Title

Wirtschaft und Finanzen live!

Ein Bildungsangebot der Deutschen Bank

Es handelt sich bei „Wirtschaft und Finanzen live!“ um einen Verbund aus Präsentationsmaterial (Folien) für einen Referenten der Deutschen Bank und „rahmendes“ Unterrichtsmaterial zur Vor- und Nachbereitung durch die Lehrerinnen und Lehrer. Alle Materialien befinden sich in einem Ordner mit insgesamt 8 thematischen Einheiten, deren Zuordnung zu Jahrgangsstufen progressiv verläuft. Es beginnt mit einer Einheit für die Klassen 5-6 mit dem Thema „ Was ist Geld?“, in der die Entstehung des Geldes im Kontext des Tauschhandels und der Arbeitsteilung, die Akzeptanz des Geldes als Zahlungsmittel, Geldherstellung in der Gegenwart durch die Zentralbank, die Symbole auf den Euromünzen- und –scheinen sowie Möglichkeiten der Geldanlage zusammengefasst werden.
Es folgen 3 Einheiten für die Jahrgangsstufen 7-10: „Die Geschichte des Geldes“ (Entstehung des Geldes im Kontext des Tauschhandels und der Arbeitsteilung, Entstehung und Piraterie des Münzgeldes, Papiergeld und Giralgeld, Geldfälschung, Währungsreformen, Mitglieder der Euro-WU, Inflation als Folge staatlicher Geldproduktion); „Umgang mit Geld“ (Konsumausgaben von Kindern und Jugendlichen, beschränkte Geschäftsfähigkeit, Kontoarten, Kontoführung (technisch), „Phishing“, Sparen und Geldanlage (Rendite u. Risko), Kreditmöglichkeiten und Kreditkonditionen, Verschuldungsrisiken und „Wege aus der Schuldenfalle“, Budget-planung/planvoller Umgang mit dem Taschengeld); „Recht und Lebensalter“ (Rechtsfähigkeit, Geschäftsfähigkeit, Ausbildungsfinanzierung, Versicherungsarten, Steuern und Abgaben, Bevölkerungsentwicklung, Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung).
Dem schließen sich 3 weitere Einheiten für die Jahrgangsstufen 9-11 an: „Wirtschaftskreislauf“ (einfacher, erweiterter und vollständiger Wirtschaftskreislauf, Gleichgewichtsbedingungen, Rolle des Auslands im Wirtschaftskreislauf, Störungen im Wirtschaftskreislauf, Inflationsursachen, Konjunkturindikatoren, Wirtschaftsräume/ EU-Binnenmarkt /„Vier Freiheiten“, Vorteile der Europäischen Währungsunion, Freihandelszonen, Protektionismus); „Bankensystem“ (Aufgaben der Banken, Universalbanken und Spezialbanken, Zielsetzungen verschiedener Banken, Aufgaben der Zentralbank (Deutsche Bundesbank und EZB), Stärken und Schwächen des deutschen Bankensystems (bzw. der Universalbanken), Ursachen für Krisen einer Bank bzw. des Bankensystems); „Börse“ (Handelsgüter, Gründe für Unternehmen an die Börse zu gehen, Nenn- und Marktwert von Aktien, Einflussfaktoren auf Aktienkurse, Risiko-Klassen für Anlageformen, Order-Möglichkeiten, Aktien-Indizes, Börsenaufsicht und historische „Crashs“). Den Abschluss bildet eine Einheit für die Jahrgangsstufen 11-13 zum Thema “Globales Finanzsystem“. Darunter werden u.a. folgende Teilaspekte subsumiert: Aufgaben, Akteure und Instrumente des Finanzsystems, GATT und Bretton-Woods-System als „Türöffner“ des globalen Kapital- und Warenverkehrs, Motive für die „globale Wirtschaftsaktivität“, globale Produktionswege, Welthandelsströme, Ereignisse im Vorlauf der Weltwirtschaftskrise 1929, Entstehung und Auflösung des Bretton-Woods-Systems, Ursachen der Finanzkrise 2008 und Gegenmaßnahmen, Chronologie und Daten der Staatsschuldenkrise im Euro-Raum (insbesondere Griechenland), Ursachen für Staatsverschuldung.

Das Unterrichtsmaterial „Wirtschaft und Finanzen live!“ bildet ein sehr breites inhaltliches Spektrum ab und beinhaltet auf den ersten Blick vielgestaltige Arbeitsaufträge in ansprechender Form. Die große inhaltliche Klammer umfasst jedoch eine solche Aspektvielfalt, welche ohne erkennbare Schwerpunktsetzung oder leitende Fragestellung dazu führt, dass der Wissenserwerb nur äußerst oberflächlich stattfinden kann. Das Informationsmaterial und die Zugänge sind so gestaltet, dass Schülerinnen und Schüler häufig in ihrer potenziellen Rolle als Bankkunden angesprochen werden, die die Möglichkeit sehen, Geld (in Zukunft) gewinnbringend anzulegen.( „Wie werde ich Millionär?“ und „“Wünsch dir was!“). Es bietet kaum Gelegenheit zu einem tatsächlichen Kompetenzzuwachs auf dem Gebiet der „Finanzgrundbildung“, durch den Schülerinnen und Schüler in einer emanzipierten Konsumentenrolle gestärkt würden, um Problem- und Anforderungssituationen wie etwa „persönliches Finanzmanagement“, „Überschuldung“, „Risiken der Geldanlage“ oder „Altersvorsorge“ adäquat zu begegnen. Die angebotene Informationsbasis in Form der Vortragsfolien liefert wenig Zusammenhangswissen und Sachdetails, dafür viele Fachbegriffe und Hinweise mit Appellcharakter. Einige Aufgaben bieten zwar durchaus Ansätze zu schüleraktiven Verfahren, sie sind aber kaum zu einer Vertiefung des Wissens bzw. Könnens bzw. einer Urteilsbildung geeignet und stellen in vielen Fällen keine hinreichend herausfordernde Lernsituation dar. Das Material ist nur in Verbindung mit dem Referentenbesuch eines Mitarbeiters der Deutschen Bank im Unterricht erhältlich. Diese Einschränkung in Verbindung mit der Informationsselektion auch im Bereich der Problemlösungen (z.B. private kapitalgedeckte Altersvorsorge als einzige tragfähige Lösung des Rentenproblems) verstärkt eine asymmetrische Rollenzuweisung (Bankkunde-Bankfachmann), gleichzeitig kann auf diese Weise ein multiperspektivischer problem- und kompetenzorientierter Unterricht nicht realisiert werden. Das an den Referenten gebundene Materialpaket ist daher für den Einsatz in der Schule nicht geeignet.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Ausreichend
Methodik-Didaktik:
Mangelhaft
Formale Gestaltung:
Ausreichend
Gesamtbewertung:
Mangelhaft
Ausführliche Bewertung
Das Unterrichtsmaterial „Wirtschaft und Finanzen live!“ bildet ein sehr breites inhaltliches Spektrum ab und beinhaltet auf den ersten Blick vielgestaltige Arbeitsaufträge in ansprechender Form. Ein Folienpaket dient jeweils der visuellen Unterstützung eines Referentenvortrags, Hinweise zur Vor- und Nachbereitung sowie zwei Arbeitsblätter runden jede Einheit ab. Die große inhaltliche Klammer umfasst jedoch eine solche Aspektvielfalt, welche ohne erkennbare Schwerpunktsetzung und ohne leitende Fragestellung dazu führt, dass der Wissenserwerb nur äußerst oberflächlich stattfinden kann. Die für die Jahrgangsstufen 11-13 vorgesehene Einheit „Globales Finanzsystem“ handelt das „Weltwirtschaftssystem“, die „Finanzmarktkrise“ und die „Euro-Krise“ in einem einzigen Vortrag ab, ohne Zusammenhänge zu visualisieren oder einen Aspekt zu vertiefen. Der Vortrag zur Einheit „Wirtschaftskreislauf“ etwa, für die Jahrgangsstufen 9-11, liefert auf 24 Powerpoint-Folien u.a. Modelle des Wirtschaftskreislaufs, Störungen im Kreislaufsystem, Inflation, Konjunktur, EU-Binnenmarkt, EWU sowie APEC und NAFTA im knappen lexikalischen Stil . Im nachbereitenden Teil sollen die Schülerinnen und Schüler dann „selbstständig“ erarbeiten, welche Vorteile und Schwierigkeiten die Einführung des Euro in der Slowakei aus der Sicht der Bürger hatte bzw. es wird – ohne weitere Hilfestellung - dazu angeregt, eine „Werbekampagne für den regionalen Konsum“ zu entwickeln, Wertschöpfungsketten zu rekonstruieren oder das Herkunftslabel „Made in Germany“ genauer zu untersuchen. Der fehlende didaktische Fokus des Vortragsmaterials findet eine Entsprechung in häufig nur assoziativ auf den Vortrag bezogenen vor- und nachbereitenden Elementen. Die vielfältigen (recht globalen) Sachinformationen sind meistens sehr abstrakt (zumeist verbal) präsentiert, so dass Jugendliche sich kaum angesprochen fühlen können. Wenn die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler berührt wird, dann erfolgt dies ohne situative Einbettung in einen übergeordneten Sinnzusammenhang. Angedeutete Situationsbezüge auf der Ebene wenig komplexer fingierter Fallbeispiele sind in den vor- und nachbereitenden Materialien punktuell vorhanden, die unterschiedlichen sozialen Lebenslagen Jugendlicher finden dabei allerdings keine Berücksichtigung. Stattdessen sind Informationsmaterial und Zugänge so gestaltet, dass Schülerinnen und Schüler häufig in ihrer potenziellen Rolle als Bankkunden angesprochen werden, die die Möglichkeit sehen, Geld (in Zukunft) gewinnbringend anzulegen. So lauten die Überschriften der Arbeitsblätter zum Thema „Umgang mit Geld“ „Wie werde ich Millionär?“ und „“Wünsch dir was!“. Darunter befinden sich u.a. Quiz-Aufgaben, die als Lösung u.a. den Aktienkauf andeuten. Das Material bietet insgesamt kaum Gelegenheit zu einem tatsächlichen Kompetenzzuwachs auf dem Gebiet der „Finanzgrundbildung“, durch den Schülerinnen und Schüler in einer emanzipierten Konsumentenrolle gestärkt würden, um Problem- und Anforderungssituationen wie etwa „persönliches Finanzmanagement“, „Überschuldung“, „Risiken der Geldanlage“ oder „Altersvorsorge“ adäquat zu begegnen. Die angebotene Informationsbasis liefert wenig Zusammenhangswissen und Details (im Sinne einer fachlichen anwendungsorientierten Expertise ), dafür viele Fachbegriffe und Hinweise mit Appellcharakter aus der Perspektive der Geschäftsbanken („Auf Handy-Downloads verzichten“, „Überdenke deine Ausgaben“, „Sparen hilft, um große Träume zu finanzieren“, „Im Fragefall immer vom Bankfachmann beraten lassen“). Zu einer Transparenz hinsichtlich riskanter Anlage- und Kreditformen und ihrer möglichen Folgen mit dem Ziel einer Handlungskompetenz trägt das Material weder im Bereich des „Finanzwissens“ (z.B. Anlageformen zwischen Rendite und Risiko, Kredit- und Hypothekenzinsen) noch in der „Analyse“ der „Finanzkrise“ bei. Konkretes fachmethodisches Wissen und Können (z.B. die Festlegung eines Aktienkurses oder die Ermittelung eines Effektivzinssatzes) wird genauso wenig vermittelt wie wertebezogene Urteilsmaßstäbe. Kontextlose hinzugefügte Anregungen für die Lehrer, wie etwa „Lassen Sie die Schüler nach sozialen, ethischen und nachhaltigen Anlageformen recherchieren!“, vermögen diesen Mangel in den zentralen Materialien nicht zu beheben. Die Aufgaben der „Vor- und Nachbereitungsmaterialien“ bieten zwar durchaus Ansätze zu schüleraktiven Verfahren, sie sind aber kaum zu einer Anwendung und Vertiefung des Wissens/Könnens bzw. einer Urteilsbildung geeignet und stellen in vielen Fällen keine hinreichend herausfordernde Lernsituation dar. Einige gut umsetzbare, aber keineswegs neue Anregungen (z.B. die Simulation des Tauschhandels am Anfang der Einheit „Was ist Geld“ oder das Mindmapping zur Erhebung des Vorwissens) stehen neben vielen Aufgaben, die rein reproduktive Zielsetzungen haben und darüber hinaus in keinem erkennbaren didaktischen Funktionszusammenhang stehen. Diejenigen Aufgaben, die zunächst „handlungsorientierter“ zu sein scheinen, z.B. eine Budgetplanung , die Beratung eines Jugendlichen hinsichtlich seiner Schulden oder die Entscheidung zwischen zwei Anlageformen, sind zum einen nicht konkret genug ausgestaltet bzw. trivial (Aktie „Tradition“ oder „Aktie grüne Zukunft“), zum anderen werden die Ergebnisse keiner Reflexion unterzogen. Einige Aufgaben (Anregungen) sind so angelegt, dass das Lösungswissen von den Schülerinnen und Schülern durch Befragung von schulexternen Experten/Akteuren (häufig auch bei Banken) eingeholt werden soll (z.B. Informationen zu den Anlageformen an der Börse); auch hier fehlen konkrete und sinnstiftende Ausgangssituationen (z.B. Wer möchte unter welchen Lebensbedingungen mit welchem Ziel eine Anlageform an der Börse wählen?) sowie adäquate Beurteilungskriterien, die nicht nur Rendite und Risiko abstrakt gegeneinander stellen. Andere Aufgaben sind aufgrund einer fehlenden Informations- und Erkenntnisgrundlage nicht in der vorliegenden Form nutzbar. So soll etwa auf der Grundlage von vier kurzen Zeitungsausschnitten eine Talkshow vorbereitet werden, in der die Schülerinnen und Schüler Lösungsansätze für „die Krise“ (welche?) diskursiv erörtern. Die vorgegebenen Perspektiven-Schnipsel beinhalten viele klärungsbedürftige Begriffe und disparate Aspekte, so dass es kaum zu einer verzahnten und erkenntnisförderlichen Diskussion kommen kann. Die Gestaltung des Präsentationsmaterials und der Arbeitsmittel zur Vor- und Nachbereitung unterscheidet sich. Während die Vortragsfolien die Anmutung einer Werbebroschüre statt einer unter didaktischen Gesichtspunkten gestalteten Visualisierung haben (vorwiegend rein illustrierende Abbildungen (Fotos) ohne Erschließungsfunktion, jedoch stark assoziativ wirksam: z.B. gut gekleidete Banker mit Mobiltelefon und Financial Times, Jugendliche mit Mobiltelefon und Laptop), sind die Arbeitsblätter für die Schülerinnen und Schüler für alle Jahrgänge in einem betont „Jugend orientierten“ Stil mit verschiedenen Schrifttypen und zeichnerischen Elementen präsentiert, deren Form nicht zur Klärung und Strukturierung der Sachverhalte beitragen. Die im Verbund mit den Schüler-Arbeitsblättern angelegten „Tipps für den Unterricht“ richten sich auf die Vor- und Nachbereitung des Referentenbesuchs. Die Empfehlungen des Begleittextes sind häufig nicht klar und zielgerichtet mit den zugeordneten Schülerarbeitsblättern verknüpft. Viele „Tipps“ enthalten sehr vielfältige und vage Fragestellungen sowie Hinweise, die weder instruktiv noch adressatengemäß sind (z.B. „Achten Sie vor allem auf die Fragen Ihrer Schüler. So finden Sie Aspekte, die Ihre Schüler beschäftigen.“). Ein wesentlicher Einwand besteht schließlich darin, dass das Material nur in Verbindung mit dem Referentenbesuch eines Mitarbeiters der Deutschen Bank im Unterricht erhältlich ist. Diese Einschränkung in Verbindung mit der Informationsselektion auch im Bereich der Problemlösungen (z.B. private kapitalgedeckte Altersvorsorge als einzige tragfähige Lösung des Rentenproblems) verstärkt eine asymmetrische Rollenzuweisung (Bankkunde-Bankfachmann), gleichzeitig kann auf diese Weise ein multiperspektivischer problem- und kompetenz-orientierter Unterricht nicht realisiert werden. Das an den Referenten gebundene Materialpaket ist daher für den Einsatz in der Schule nicht geeignet.
Erscheinungsjahr
2009
Autor/in
Florence Schneider, Frauke Grunow (Redaktion)
Reihe
Preis
ISBN
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