Title

Lebensplanung, Lebenskosten

Das Modul "Lebensplanung und Lebenskosten" steht in einer Reihe von 6 Modulen zur schulischen Verbraucherbildung für die Jahrgangsstufen 8 und 9. Angeboten werden die Materialien auf dem Konsumentenportal Konsumentenfragen.at aus Österreich, welches vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betrieben wird.
Das Material kann kostenfrei als pdf-Dokumente runtergeladenwerden und umfasst auf insgesamt 59 Seiten 3 Unterrichtsblöcke zu je 2 Unterrichtseinheiten:
1. "Wünsch dir was"
2. "Was will ich werden"
3. "Die Kassa stimmt"
Jeder Unterrichtsblock beinhaltet eine zusammenfassende Übersicht über Themenschwerpunkte, Ziele und Links. Für die Lehrkraft gibt es zusätzlich ein Lehrkräfteblatt Hintergrundwissen (LB), Methodenblätter (MB) sowie weitere Lehrkräftematerialien zur Durchführung der Methoden. Für die Schülerinnen und Schüler werden Arbeitsblätter (AB) angeboten, desweiteren Informationsblätter (IB) zum Thema des Unterrichtsblocks.

Das österreichische Konsumentenportal konsumentenfragen.at bietet auf seiner Internetseite Unterrichtsmaterialien zum Herunterladen und sofortigen Einsatz im Unterricht der 7. bis 10. Jahrgangsstufe. Mithilfe des vorliegenden Moduls "Lebensplanung/Lebenskosten" sollen Jugendliche der 7. und 8. Klasse in 3 Unterrichtsblöcken lernen, eigene Wünsche und Träume zu erkennen, die berufliche Orientierung zu reflektieren sowie Kosten des täglichen Bedarfs einzuschätzen. Dies gelingt in der methodisch-didaktischen Umsetzung ganz gut; deutliche Schwächen sind jedoch im fachlichen Bereich zu erkennen. Während durchgängig ein Lebens- und Alltagsbezug der Jugendlichen zu erkennen ist und Methoden und Arbeitstechniken vielfältig sind, bleibt insbesondere die sachliche Darstellung an der Oberfläche - Quellen in Texten und fundierte Informationen z. B. zu Berufsorientierung, Arbeitsmarkttrends sowie zur Verschuldung Jugendlicher fehlen gänzlich. Statt dessen fällt ein belehrender und ermahnender Ton der Autoren auf, der den Schülerinnen und Schülern eine Meinung aufdrückt und gleichsam eine autonome Urteilsbildung verhindert.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Ausreichend
Methodik-Didaktik:
Gut
Formale Gestaltung:
Gut
Gesamtbewertung:
Befriedigend
Ausführliche Bewertung
Das Modul "Lebensplanung und Lebenskosten" steht in einer Reihe von 6 Modulen zur schulischen Verbraucherbildung für die Jahrgangsstufen 8 und 9. Angeboten werden die Materialien auf dem Konsumentenportal Konsumentenfragen.at aus Österreich, welches vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betrieben wird. Für ein Material, das aus der Perspektive der Verbraucherbildung bewertet werden soll, bieten sich wenige inhaltliche Anknüpfungspunkte. Denn der Schwerpunkt des Materials liegt darin, dass sich Schülerinnen und Schüler ihrer Eigenverantwortung, ihrer Ziele und Wünsche sowie ihrer Stärken bewusst werden. Die berufliche Orientierung und die Frage nach der beruflichen Zukunft stehen ebenfalls im Fokus. Insofern geht es hier mehr um die Ausprägung der Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler, sich kennenzulernen und die eigene Person zu reflektieren, als um originäre Ziele der Verbraucherbildung. Von den für die Verbraucherbildung wichtigen Themen wird nur die Finanzkompetenz angesprochen, in den ersten beiden Teilen eher am Rande, im dritten Teil des Moduls verstärkt. Insgesamt zeigen insbesondere die methodisch-didaktische Umsetzung als auch die formale Gestaltung der Materialien gute Ansätze. Vor allem der Bezug zur Lebens- und Alltagswelt der Schülerinnen und Schüler und die Arbeit der Jugendlichen an sich und mit ihren Wünschen und Zielen fallen positiv auf. Auch die eingesetzten Methoden sind überwiegend abwechslungsreich und vielfältig, in der konkreten Umsetzung jedoch zeigen sich teilweise Defizite. Z. B. was die Arbeitsaufträge anbelangt. Denn oft "verstecken" sich viele Aufgaben in den Abläufen für die Lehrkraft - mehr und weniger durchdacht. Sie müssen von den Lehrenden dann noch als Arbeitsaufträge formuliert werden. Daneben gibt es Arbeitsaufträge, die explizit in Arbeitsblättern für Schülerinnen und Schüler formuliert werden. Häufig bleiben die Aufträge aber vage oder machen Zusagen, die nicht eingehalten werden. Der Forschungsauftrag "Was will ich werden" (5.2, S. 11) beispielsweise spricht die Jugendlichen als "Detektivinnen und Detektive" an und fasst zusammen, worum es gehen soll - konkrete Aufträge und Angaben zur Durchführung der Aufgabe (Gruppenbildung, Forschungsorte, Zeitvorgaben etc.) sind nicht vorhanden. Auch wird die Lerneinheit in keiner Weise der gestellten Anforderung gerecht, "auf eine sehr strukturierte und [...[] sehr spannende Art und Weise" die Jugendlichen bei ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen. Abgesehen davon, dass die Aufgabe nicht sehr spannend ist, ist es entscheidend für die Entwicklung der beruflichen Orientierung, diese als Prozess zu betrachten. So müsste zum einen auf vorherige Erkenntnisse zurückgegriffen werden, und zum anderen müssten die Ergebnisse des Fragebogens nicht so stehen gelassen, sondern weiterbearbeitet werden. Deutliche Defizite sind im fachlichen Bereich zu sehen. Vor allem fällt negativ ins Gewicht, dass die Auseinandersetzung mit den Inhalten und Gegenständen oft an der Oberfläche bleibt. Das liegt zum einen daran, dass Themen nicht tiefer gehend weiterbearbeitet werden, so z. B. die Recherche über Trends am Arbeitsmarkt und die Zukunftschancen. Das liegt zum anderen daran, dass nur wenige (Sach)informationen angeboten werden, und die vorhandenen sind wenig fundiert und ohne Angaben von Quellen. Zu Themen wie z. B. Schlüsselqualifikationen, Berufsorientierung und Verschuldung junger Erwachsener (5.2, S. 4,5) sollten jedoch einschlägige Quellen herangezogen werden, von denen es zahlreiche gibt. Was außerdem auffällt, ist ein den Schülerinnen und Schülern gegenüber belehrender und ermahnender Ton, der in den Texten und Aufgaben angeschlagen wird. Zu nennen ist beispielsweise die "Geschichte des Elefanten" (5.1, S. 6) und das Informationsblatt zu "Ich steh dazu - es liegt in meiner Hand!" (5.2, S.9). Statt die Geschichte des Elefanten erst einmal im Raum stehen zu lassen, damit sich die Jugendlichen eigene Gedanken machen können, wird die Interpretation und die Ableitung, was das mit den Jugendlichen selbst zu tun haben könnte, gleich mitgeliefert. Eine Diskussion und autonome Urteilsbildung wird dadurch verhindert, und auch die Motivation, diese Tipps anzunehmen, ist sicherlich nicht sehr ausgeprägt. („Auch wir Menschen haben oft viele unsichtbare Fesseln. [ …]. Es gibt […] Möglichkeiten, sich von seinen Fesseln zu befreien. […] Es es (sic!) wert, es auszuprobieren.“ Insgesamt liefert das vorliegende Modul Anregungen, insbesondere zum Thema Visionen, Wünsche und Ziele, mit denen die Fähigkeit zur Reflexion gefördert werden kann. Diese wiederum bildet eine gute Basis für die Verbraucherbildung. Mit den dargelegten Schwächen sowie den fehlenden unmittelbaren Zusammenhängen zwischen den 3 Unterrichtsblöcken und zwischen den Unterrichtseinheiten selbst ergibt sich der Eindruck eines nicht stimmigen Materials mit großem Verbesserungspotential.