Title

Von der Kakaobohne zur Schokolade

Unterrichtsmaterialien für die Grundschule

Das 44-seitige Material liegt als pdf Datei vor.
Zunächst werden die didaktischen und methodischen Ideen zu den Arbeitsblättern (AB) und Unterrichtsvorschlägen kurz kommentiert.
Es folgen 5 Kapitel, die jeweils mit dem Lernziel, Sachinformationen und weiterführende Erläuterungen eingeleitet werden.
1. Die Wirkung von Kakao und Schokolade; 3 AB: Entspannt in den Tag: mein Kakao und ich, Belohnung für den Körper, Belohnung fürs Gehirn
2. Die Kakaopflanze; 2 Folien und 5 AB: Anbau, Das Leben der Kakaobauern, Beschreibung des Kakaobaums (Pflanze, Blüte, Frucht)
3. Das wahre Märchen von der Kakaobohne; 5 AB: Historische Hintergründe des Kakaos mit Geschichten und Spielen
4. Vom Kakao zur Schokolade; eine Folie und 10 AB mit Rätsel, Spielen, Landkarten zur industriellen Schokoladenproduktion und Anleitung zum Selbstherstellen von Schokolade
5. Projekte und Kunst mit Schokolade; 4 AB mit Praxisanleitungen (Basteln, malen, ein Gedicht, Fest)
Es schließen sich weiterführende Literatur und Internetlinks an und ein Firmenporträt der Firma Ritter Sport.

Beim vorliegenden Medium handelt es sich um Unterrichtsmaterialien zum Thema Kakao und Schokolade. Das Material ist eigentlich ansprechend gestaltet. Leider ist die Zielgruppe falsch definiert, denn für eine 3. bzw. 4. Klasse sind die Arbeitsblätter zu voll und der Text zu anspruchsvoll gewählt. Die gesundheitsbezogenen Äußerungen sind fragwürdig. Andere wichtige Lerninhalte zum Thema Nachhaltigkeit, Menschenrechte, Wertschätzung von Lebensmitteln fehlen. Der Name Ritter Sport erscheint auf den Arbeitsblätter, daher kann das Material nicht unbedenklich im Unterricht eingesetzt werden. Historie, Biologie der Kakaopflanze und Wirkung im Organismus sind durchaus attraktive Themen, die aber tendenziell den Schokoladenkonsum subtil positivieren. Die grafisch sehr schön gestalteten Arbeitsblätter disqualifizieren sich unter der Motivation, den Schüler/innen das Schokoladenessen vorbehaltlos noch schmackhafter zu machen. Suggestiv- und eingestreute Werbesätze diskreditieren das Material - schade um die schönen Bilder und spannenden Unterrichtsideen. Das Bild des immer wieder auftauchende Schokoladenmeisters, der etwas aufdringlich die Vorzüge des Schokoladenkonsums plädiert und gerne auf Ritter Sport hinweist, macht das Material unbrauchbar für einen sachgerechten Unterricht. Da Werbung nicht durch die Hintertüre in das Klassenzimmer kommen darf, ist dieses Material insgesamt leider nicht zu empfehlen.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Ausreichend
Methodik-Didaktik:
Gut
Formale Gestaltung:
Sehr gut
Gesamtbewertung:
Mangelhaft
Ausführliche Bewertung
Dieses Material ist zwar stilistisch, grafisch und didaktisch hervorragend erstellt, der einleitende Satz von Alfred Ritter „Schokolade ist purer Genuss“ zieht sich allerdings werbeträchtig als Dogma durch das gesamte Werk („Du gibst beim Sport alles. In der Pause hast du plötzlich Heißhunger auf Schokolade“). Die Verheißung, dass der Verzehr von Schokolade als Energie-Kick, Muntermacher, Konzentrationsvebesserer und Entzündungshemmer dient, ist in Anbetracht des hohes Zucker- und Fettanteils nicht zu verantworten. Es ist richtig, dass Flavonole interessante Reaktionen im Organismus auslösen, dafür reichen ca. 6 g dunkle Schokolade – bzw. der Verzehr von Aprikosen, Beeren, Äpfel oder Brokkoli. Die Assoziation von Schokolade mit Belohnung und Entspannung ist bei vielen Menschen sowieso schon problematisch geknüpft – Schüler/innen dies manipulativ in der Vorstellung zu positivieren, wertet das Material definitiv ab (Zitat: Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Schokolade glücklich macht. Sie ist eine Belohnung fürs Gehirn – Ein Stück Glück“ und „…außerdem ist Schokolade lecker und damit eine gute Belohnung – auf die man eben Lust bekommt!“). Zusätzlich wird dies noch permanent mit Kommentaren von Theo, dem Schokoladenmeister, untermauert: “Ich trinke zum Frühstück gern Kakao. Er ist gut für Körper und Gehirn, macht gute Laune ... und schmeckt lecker!“ „Hmmm – mir läuft das Wasser im Mund zusammen“. Damit die Kinder diese physio-psychologischen Auswirkungen auch glauben, werden sie mit Fremdwörtern getriggert: Phenylyethylamin, Polypohenole, Flavonole, Endorphine u.a. – dies sind zu schwerer Begriffe für die Zielgruppe und keine geeignete Didaktik. Im Hinblick auf die hohe und steigende Anzahl übergewichtiger Kinder sollte eine Unterrichtseinheit zu Schokolade wesentlich kritischer sein und für einen eindeutigen gezügelten Verzehr plädieren. Zusätzlich lenken Suggestivfragen und Aktionen die Kinder manipulativ auf die Firma, u.a.: „Bastle dir dein eigenes Quetzal! Dafür brauchst du: drei leere Schokoladenverpackungen von 100 Gramm-Ritter Sport Schokolade…“. Die Betrachtung und didaktische Bearbeitung des Kakaobaumes, die Arbeit der Kakaobauern, historische Hintergründe und die Herstellung der Schokolade sind schön präsentiert – trotzdem müsste die Lehrkraft zur Verwendung der Arbeitsblätter gewissenhaft entsprechend manipulative und werbeträchtige Aspekte herausnehmen. Da Werbung nicht durch die Hintertüre in das Klassenzimmer kommen darf, ist dieses Material insgesamt nicht zu empfehlen.