Title

Ökologische und konventionelle landwirtschaftliche Produktion auf dem (Konsum-)Prüfstand - eine Unterrichtseinheit über die Hühnerhaltung und das Lebensmittel "Ei"

Unterrichtseinheit mit didaktischen Materialien

Die Unterrichtseinheit behandelt unterschiedliche Aspekte der ökologischen Landwirtschaft
am Beispiel der Hühnerhaltung. Es sollen die Grundformen der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft thematisiert und die Bedeutung einer artgerechten und ökologischen Nutztierhaltung für die Lebensmittelproduktion erarbeitet werden. Am Beispiel des Lebensmittels ‚Ei’ sollen zudem nachhaltige Konsumhandlungen verdeutlicht werden.
Vermittelt werden u.a. die Grundprinzipien des Ökolandbaus, die Bedeutung der Nutztiere für unsere Lebensmittelproduktion und die Grundzüge der Lebensmittelproduktion. Das Material ist in 3 Module aufgeteilt.

Die Unterrichtseinheit ist nur teilweise empfehlenswert, weil das anfänglich genannte Ziel, die Grundformen der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft zu thematisieren, zwar mit den ideenreichen Materialien im Unterricht bearbeitet werden kann, die Inhalte jedoch an einigen Stellen etwas fragwürdig sind. Der Aufbau der Module ist gut strukturiert und übersichtlich. Eine sog. Verlaufsskizze verdeutlicht jeweils die Durchführung, inhaltliche Informationen werden auch hier gegeben. Die fachliche Darstellung der Inhalte ist etwas verzerrt: beispielsweise werden die Regeln des ökologischen Landbaus etwas verherrlicht - aber auch dort gibt es leider inzwischen große Stallungen, wobei nicht jede Hennen einen Namen hat; auch hier sind Zusatzstoffe im Futter erlaubt und die europäische Öko-Verordnung gestattet Höfe, die entweder reine Tierhaltung oder Pflanzenanbau durchführen, der sog. Kreislauf ist insofern nicht geschlossen - hier fehlen Hintergrundinformationen für die Lehrkrafthier, auch um die europäische Öko-Verordnung von den strengeren Verbänden z.B. Demeter-Verordnung zu unterscheiden. Des Weiteren ist die Personifizierung des Eies auf den Arbeitsblättern - Modul 1 (es stellt sich vor und spricht) vielleicht lustig aber pädagogisch und rhetorisch etwas fragwürdig. Auch wenn die Intention und Absicht des Autors sehr ehrwürdig sind, die ökologische Landwirtschaft und Tierhaltung als einzige ethisch akzeptable Landwirtschaft zu präsentieren, dürfen suggestiv Texte nicht in einem Lehrmaterial vorhanden sein.
Insgesamt sicher eine wichtige Unterrichtseinheit, deren Absichten und Ziele sehr gut sind, die didaktische Umsetzung aber leider nur ein teilweise empfehlenswertes Urteil zulässt.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Ausreichend
Methodik-Didaktik:
Gut
Formale Gestaltung:
Sehr gut
Gesamtbewertung:
Befriedigend
Ausführliche Bewertung
Die Unterrichtseinheit ist nur teilweise empfehlenswert, weil das anfänglich genannte Ziel, die Grundformen der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft zu thematisieren, zwar mit den ideenreichen Materialien  im Unterricht bearbeitet werden kann, die Inhalte jedoch an einigen Stellen etwas fragwürdig sind. Drei Module, die unabhängig voneinander umgesetzt werden können,  thematisieren 1. unterschiedliche Methoden der Hühnerhaltung, 2. die Tier-ethische Beleuchtung der Haltungsmethoden, assoziiert mit den daraus resultierenden Qualitätsunterschieden und 3. Fragen zu nachhaltigen Kriterien.  Der Aufbau der Module ist gut strukturiert und übersichtlich. Eine sog. Verlaufsskizze verdeutlicht jeweils  die Durchführung, wobei hier auch inhaltliche Informationen gegeben werden. Leider wurde mitunter nicht konsequent auf die fachlich richtige Darstellung geachtet, so z.B. bei der Codezahl der Eier: es wurde nur auf die Zahlen 0-3 Wert gelegt, die die Zuordnung der Hühnerhaltung (Käfig – Ökoei) präsentieren – allerdings haben die nachfolgenden Nummern ebenfalls eine Bedeutung (das Bundesland und der Hof), die auch in der Hintergrundinformation nicht erklärt werden. Die Zahlen auf den Beispielen sind nicht real (es gibt kein Bundesland mit der Nummer 80) – die Herkunft ist wichtig und wird in weiteren Arbeitsblättern sogar noch gebraucht (Modul 3 AB 1). Die Regeln des ökologischen Landbaus werden etwas verherrlicht und nicht konsequent richtig dargestellt: so gibt es leider inzwischen auch dort große Stallungen, wobei nicht jede Hennen einen Namen hat, auch sind Zusatzstoffe im Futter erlaubt und die europäische Öko-Verordnung gestattet Höfe, die entweder Tierhaltung  oder Pflanzenanbau durchführen, der sog. Kreislauf ist insofern nicht geschlossen  - hier fehlt die Hintergrundinformation für die Lehrkraft, die europäische Öko-Verordnung von den strengeren Verbänden z.B. Demeter-Verordnung zu unterscheiden. Die Personifizierung des Eies auf den Arbeitsblättern 1-4 von Modul 1 (es stellt sich vor und spricht) ist vielleicht lustig aber pädagogisch und rhetorisch etwas fragwürdig. So wechselt die Perspektive im Text und die Inhalte sind sehr ideologisch geprägt, Zitat: „Ich bin das Ei mit der Kennziffer 3… ein natürliches Leben hat eine Legehenne nicht, aber dafür produziert sie Eier wie am Fließband… Irgendwie scheinen hier die Tiere Teil eines Produktionsprozesses zu sein, also lebende eierlegende Maschinen und keine eigenständige Lebewesen“. Auch wenn die Intention und Absicht des Autors sehr ehrwürdig sind, die ökologische Landwirtschaft und Tierhaltung als einzige ethisch akzeptable Landwirtschaft zu präsentieren, dürfen suggestiv Texte nicht in einem Lehrmaterial vorhanden sein. Auch die ironische bzw. fast provokante Wortwahl ist für eine 5. Klasse nicht zu durchschauen, Zitat: „Ein Vorteil: Ich bin am billigsten.“ Und: „Die Tiere machen alles in ihrem Stall: sie fressen (...)und koten in den Stallungen. Das ist ein Nachteil: Sie legen nämlich dort ihre Eier, so wie mich. Wenn die Eier mit Kot in Berührung kommen, ist die Gefahr groß, dass sich an der Schale Krankheitserreger bilden. (…) Denn die Legehennen kommen ständig mit Dreck und Kot von anderen Hühnern in Kontakt, so dass sich an der Schale der Eier Krankheitserreger bilden können…. Und: Die Hühner kommen im Auslauf oft in Kontakt mit Schnecken, Würmern, Mäusen und Wildvögeln. So werden sie öfters krank, müssen 3-4 mal im Jahr behandelt und entwurmt werden. Während der Entwurmung (...) sind die Eier ungenießbar und können nicht verkauft werden.“ Auch wenn die Inhalte faktisch richtig sind, ist der manipulative Charakter dieser Wortwahl ungünstig. Kinder, deren Eltern keine Ökoeier kaufen, geraten hier etwas in Bedrängnis. Die Thematisierung der nachhaltigen Konsumhandlungen am Beispiel Ei wird sinnvollerweise mit dem Hinweis eingeleitet, das dieses Thema sehr abstrakt und für die Zielgruppe schwierig nachvollziehbar ist. Es soll auf existenzielle Grundfragen reduziert werden, wobei hier die Kaufentscheidung und die Berücksichtigung der Herkunft eine Rolle spielen soll. Auch hier wiederholt sich die ideologisch geprägte Sichtweise des Autors, indem er beim Wortimpuls und bei weiteren Aufgaben suggestiv Fragen stellt, die keine andere Antwort als die Vorteile der ökologischen Landwirtschaft zulassen. Insgesamt sicher eine wichtige Unterrichtseinheit, deren Absichten und Ziele sehr gut sind, die didaktische Umsetzung  aber leider nur ein teilweise empfehlenswertes Urteil zulässt.
Erscheinungsjahr
Autor/in
Roland Barth
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0.00 €
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