Title

Ich bin meine Zukunft

Die Gestaltung der Lebenslage (Module 1 - 12)

Der Grundkurs "Ich bin meine Zukunft - Die Gestaltung der Lebenslage" ist ein Bildungsprojekt eines interdisziplinären Teams, welches federführend von der Professur für Haushalts- und Konsumökonomik der Universität Bonn entwickelt wurde. Ziel des Projektes ist es, Kinder und Jugendliche für ihre Lebensgestaltung "ökonomisch fit" zu machen und sie in ihrer ökonomischen Handlungskompetenz zu stärken (Informationen Internetseite). Die Wirtschaft soll dabei als Teil der eigenen Lebenswirklichkeit erkannt werden (ebd.).

Auf der Internetseite www.ich-bin-meine-zukunft.de werden die einzelnen Kurse sowie ein umfangreiches Angebot an Informationen über das gesamte Projekt bereitgestellt. Neben 3 Kursen für die Grundschule gibt es für die Sekundarstufe I 3 Module, die wiederum in insgesamt 12 Teilmodule gegliedert sind. Jedes dieser Teilmodule bietet zum Herunterladen 1. eine Darstellung der Inhalte und 2. eine Unterrichtseinheit Basisversion; 9 Module bieten darüber hinaus noch 3. eine Unterrichtseinheit Plusversion. Voraussetzung, um die Materialien zu erhalten, ist die kostenlose Registrierung.
Die hier bewerteten 3 Module für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I lauten:
Modul 1: "Ich bin ich!"
Modul 2: "Ich gehöre zu anderen!"
Modul 3: "Was mache ich in konkreten Problemsituationen?"

Mit dem Projekt "Ich bin meine Zukunft - die Gestaltung der Lebenslage" sollen Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I für die Bewältigung ihres Alltags ökonomisch "fit" gemacht werden. Dabei wird ein im Vergleich zur traditionellen ökonomischen Bildung ein Ansatz gewählt, der ein sehr weites Verständnis von Wirtschaften aufweist. Somit fällt sehr positiv auf, dass die Autoren nicht nur rein ökonomische Fragestellungen in den Blick nehmen, sondern von persönlichen Aspekten wie Zielen und Bedürfnissen über den nachhaltigen Konsum und Umweltschutz auch Aspekte von gesellschaftlicher Mitbestimmung und Familiengründung thematisieren. Mit dieser Herangehensweise "verschwinden" ökonomische Inhalte wie Versicherung, Geld und Haushaltsbudget unter Fragestellungen, die von einer eher alltagsorientierten Perspektive aufgeworfen werden. Dabei wird klar, dass "die Wirtschaft" und "Wirtschaften" Bestandteil der Alltags- und Lebenswirklichkeit aller Akteure ist - und somit auch von Schülerinnen und Schülern.
Deutliche Schwächen sind insbesondere im methodisch-didaktischen Teil sowie in der formalen Gestaltung des Materials zu verzeichnen. Der Einsatz einzelner Module oder des gesamten Kurses kann dennoch empfohlen werden, wenn die Lehrenden bereit sind, die Unterlagen für die jeweilige Jahrgangsstufe anzupassen und in ihren Aufgaben und Methoden differenzierter zu gestalten.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Sehr gut
Methodik-Didaktik:
Befriedigend
Formale Gestaltung:
Befriedigend
Gesamtbewertung:
Gut
Ausführliche Bewertung
Der hier bewertete Grundkurs "Ich bin meine Zukunft - Die Gestaltung der Lebenslage" bietet mit den Teilmodulen 1 bis 12 einen Ansatz der alltags- und lebensökonomischen Bildung, der den Schülerinnen und Schülern ein umfassendes Verständnis von Wirtschaft und Gesellschaft vermitteln soll. Auf insgesamt knapp 460 Seiten werden dazu Fragen und Probleme aufgeworfen zu den Überthemen "Ich bin ich" (Modul 1), "Ich gehöre zu anderen" (Modul 2) und "Was mache ich in konkreten Problemsituationen?" (Modul 3). Was sehr positiv auffällt ist, dass sich die Umsetzung der einzelnen Unterrichtseinheiten konsequent an den Jugendlichen ausrichtet; die Themen und Fragestellungen sind lebensnah und beziehen sich direkt auf die Interessen, Erfahrungen und Lebenskontexten der Jugendlichen und deren Umfeld. So sollen die Schülerinnen und Schüler zunächst persönliche Bedürfnisse und Wüsche erkennen, Ziele formulieren und verfolgen, sowie lernen, wie Entscheidungen gefällt werden. Damit werden Grundlagen behandelt, die in allen Lebensbereichen, z. B. bei Konsum, Finanzen, Freizeit oder Haushalt, von Bedeutung sind. In diesem Verständnis werden drauf aufbauend verschiedene Themen vertieft, so z. B. zu Berufswahl, Geldanlage, Haushaltsführung und Umweltschutz. Schwächen zeigt das Material in der methodisch-didaktischen Aufbereitung. Zwar sind die Arbeitsblätter und Aufgaben inhaltlich so gestaltet, dass die Schülerinnen und Schüler permanent an sich selbst arbeiten und dabei neben fachlich relevanten Inhalten insbesondere lernen, Dinge zu überprüfen, zu reflektieren und zu bewerten. Bei der Wahl von Methodik und Sozialform überwiegen jedoch die Einzelarbeit und das Lehrer-Schüler-Gespräch. Die Entwicklung des Sozialverhaltens der Jugendlichen (wie angestrebt) lässt sich jedoch nur bedingt kognitiv erlernen - es bedarf einiger Arrangements im Unterricht. Gruppenarbeiten sind nur vereinzelt vorgesehen, dabei fehlen jedoch Erläuterungen bzgl. der konkreten Aufgabenstellung, Arbeitsteilung und Koordination in der Gruppe. Auch bei den angebotenen Rollenspielen fehlt durchweg die konkrete Aufgabe zur Methode selbst, d. h. ob und wie Jugendliche tatsächlich in die Rollen schlüpfen und sie spielen sollen, und welche Ziele dabei überhaupt verfolgt werden (so z. B in Modul 8). Was die Unterstützung der Lehrenden betrifft, werden auf der Internetseite umfangreiche Informationen zum Konzept sowie in den einzelnen Modulen jeweils eine Datei mit theoretischen Einführung bereitgestellt, die die Inhalte und Ziele der Einheit benennt und in einen sinnvollen Gesamtkontext bringt. Aufgrund der jedoch unübersichtlichen Gestaltung (engbeschriebene Seiten ohne Aufzählungen), der Komplexität der Inhalte und der durchweg akademischen Sprache richtet sie sich leider nicht wirklich an die Zielgruppe der Lehrenden. Etwas übersichtlicher aufbereitet, werden in den Handreichungen noch einmal die relevanten Punkte aufgegriffen - dadurch entstehen Redundanzen. Hilfreich ist eine Tabelle in jedem Modul, in welchem der Verlauf des Kurses mit Unterrichtssequenz, Inhalten, Methoden und Materialien zusammengefasst wird. Eine zeitliche Zuordnung erfolgt jedoch nicht (außer in Modul 10). Diese bleibt ebenso den Lehrenden überlassen wie die Anpassung der Inhalte an die jeweilige Jahrgangsstufe (es gibt keine Altersempfehlungen) und die konkrete Stundengestaltung. Darüber hinaus müssen sich die Lehrenden Lösungen selbst erarbeiten, da sie nur vereinzelt angeboten werden. Auch die formale Gestaltung der Materialien kann nicht überzeugen, was jedoch mit den Möglichkeiten moderner PC-Programme leicht geändert werden könnte. Das betrifft zum einen die Struktur. Der Aufbau der einzelnen im Internet angebotenen Kurse mit den dazugehörenden Dateien ist zwar einheitlich und verständlich, was den Nutzer unterstützt, sich schnell zurecht zu finden. Dabei wird auch das modulare Konzept deutlich. Positiv ist auch, dass nicht alle Unterlagen ausgedruckt werden müssen, sondern nur die gewünschten. In der Gesamtübersicht des Kursbereiches sollten aber zur besseren Übersicht die Titel der Module und Teilmodule angegeben werden. Die zum Herunterladen angebotenen Materialien selbst könnten zudem wesentlich besser strukturiert werden. So ist die Unterscheidung zwischen Lehrermaterial, Informationsseiten für Schüler und Arbeitsblätter nur mühsam zu erfassen. Mit Nummerierungen und Überschriften in Kopfzeilen sowie mit Inhaltsverzeichnissen könnten Lernende als auch Lehrende in der Nutzung der Unterlagen unterstützt werden. Vorteilhaft und grafisch ansprechender wären darüber hinaus auch Piktogramme, die z. B. auf Arbeitsaufträge hinweisen. Auch durch den Einsatz von unterschiedlichen Schriftarten,-farben und -größen könnten Texte und Aufgabenstellungen deutlicher unterschieden werden. Trotz der dargestellten Mängel überzeugt insgesamt der Ansatz, ökonomische Bildung nicht isoliert zu betrachten, sondern ganzheitlich in den Lebenskontext Jugendlicher zu integrieren. Schülerinnen und Schüler erkennen fast zwangsläufig und eher nebenbei, dass sie sich ökonomischen Problemen nicht entziehen können, da sie selbst relevante Akteure im Wirtschaftsgeschehen sind. Der Einsatz einzelner Module oder des gesamten Kurses kann empfohlen werden, sofern die Lehrenden bereit sind, die Unterlagen für die jeweilige Jahrgangsstufe anzupassen und in ihren Aufgaben und Methoden differenzierter zu gestalten.