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MONEYCARE - Pass auf dein Geld auf!

Das Material "MoneyCare" ist Ergebnis eines Beitrages, den die Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen DILAB e. V. und die Arbeiterwohlfahrt Friedrichshain-Kreuzberg gemeinsam mit weiteren Projektpartnern im Rahmen des von der EU geförderten Projekts "Finalist" 2008 bis 2009 entwickelt haben. Ziel und Anliegen dieses Projekt, das zeitgleich auch in anderen Ländern lief, war die Bildung und Stärkung von finanziellen Kompetenzen und Allgemeinwissen bei jungen Menschen vor dem 25. Lebensjahr.

Der Ordner bietet auf 294 Seiten Hintergrundwissen, Literaturhinweise und methodische Anregungen für Lehrende sowie Informationsmaterial, Aufgabenblätter und Wissenstests für Schülerinnen und Schüler. Der Einsatz des Ordners ist vorgesehen für den Schulunterricht in den Klassen 8 bis 11 sowie für den Unterricht in berufsvorbereitenden und ausbildungsbegleitenden Maßnahmen (S. 2).
Angeboten werden 4 Themenmodule, die wiederum in insgesamt 39 Bausteine untergliedert sind:

Modul 1: Das muss ich auch haben! Konsum und Werbung
Modul 2: Nur eine Unterschrift -ein Klick?! Verträge- Rechte und Pflichten
Modul 3: Wo bleibt mein Geld? Über den Umgang mit Finanzen
Modul 4: Leihst Du noch oder sparst Du schon? Banken, Finanzierung und Kredite

Mithilfe des Materialordners "MoneyCare- Pass auf dein Geld auf!" sollen Jugendliche und junge Erwachsene Kompetenzen für einen kritischen und überlegten Umgang mit Geld entwickeln. Sie sollen in der Schule bzw. in berufsvorbereitenden Maßnahmen grundlegende Kenntnisse erwerben und das eigene Konsumverhalten kritisch reflektieren (S. 2). Dazu bietet der Ordner vom Umfang als auch von der Themenauswahl eine Menge. Insbesondere die vielen Praxisfälle aus der Schuldenberatung und die durchgängige Orientierung an der Alltags- und Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler sind ein großes Plus. Ohne Zweifel sind die gewählten Themen diejenigen, bei denen junge Menschen Unterstützung bzw. fundiertes Wissen benötigen. Doch auch wenn die Module für einen "niedrigschwelligen und besonders alltagsnahen Unterricht" (S. 2) angelegt sind, sollte die Umsetzung - insbesondere wenn sie sich an Fächern der Sekundarschule orientiert - methodisch-didaktisch als auch fachlich durchdacht aufbereitet sein. Diesbezüglich sind teilweise deutliche Schwächen zu erkennen, die den Einsatz des Materials im Unterricht erschweren.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Gut
Methodik-Didaktik:
Befriedigend
Formale Gestaltung:
Befriedigend
Gesamtbewertung:
Befriedigend
Ausführliche Bewertung
Das Material "MoneyCare" ist Ergebnis eines Beitrages, den die Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen DILAB e. V. und die Arbeiterwohlfahrt Friedrichshain-Kreuzberg gemeinsam mit weiteren Projektpartnern im Rahmen des von der EU geförderten Projekts "Finalist" 2008 bis 2009 entwickelt haben. Ziel und Anliegen dieses Projekts war die Bildung und Stärkung von finanziellen Kompetenzen und Allgemeinwissen bei jungen Menschen vor dem 25. Lebensjahr. Sehr positiv stellt sich zunächst die durchgängige Bezugnahme zur Lebens- und Alltagswelt der Jugendlichen dar. Insbesondere die vielen Praxisfälle aus der Schuldenberatung sind ein großes Plus. Ohne Zweifel sind die gewählten Themen diejenigen, bei denen junge Menschen in ihrem alltäglichen Leben Unterstützung bzw. fundiertes Wissen benötigen. Nicht wenige Jugendliche werden vielleicht sich selbst oder Freunde in den dargelegten Fällen und Problembeschreibungen wiederfinden, wie z. B. in Mandy, die für ihren Freund mehrere Handyverträge abgeschlossen hat und letztendlich auf diesen und weiteren von ihm verursachten Schulden sitzen bleibt (S. 139). Diese Betroffenheit ermöglicht es, die Jugendlichen für Problematiken aufzuschließen und sie im Unterricht an relevante Informationen heranzuführen bzw. sie in der Rolle als wirtschaftlich handelnder Akteur und kritischer Verbraucher zu unterstützen. Leider nimmt das vorliegende Material die sich daraus bietenden Chancen und Möglichkeiten für den Unterricht nicht konsequent wahr. Denn der positive Alltagsbezug gereicht zum Nachteil, wenn für die schulische Aufbereitung der Themen eine theoretische Disziplin- und Wissenschaftsorientierung fehlt. Insbesondere die Sachtexte sind durch Alltagssprache und -bezüge gekennzeichnet; zur Einordnung und Erklärung von Phänomenen sind jedoch auch Erklärungsansätze möglichst verschiedener Disziplinen notwendig, z. B. aus dem Marketing oder der Psychologie. Auch fehlen z. B. empirische Erkenntnisse und Daten, die die einzelnen Phänomene und Alltagsprobleme von der individuellen Perspektive weg auf eine Meta-Ebene stellen und verallgemeinernd betrachten. Die individuelle Perspektive, aus der überwiegend heraus die einzelnen Lerngegenstände bearbeitet werden, führt auch dazu, dass ein gesellschaftlicher Kontext nicht hergestellt wird. Insofern fehlt ein größerer Bezugsrahmen, der den Schüler/innen Referenzpunkte zu einem reflektierten und kritischen Verhalten und Denken liefern könnte. Deutliche Defizite zeigt das Material, wenn es um die Umsetzung im Unterricht geht. Schon an einigen Begrifflichkeiten wird deutlich, dass hier womöglich keine Unterrichtsexperten, d. h. Pädagog/innen, die Materialien zusammengestellt haben. Denn warum ist die Auseinandersetzung mit Wünschen bzw. die Bearbeitung eines Arbeitsblattes zum Thema Handykosten jeweils ein Spiel ("Wünsche-Spiel", "Handykosten-Spiel")? Weitaus ärgerlicher ist aber, dass das gesamte Angebot den Ansätzen eines modernen und handlungsorientierten Unterrichts im Grundsatz widerspricht. In diesem Sinne sollen - knapp zusammengefasst - die Lernenden diejenigen sein, die ihre Lernprozesse aktiv gestalten und steuern, indessen die Lehrkraft dafür den entsprechenden Rahmen schafft, eine beratende Rolle einnimmt und die Lernenden unterstützen soll. Hier weist das Material in der althergebrachten Tradition dem Lehrenden den aktiven Part zu. Denn ohne dass die Lehrkraft die neuen Themen einführt, den Ablauf steuert, Input gibt, Fragen und Aufgaben formuliert, Gruppen zusammensetzt, Diskussionen leitet und Ergebnisse zusammenführt, kann der Unterricht - nach den Vorgaben des Materials - nicht laufen. Dies liegt insbesondere daran, dass die vielen Sachtexte und Informationen überwiegend für die Lehrenden vorgesehen sind. Und es liegt daran, dass die Schülerinnen und Schüler zwar einige wenige Informationen und Aufgabenblätter bekommen, diese jedoch überhaupt keine Arbeitsaufträge beinhalten, die sich direkt an sie richten würden. Sie haben folglich auch keine Möglichkeit, sich z. B. über einen fest definierten Zeitraum alleine oder in Gruppen mit einem Lerngegenstand selbstständig zu beschäftigen. Aus diesem Grund verpuffen auch die verwendeten Methoden und Techniken - sie bleiben auf der Sachebene und erweitern bestenfalls Wissen und Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler. Vollständige Arbeitsaufträge dagegen könnten darüber hinaus auch die so wichtigen sozialen und personalen Kompetenzen berücksichtigen und z. B. Aspekte der Kommunikation in Gruppen, der Entwicklung von Handlungs- und Entscheidungsalternativen und der Präsentation von Ergebnissen aufnehmen. Was die formale Gestaltung betrifft, zeigen sich auch hier Schwächen. Bei knapp 300 Seiten ist eine intelligente Strukturierung notwendig, mithilfe derer insbesondere die Lehrenden sich schnell orientieren können. Das Material bietet diesbezüglich jedoch wenig Unterstützung - neben einem Inhaltsverzeichnis auf Seite 1 gibt es nur noch Inhaltsverzeichnisse über die Bausteine der einzelnen Module 1-4. Wo man sich z. B. beim Durchblättern inhaltlich genau befindet, welche Seiten zu welchem Baustein/Thema gehören, ist nicht erkennbar. Darüber hinaus ist es für Lehrende als auch für Schülerinnen und Schüler gleichermaßen wenig attraktiv, dass die Seiten größtenteils vollständig mit Text gefüllt sind. Grafische Elemente, Tabellen, Abbildungen etc. , die auflockernd wirken und zudem den Text inhaltlich ergänzen können, fehlen gänzlich. Die Lesbarkeit könnte durch eine gefälligere kleinere Schriftart und durch den Einsatz von grafischen Elementen deutlich verbessert werden.
Erscheinungsjahr
2013
Autor/in
Alexandra Horn, Susanne Wilkening
Reihe
Preis
25.00 €
ISBN
Materialformat