangen werden kann, wie die Materialbeschaffung gelingen kann, welche Wortsammlungen oder tragenden Elemente einer Werbegeschichte vorhanden sein sollten. Und schließlich bleibt die Rückführung zum eigentlichen Lernziel offen: Wie bauen sich Geschlechterrollenstereotype in Werbebotschaften auf? Warum gibt es diese geschlechtsspezifischen Werbemittel? Und welche Auswirkungen hat dieser Stil auf Kinder als Konsumenten und auf die Sozialisation von Grundschulkindern? Die eigentliche Zielsetzung des Materials ist somit nicht erfüllt. Insgesamt fehlt dem Material ein strategisch durchdachter „rote Faden“. Die notwendigen Sachinformationen fehlen, didaktische Kommentare sind unvollständig und Arbeitsmaterialien für die Schülerhand nicht überzeugend. Hilfreich sind die Klickanleitungen (bzw. die Hinweise auf diese) im Umgang mit dem Präsentationsprogramm Powerpoint bzw. dem Bildbearbeitungsprogramm IrfanView, wenngleich sie für die Schülernutzung umgestaltet werden müssten. Zum Schluss sei noch kritsich angemerkt, dass nicht darauf hingewiesen wird, dass es neben den Figuren von Matell noch weitere Hersteller von Puppen gibt und dass die Kinder nicht Machart und Absicht von Werbung beispielsweise anhand eines von ihnen frei erfundenen Produkts erarbeiten. Dadurch, dass die Kinder noch weitere Barbieprodukte wie Barbiehefte mit in die Schule bringen sollen, verfehlt das Material auch die Chance, in diesem Zusammenhang auf das Thema Marchandising einzugehen. Insbesondere durch die fehlenden Arbeitsaufträge zu einer kritischen Auseinandersetzung der beiden Figuren Barbie und Action Man, werden diese allein als begehrenswerte und geschlechtsstereotype vermittelnde Figuren dargestellt. Das Gesamtkonzept ist folglich nicht überzeugend. Lediglich die Idee zu diesem Unterrichtsmodul ist lebensweltbezogen und kompetenzfördernd. Die Umsetzung in fachlich-didaktischer und formaler Hinsicht jedoch weist zu viele Lücken und Schwachstellen auf und kann damit nicht empfohlen werden.