Title

SCHUFA macht Schule - Jung und kaufkräftig

Das Material "Jung und kaufkräftig" thematisiert auf einer allgemeinen Ebene alltagsbezogene Konsumausgaben. Dabei werden zunächst Impulse gesetzt, sich über das eigene Konsumverhalten (spontan/überlegt, Verteilung und Schwerpunkte des Konsums, Relevanz der Produktionsbedingungen von Kleidungsstücken bei der Kaufentscheidung) bewusst zu werden. Im Hauptteil der Erarbeitung sollen anhand einer von den Lernenden selbst zu fingierenden Person monatliche Haushaltskosten geschätzt werden. Orientierung gibt dabei ein Arbeitsblatt mit Rubriken (Lebensmittel und Genussmittel, Bekleidung und Schuhe, Wohnen und Energieversorgung usw.). Ein weiteres optionales Arbeitsblatt enthält Fälle (bzw. fingierte Personen) und ihre monatlichen Kostenstrukturen. In einem Auswertungsteil werden die prozentualen Anteile der einzelnen Rubriken festgestellt; diese sollen mit Hilfe der Begriffe "feste und veränderliche Kosten", "Bedürfnisse" und "Konsum" analysiert werden. In einer letzten "Diskussionsphase" sollen die Schülerinnen und Schüler Faktoren ermitteln, die "den Konsum" beeinflussen ("Wirtschaft", "persönliche Bedürfnisse", "Nachhaltigkeit", "Finanzierung"). Abschließend sind sie dazu aufgefordert eine Position "zum Thema Konsum" einzunehmen und zu verteidigen.

Das sogenannte „Impulsgeber“-Heft „Jung und kaufkräftig“ aus der Reihe „SCHUFA macht Schule“ bietet Materialien und Aufgabenvorschläge, die für einen ca. neunzigminütigen Unterricht konzipiert wurden und potenziell vor allem eine Zielgruppe der Sekundarstufe I anzusprechen vermögen. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit den Ausgabenstrukturen und Konsummustern von Einzelpersonen bzw. privater Haushalte - gerahmt durch Arbeitsvorschläge zur Erhebung von Voreinstellungen und Vermutungen zum eigenen Konsum sowie durch „Diskussionen zum Konsumverhalten“. Auf den ersten Blick attraktiv erscheinen der alltags- und lebensweltbezogene Zugang durch die Bezüge zu fingierten, aber realitätsgestützten Personenprofilen, die grafisch ansprechend gestalteten Arbeitsmaterialien zur Ermittlung einer Kostenstruktur oder zur Analyse der auf Konsum bezogenen Einflussfaktoren mit Hilfe eines „Fischgrät-Diagramms“. Leicht erschließbare Erläuterungen zur Zielsetzung, zum Einsatz und zu den Erweiterungsmöglichkeiten runden das Angebot ab. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die Zielsetzungen vage bleiben („sich kritisch mit Bedürfnissen und Konsum auseinandersetzen“), die Umsetzungsvorschläge wenig Lernprogression ermöglichen und das Material nicht hält, was es verspricht. Praxis erfahrene Lehrkräfte können sehr schnell erkennen, dass der Aufgabenkomplex im empfohlenen Zeitrahmen von 90 Minuten keine angemessene Verarbeitungstiefe zulässt. Entgegen den im Einführungstext (S.5) behaupteten Qualitäten des Unterrichtsmaterials fehlen vor allem konkrete Situationen, die ein ergebnis- und entscheidungsorientiertes Handeln ermöglichen sowie weiterer Input, der eine fachlich angemessene Analyse der Einflussbedingungen und Handlungsoptionen von Konsumentscheidungen erlaubt. Einzelne „Impulse“ (z.B. die Ausgabenprofile fingierter Haushalte) ließen sich aber gewinnbringend im Rahmen eines selbst konzipierten Unterrichtsvorhabens mit geschärfter Zielsetzung nutzen.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Befriedigend
Methodik-Didaktik:
Ausreichend
Formale Gestaltung:
Gut
Gesamtbewertung:
Befriedigend
Ausführliche Bewertung
Das sogenannte „Impulsgeber“-Heft „Jung und kaufkräftig“ aus der Reihe „SCHUFA macht Schule“ bietet Materialien und Aufgabenvorschläge, die für einen ca. neunzigminütigen Unterricht konzipiert wurden und potenziell vor allem eine Zielgruppe der Sekundarstufe I anzusprechen vermögen. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit den Ausgabenstrukturen und Konsummustern von Einzelpersonen bzw. privater Haushalte - gerahmt durch Arbeitsvorschläge zur Erhebung von Voreinstellungen und Vermutungen zum eigenen Konsum sowie durch „Diskussionen zum Konsumverhalten“. Auf den ersten Blick attraktiv erscheinen der alltags- und lebensweltbezogene Zugang durch die Bezüge zu fingierten, aber realitätsgestützten Personenprofilen, die grafisch ansprechend gestalteten Arbeitsmaterialien zur Ermittlung einer Kostenstruktur oder zur Analyse der auf Konsum bezogenen Einflussfaktoren mit Hilfe eines „Fischgrät-Diagramms“. Bei genaueren Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die Zielsetzungen vage bleiben („sich kritisch mit Bedürfnissen und Konsum auseinandersetzen“, „pro und contra von Konsum diskutieren“, „Stellung zu einer Meinungsumfrage beziehen“). Nicht nur für die veranschlagte Unterrichtszeit von 90 Minuten, sondern auch im Hinblick auf die fehlende Schwerpunktsetzung und Präzisierung der Zielsetzung (vor allem auch im Bereich des Sachwissens) sind die Zielformulierungen eher ungeeignet und verweisen bereits auf die fehlende Verarbeitungstiefe des Lerngegenstandes. Obwohl es sinnvolle Ansätze zu einer kompetenzfördernden Vorgehensweise im Material gibt, entsteht insgesamt eine nur geringe Lernprogression. Im Ansatz methoden-und kompetenzorientiert sind beispielsweise die Aufgaben, die die Aufstellung von Haushaltskosten unter Verwendung einer Tabelle und einer Rubrikenvorlage sowie die anschließende Umformung in ein Kreisdiagramm fordern. Inkonsequent erscheint dabei, dass hier lediglich eine Schätzung der Lernenden für eine selbst ausgedachte Person vorgesehen ist und somit realitätsnahe Konkretisierungen fehlen bzw. dem Zufall überlassen werden; wenig durchdacht ist darüber hinaus, dass im Rahmen der vorgeschlagenen Ergebnispräsentation von den eigenen Ausgaben der Schülerinnen und Schüler ausgegangen wird. Eine sogenannte „Infografik“ beinhaltet 9 Personen zwischen 10 und 59 Jahren mit einer je spezifischen monatlichen Ausgabenstruktur. Dieses von den Herausgebern als lediglich optionales Element einbezogene Material bietet grundsätzlich mehr Potenzial für eine Ausgabenstrukturanalyse in verschiedenen Lebenslagen sowie eine kleine Basis für die Konstruktion von Entscheidungs- und Handlungssituationen. Die Profile könnten von einer versierten Lehrkraft zu Fällen ausgebaut werden, an die Aufgaben angeschlossen werden, in denen die Lernenden Ausgabenvergleiche vornehmen, Einsparpotenziale ermitteln u.a. Insgesamt wenig lernförderlich sind die „rahmenden Arbeitsphasen“ der „Sensibilisierung“ und der „Diskussion“ gestaltet. Zwar ist ein Einstieg über die Erhebung des Vorwissens/der Voreinstellungen grundsätzlich sinnvoll, die hier vorgeschlagene Vorgehensweise arbeitet jedoch mit Suggestivformulierungen („Die Produktionsbedingungen bei Kleidungsstücken sind mir egal“) und ermittelt Informationen zum Konsumverhalten der Schülerinnen und Schüler, die im weiteren Unterrichtsgeschehen nicht weiter vertieft werden. Am Ende der Einheit sollen die Lernenden z.B. erneut Stellung beziehen zu den Produktionsbedingungen für Kleidung, ohne dass diese im Verlauf überhaupt thematisiert würden. Das Material zielt zwar auf die Bewusstmachung des eigenen Konsumverhaltens, enthält aber weder problemorientierte Zugänge noch liefert es eine fachliche Wissensbasis um das eigene Verhalten und die Konsumentscheidungen „kritisch reflektieren“ zu lernen. Die im Diskussionsteil vorgesehene Fischgrät-Analyse zur Ermittlung der Einflussfaktoren auf „den Konsum“ etwa arbeitet an der begrifflichen Oberfläche („Nachhaltigkeit“, „Wirtschaft“) und kommt nicht über die Erhebung des Vorwissens der Schülerinnen und Schüler hinaus. Darüber hinaus erscheint die Vorgehensweise auch analytisch wenig scharf, da in dem durch ein Fischgrät-Diagramm nahegelegten Ursache-Wirkungszusammenhang alles unter „Einflussfaktoren“ auf „Konsum im Allgemeinen“ subsumiert wird, und nicht zwischen Einflussfaktoren und Wirkung unterschieden wird. Die im letzten Schritt vorgesehenen „Diskussionen zum Konsumverhalten“ auf dem „heißen Stuhl“ sind wiederum ohne Bezüge zu Fällen, Sachinformationen oder konkreten Entscheidungsfragen angelegt. Die Lernenden sollen eine wie auch immer geartete „Position zum Thema Konsum“ (S. 8) einnehmen und verteidigen, ohne dass diese im Ansatz skizziert wäre. Das Themenheft wird (wie alle anderen der Reihe) durch einen „Evaluationsteil“ abgeschlossen, der die Funktionen „Dokumentation“, „Projektanalyse“, „Ergebnisanalyse“ und „Feedback“ (der Lernenden) mit jeweils einem Arbeitsblatt zu erfassen versucht. Generell sind die Erhebung der Lernausgangslage, die Reflexion des Lernweges und die Kompetenzüberprüfung mit Hilfe metakommunikativer Methoden ein wichtiges Element kompetenzorientierten Unterrichtens. Die zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel sind jedoch allenfalls als Impulsgeber tauglich. Weder ermöglichen sie eine Diagnose der Lernausgangslage, noch wird an konkreten Kompetenzen der Lernzuwachs erkennbar gemacht. Stattdessen sollen die Lehrenden beispielsweise Fotos einkleben oder selbst die „wichtigsten Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler“ formulieren. Das Lernendenfeedback zielt eher grob auf „Gefallen“ bzw. „Nichtgefallen“, wiederum ohne Kompetenzbezug. Die insgesamt ansprechende Form sowie der leicht erschließbare didaktische Begleittext können nicht über fehlendes Input und didaktische Unstimmigkeiten hinwegtäuschen. Auch das am Ende stehende Glossar „wichtiger Fachbegriffe“ kompensiert kaum, da viele der definierten Begriffe (z.B. Inflation, Stagflation, Soziale Marktwirtschaft) in keinerlei Funktionszusammenhang mit den Aufgaben stehen. Entgegen den im Einführungstext (S.5) behaupteten Qualitäten des Unterrichtsmaterials fehlen vor allem konkrete Situationen, die ein ergebnis- und entscheidungsorientiertes Handeln ermöglichen sowie weiterer Input, der eine fachlich angemessene Analyse der Einflussbedingungen und Handlungsoptionen von Konsumentscheidungen erlaubt. Einzelne „Impulse“ (z.B. die Ausgabenprofile fingierter Haushalte bzw. Einzelpersonen) ließen sich aber gewinnbringend im Rahmen eines selbst konzipierten Unterrichtsvorhabens mit geschärfter Zielsetzung nutzen.
Erscheinungsjahr
2013
Autor/in
nicht benannt; verantwortlich: SCHUFA Holding AG; Konzeption und Umsetzung: Helliwood media & education
Reihe
SCHUFA macht Schule
Preis
ISBN
Materialformat