Title

Die Schülerfirma

Fit machen für's Berufsleben

Die Unterrichtsmappe "Die Schülerfirma" enthält Arbeitsmaterialien und Verfahrensbeschreibungen zur systematischen Initiierung eines von Schülerinnen und Schülern weitgehend eigenständig betriebenen "Schülercafés". Dabei handelt es sich nicht um eine Simulation, sondern um ein reales, gastronomisches Angebot für Schülerinnen und Schüler in den Pausen, welches auf Dauer gestellt werden soll. Jeweils eine Jahrgangsgruppe oder -klasse (alternativ eine jahrgangsübegreifende Gruppe) betreibt das Café für jeweils ein Jahr und übergibt die bestehende Struktur an die Folgegruppe.
Das Angebot umfasst im vorbereitenden Teil teils schematische, teils textliche Hilfestellungen zur Kommunikation und Verankerung des Projekts bei den verantwortlichen Akteuren in der Schule, so dass seine Zielsetzungen und sein Nutzen transparent werden. In der Gründungsphase mit den Schülerinnen und Schülern wird zunächst der Nutzen der Arbeit reflektiert und eine Organisationsstruktur festgelegt, die die verschiedenen Abteilungen (Einkauf, Verkauf, Buchhaltung, Kasse, Kommunikation u.a.) sowie deren Aufgabenbereiche skizziert.
Es folgen exemplarisch ausgearbeitete Vorlagen und Arbeitshinweise zu den Entscheidungen hinsichtlich einer Firmensatzung, zur Finanzierung der Erstausstattung der Geschäftsräume und der Arbeitsmittel, zur Warenpalette (auch mit Hilfe einer Umfrage), zu Tilgungsplänen, zum wöchentlichen Arbeitsplan sowie zur Lohngestaltung. Die Besetzung und Tätigkeitsaufnahme der Stellen in den einzelnen Abteilungen wird durch ein Bewerbungsverfahren sowie Arbeitsverträge eingeleitet und durch Ablaufpläne zur Einweisung in die einzelnen Abteilungen unterstützt. Zu den Tätigkeiten in den Abteilungen zählen beispielsweise die Erfassung von Einkaufsmengen (Buchhaltung), die Erfassung der Arbeitszeiten (Lohnbuchhaltung), Dekoration und Werbung (Kommunikation), Zubereiten der Gerichte (Verkauf), Abholen eines Bestellscheins vom Küchenteam und Kontrolle der vorhandenen Waren (Einkauf), Auszahlung der Lohngelder (Kasse).

Nach einer Phase des Probelaufs wird eine Fehleranalyse durchgeführt sowie eine Hausordnung erstellt. Der reguläre Betrieb wird durch die Organisation einer Eröffnungsfeier eingeleitet und durch monatliche Inventuren begleitet.
Zum Abschluss erfolgt die Übergabe an die nächste Gruppe, nochmals eine Inventur, eine Mitarbeiterbefragung (v.a. hinsichtlich der Auswirkungen der Arbeit auf das Klassenklima und soziale Beziehungen sowie die Berufswahl-Orientierung) sowie eine Abschlussparty.

Die Unterrichtsmappe „Die Schülerfirma“ liefert ein detailliertes Konzept zur Gründung und zum Betrieb eines „Schülercafés“. Dabei handelt es sich nicht um eine Simulation, sondern um eine authentische Dauereinrichtung, die von einer SchülerInnengruppe der Sekundarstufe I verantwortlich geführt werden soll. Das aus Arbeitsmaterialien und Erläuterungen für die Lehrkraft bestehende Heft ist sehr Praxis bezogen angelegt. Viele konkrete und eng an der schulischen Situation orientierte Handlungsschritte sind im Rahmen von Planungs- und Entscheidungssituationen (z.B. „Gesellschafterversammlungen“) inszeniert. Dabei werden Grundformen des Projektmanagements verwendet und der Prozess durch vielfältige Ablaufpläne und Arbeitsformulare mit hohem Aufforderungscharakter abgebildet bzw. angeleitet. Eine Variation der Geschäftsidee (z.B. Büroartikel-Laden oder Fahrradreparaturwerkstatt) wird zwar ausdrücklich angeregt, lässt sich jedoch auf der Grundlage des vorliegenden Materials nicht sehr leicht verwirklichen. Hierzu fehlen fachlich fundierte, modellhafte und damit übertragbare Bausteine und Methoden zu den zentralen betrieblichen Handlungsschritten und relevanten Entscheidungen (u.a. Entwicklung einer Geschäftsidee, Marktanalyse, Rechtsformen, Preiskalkulation, Rechnungslegung). Beispielsweise ist die Preiskalkulation nicht betriebswirtschaftlich korrekt (etwa als Zuschlagsrechnung) konzipiert, sondern am konkreten Fall nur durch Materialkosten und Gewinn definiert. Die realen Kosten werden kalkulatorisch nicht erfasst, wodurch auch die Gewinnermittlung fragwürdig wird. Löhne werden gänzlich als Gewinnanteile definiert und können bei Minderleistung gekürzt werden. Auf diese Weise werden Grundlagen unternehmerischen Handelns verzerrt dargestellt und die Risiken unternehmerischer Tätigkeit nicht sichtbar gemacht. Die Gründung einer "Schülerfirma" erfordert stets eine reflektierte Auseinandersetzung mit den Unterschieden, hinsichtlich derer ein Betrieb unter schulischen Bedingen und unter "realen" Bedingungen arbeitet. Diese Reflexionsebene fehlt im vorliegenden Material. Die überfachlichen Zielsetzungen im Bereich ausgewählter „Schlüsselqualifikationen“, vor allem „Arbeitstugenden“ (Leistungsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit) sowie die Förderung persönlicher Selbstständigkeit, lassen sich mit dem Konzept verfolgen; Kompetenzen im Bereich (betriebs-)wirtschaftlichen Handelns und Entscheidens sind jedoch nur sehr eingeschränkt zu erwerben. Eine multiperspektivische Betrachtung und Reflexion der gesellschaftlichen Bedeutung eines Unternehmens wird durch das Konzept kaum angeregt.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Ausreichend
Methodik-Didaktik:
Gut
Formale Gestaltung:
Gut
Gesamtbewertung:
Befriedigend
Ausführliche Bewertung
Die Unterrichtsmappe „Die Schülerfirma“ liefert ein detailliertes Konzept zur Gründung und zum Betrieb eines „Schülercafés“. Dabei handelt es sich nicht um eine Simulation oder ein Planspiel, sondern um eine authentische Dauereinrichtung, die von einer Schüler/innengruppe zusammen mit der/dem „geschäftsführenden“ Lehrer/in verantwortlich geführt werden soll. Nach der Gründung ist vorgesehen, das Schülercafé durch eine nachrückende Gruppe in den bestehenden Strukturen weiterzuführen und gegebenenfalls zu optimieren. Das Konzept und die Materialien sind an einer bayerischen Hauptschule mit einer Gruppe der Jahrgangsstufe 8 entwickelt und erprobt worden. Als Zielgruppe können Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I (ab Jahrgang 7) schulformunabhängig - sowohl jahrgangsübergreifend als auch im Klassenverband - einbezogen werden. Das aus Arbeitsmaterialien und Erläuterungen für die Lehrkraft bestehende Heft ist sehr Praxis bezogen angelegt. Viele konkrete und eng an der schulischen Situation orientierte Handlungsschritte sind im Rahmen von Planungs- und Entscheidungssituationen (z.B. „Gesellschafterversammlungen“) inszeniert. Dabei werden Grundformen des Projektmanagements verwendet und der Prozess durch vielfältige Ablaufpläne und Arbeitsformulare mit hohem Aufforderungscharakter abgebildet bzw. angeleitet. Die Ziele der Firma (Gewinnerwirtschaftung, Spende für einen gemeinnützigen Zweck) sowie die Aufgaben der Mitarbeiter werden durch eine Satzung definiert. Satzung, Gründungsurkunde, Abteilungen (Funktionen, Aufgaben und Zusammenwirken), Gesellschafterversammlungen (einschließlich Tagesordnungen und Protokolle), Bewerbungen und Vorstellungsgespräche, Arbeitsverträge und Buchhaltung liegen in einer detailliert ausgearbeiteten Form (auch als Word-Vorlagen auf CD-ROM) vor. Obwohl die Materialmappe ein grundsätzlich ansprechendes klares Layout hat, fällt eine Orientierung hinsichtlich der vorgesehenen Projektphasen und der zentralen ökonomischen Entscheidungen und Inhalte nicht ganz leicht. Zum einen fehlt ein Gesamtüberblick, der die Phasen von der Gründung bis zum Abschluss vollständig mit den Handlungsschritten verknüpft und zentrale betriebliche Entscheidungen (z.B. Preiskalkulation) auffindbar macht. Eine vorhandene „Checkliste mit Meilensteinen“ gibt keine vollständigen Informationen, stellt keine Verknüpfungen zu den Arbeitsmaterialien her und kennzeichnet nicht auch die optionalen Elemente. Zum anderen wird die Erschließung des komplexen Prozesses mit den verschiedenen Materialtypen weder grafisch noch durch Anordnung der Elemente (z.B. Arbeitsblatt neben Erläuterungen) erleichtert. Eine Variation der Geschäftsidee auf „alle möglichen Schüler-Übungsfirmen“ (z.B. Büroartikel-Laden oder Fahrradreparaturwerkstatt) wird zwar ausdrücklich angeregt, lässt sich jedoch auf der Grundlage des vorliegenden Materials schwerlich verwirklichen. Nicht nur ist die Parallelität etwa zwischen einem Produktions- und einem Dienstleistungsbetrieb nicht gegeben, sondern es fehlen hierzu fachlich fundierte, modellhafte und damit übertragbare Bausteine und Methoden zu den zentralen betrieblichen Handlungsschritten und relevanten Entscheidungen (u.a. Entwicklung einer Geschäftsidee bis zur Marktreife, Rechtsformen, Marktanalyse, Preiskalkulation, Rechnungslegung. Beispielsweise ist die Preiskalkulation nicht modellhaft (etwa als Zuschlagsrechnung) konzipiert, sondern am konkreten Fall nur durch Materialkosten und Gewinn definiert. Die realen Kosten werden kalkulatorisch nicht erfasst, wodurch auch die Gewinnermittlung fragwürdig wird. Löhne werden gänzlich als Gewinnanteile definiert und können bei Minderleistung gekürzt werden. Die Geschäftsidee ist vorgegeben, es wird kein kommunizierbarer Business-Plan entwickelt und die „Marktanalyse“ beschränkt sich auf das Ankreuzen präferierter Snack-Artikel aus einer vorgegeben Liste. Wettbewerbsaspekte in Bezug auf das schulische Umfeld werden nicht thematisiert, ebensowenig wird ein Anleitung zur Erarbeitung einer Marketing-Strategie zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise können die Schülerinnen und Schüler weder ein gesichertes ökonomisches Begriffs- und Zusammenhangswissen aufbauen, noch die Risiken unternehmerischer Tätigkeit richtig einzuschätzen lernen. Das Schülercafé wird als sogenannte „GmbE“ (Gemeinschaft mit besonderer Erfahrung) betrieben, ohne dass die besondere rechtliche Stellung der Schülerfirma als pädagogisches Projekt verdeutlicht wird. Es wird zudem empfohlen, die Schülerfirma als Aktiengesellschaft zu betreiben um die Kapitalstöcke zu erweitern. Eine Auseinandersetzung mit den realen Rechtsformen und vor allem ihren Bedeutungen und Konsequenzen findet nicht statt. Folglich entsteht Unklarheit über den rechtlichen Status der Schülerfirma; die mit der Aktiengesellschaft verbundenen Verpflichtungen, etwa der Rechnungslegung, werden weder transparent gemacht noch in der Umsetzung berücksichtigt. Insgesamt betrachtet bleibt der Unterschied zwischen Schülerfirma und „echtem“ Unternehmen unreflektiert. Dadurch besteht die Gefahr einer verzerrten Darstellung der Grundlagen unternehmerischen Handelns. Das „Schülercafé“ ist auch wenig dazu geeignet, die Interessen und Beziehungen ökonomischer Akteure zu verstehen. Implizit wird zwar das gemeinsame Interesse aller betrieblichen Akteure am Bestehen und Erfolg des Unternehmens deutlich. Interessengegensätze etwa bezüglich der Preis- und Lohngestaltung werden jedoch nicht reflektiert. Die Perspektiven anderer Akteure (z.B. Wettbewerber, Konsumenten) und gesellschaftlicher Zusammenhänge (z.B. Ökonomie und Ökologie) werden vernachlässigt. Insbesondere nach der Gründungsphase werden die Produktions- und Verkaufstätigkeiten sowie die Ausführung der Buchhaltung zu den dominanten Handlungen und die Reflexionsebene rückt noch weiter in den Hintergrund. Das durchgängig handlungsorientierte Vorgehen wird durch Vorschläge zur Leistungsbewertung und zur Lernzielkontrolle ergänzt. Die Prüfungsfragen für die schriftliche Lernzielkontrolle sind nach Schulformen differenziert vorgeschlagen. Hier fällt auf, dass die wenig zusammenhängenden Einzelfragen für die Hauptschule im Wesentlichen auf die reproduktive Darstellung der konkreten Bestandteile und Prozesse des Schülercafés und die Legitimation bestimmter Abläufe zielen („Warum müssen die Kassenzettel aufgeklebt und gesammelt werden?“). Die Vorschläge für die Realschule und das Gymnasium enthalten darüber hinaus zahlreiche Fragestellungen, die durch das vorliegende Material nicht bearbeitet werden können („Wird ein Kaufvertrag abgeschlossen, wenn ihr einen Müsliriegel an Mitschüler verkauft?“, „Was müssen wir in unserem Schülercafé tun, um umweltgerecht zu handeln?“, „Welche Unterschiede gibt es zwischen unserem Schülercafé und einem Industriebetrieb?“). Die Kriterien für die Bewertung der praktischen Arbeit sind ausschließlich auf soziale Kompetenzen und die sorgfältige Ausführung der Arbeitsleistung bezogen. Während die Vorgehensweise insgesamt durch eine strukturierte Organisation und die „Gesellschafterversammlungen“ situationsorientiert gestaltet ist, bleiben die Fachmethoden und ökonomischen Bildungsziele diffus. Die überfachlichen Zielsetzungen im Bereich ausgewählter „Schlüsselqualifikationen“, vor allem „Arbeitstugenden“ (Leistungsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit) sowie die Förderung persönlicher Selbstständigkeit, lassen sich mit dem Konzept verfolgen; Kompetenzen im Bereich (betriebs-)wirtschaftlichen Handelns und Entscheidens sind jedoch nur sehr eingeschränkt zu erwerben. Eine multiperspektivische Betrachtung und Reflexion der gesellschaftlichen Bedeutung eines Unternehmens wird durch das Konzept kaum angeregt.
Herausgeber
Erscheinungsjahr
2008
Autor/in
Kurt Krause
Reihe
Preis
28.50 €
ISBN
978-3-93284-959-6
Materialformat