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Wie lege ich mein Geld am besten an?

Wie lege ich mein Geld am besten an?
Wie lege ich mein Geld am besten an?Bildquelle: AnlagenCoach
Unterrichtseinheiten zur Internetplattform AnlagenCoach.de
Dr. Peter Kührt / AnlagenCoach.de, 2013
Gesamtbewertung:C
Gesamturteil:

Befriedigend

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Expertenbewertung
Indikatoren Einzelbewertungen
Fachlicher Inhalt: 
C

Befriedigend

Methodik-Didaktik: 
D

Ausreichend

Formale Gestaltung: 
C

Befriedigend

Gesamtbewertung: 
C

Befriedigend

Ausführliche Bewertung: 
„Wie lege ich mein Geld am besten an?“ ist ein umfangreiches Materialpaket, das sich in detaillierter und fachspezifischer Form dem Inhalt „Geldanlagen“ aus der Perspektive von Bankberatern (auszubildenden Bankkaufleuten) widmet. In insgesamt fünf separaten Download-Teilen, die wiederum in sogenannte Lernrunden untergliedert sind, werden Schwerpunkte auf Anlageformen und Aspekte der Anlageberatung gesetzt. Das Material wurde unter Mitarbeit von Auszubildenden einer Berufsfachschule entwickelt und ist vom Duktus her auf die besondere Motivation und Lernausgangslage der Berufsfachschüler abgestimmt. Grundsätzlich sind die Informationen und Aufgaben für eine vertiefte Auseinandersetzung gut geeignet, die Arbeitsaufträge enthalten eine gewisse Variationsbreite der Zugriffe und Anforderungen, viele zusätzliche Internet-Quellen werden angegeben und alle Materialteile werden durch detaillierte Musterlösungen ergänzt. Das Download-Material ist an Informationsquellen auf der zugehörigen Internetseite „Anlage-Coach.de“ geknüpft. Den „inhaltlichen Kern“ und auch Ausgangspunkt bilden im Netz hinterlegte Beschreibungen von circa vierzig Anlageformen (von „Aktie“ bis „Wandelschuldverschreibung“). Die Texte selbst sind zwar fachsprachlich geprägt, jedoch durch vereinfachende Erläuterungen, Beispiele und eine Orientierung erleichternde Strukturierung für interessierte Schülerinnen und Schüler entschlüsselbar. Wenig zusätzlicher Lerneffekt dürfte von den Videodateien ausgehen, die ohne visuelle Unterstützung gelesene Schülervorträge der hinterlegten Texte enthalten. Die Definitionen sind mit einem Test zur Ermittlung von „Anlegertypen“ verknüpft, welcher an vorfindliche Tests, etwa der Börse, angelehnt ist, sich jedoch u.a. durch eine metaphorische Kategorienwahl aus dem Bereich Sport (vom „Spaziergänger bis zum Drachenflieger“) unterscheidet, die positive und negative Konnotationen einzelner Typenbezeichnungen zur Folge hat. Bereits die Testfragen und –ergebnisse enthalten viel Jargon („Einlagensicherungsfonds“, „Aktienfonds“, „Futures“ u.a.) und die Differenzierung in acht (!) verschiedene Anlegertypen trägt nicht zur Klärung der Interessenlage von Kleinanlegern bei. Einige Typen werden sehr positiv dargestellt (z.B. „Hochgebirgswanderer“) und das Risiko der empfohlenen Anlageform eher heruntergespielt („Er legt Wert darauf, das eingesetzte Kapital zu jeder Zeit an der Börse wieder verkaufen zu können, akzeptiert dabei jedoch einen ungewissen Ausgang seiner Anlage, auch wenn diese in der Regel ein gutes Ende findet.…“). Dem „Gipfelstürmer“ etwa werden hochriskante Geldanlagen wie Aktienanleihen oder Genussscheine empfohlen. Die Zuordnungen sollen in den meisten Fällen (eine Ausnahme stellt der Fall „Herr Trumpf“ im dritten Teil dar) jeweils vorgenommen werden, ohne die konkrete finanzielle Situation einschließlich des Vorhandensein von „Spielgeld“ überhaupt einzubeziehen. Hier zeigt sich bereits die Ausblendung der spezifischen Situation von Schülerinnen und Schülern, deren Lebenswelt und Interessenlage durch die weitgehend Kontext unabhängige Fokussierung auf die Details der Anlageformen kaum berührt wird. Die Zielgruppe Schülerinnen und Schüler an allgemein bildenden Schulen wird somit durch den Materialaufgaben-Verbund insbesondere der ersten beiden Teile, die - abstrahierend von konkreten Situationen und Lebenslagen - auf die reproduktive Aneignung von Fachwissen über Anlageformen setzen, kaum angesprochen. Aber auch die Teile 3-5, die durchaus Situationen und auch einen Fall zum Bezugspunkt der Arbeitsaufträge machen, bleiben eng an der Rollendefinition und Interessenlage der Banken und Bankberater orientiert (z.B. Beratungssituationen zu speziellen Fragen der Besteuerung eines abgezinsten Sparbriefs oder ein Schaltergespräch mit dem Ziel der Rechtfertigung eines gegenüber der Konkurrenz niedrig scheinenden Zinssatzes.) Eine Abweichung vom Duktus der Aufgaben ist im letzten fünften Teil zu den „nachhaltigen Geldanlagen“ erkennbar. Hier wird stärker die Kriterienbildung und kriteriengeleitete Untersuchung von Geldanlagen im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt gerückt. Zentral sind dabei die Entwicklung und Anwendung eines Kriterienrasters in Form einer „Nachhaltigkeitsampel“, welche die drei Nachhaltigkeitsdimensionen („organic, social, fair“) auf drei Stufen für Geldanlagen definiert. Dies ist potenziell aus vielfältigen Perspektiven relevant und verwertbar. Da jedoch auch hier die Geldanlagen in den sehr fachspezifisch strukturierten Informationsrahmen einschließlich der Anleger-Typen eingebettet bleiben, ist die Zielgruppe von Schülerinnen und Schülern etwa des Fachs Sozialwissenschaften oder Politik/ Wirtschaft vermutlich eher nicht angesprochen. Die einzelnen Materialteile unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Situations- und Handlungsorientierung. Während die drei ersten Einheiten im Wesentlichen Reproduktionsleistungen entlang von (Wissens-)Fragen fordern (z.B. „Wie sind Schuldverschreibungen gesichert?), enthalten die Teile vier und fünf neben den Beratungs-Settings auch handlungsorientierte Formate wie Podiumsdiskussionen oder die Erstellung einer Website. Allerdings ist die Umsetzung dieser Aufgaben nicht immer zielführend, weil auch hier Anwendungsbezüge und Kontexte fehlen (z.B. freie Diskussion ohne Rollenvorgaben zur Frage nach der „idealen Geldanlage“), oder weil die Aufgaben nur einen äußeren Handlungsrahmen vorgeben, innerhalb dessen doch wieder Reproduktionsleistungen gefordert werden - wenn auch hier die Vermittlungskompetenz als Anforderung an die Bankberaterrolle mitschwingt. Beispielsweise wird die Beratung des Herrn Trumpf so simuliert, dass einzelne Schüler-(gruppen) ihm Erläuterungen zu den einzelnen Geldanlagen vortragen müssen. Darüber hinaus soll auch die Rolle seiner Frau im Beratungsgespräch simuliert werden, die vor allem in ihrer Eigenschaft als zu versorgende Person relevant ist. Damit werden Rollenklischees gefestigt. Eine auch auf die Verbraucherrolle bezogene Handlungs- und/oder Urteilskompetenz wird allenfalls sehr indirekt durch die angenommene Kundenrolle als Ziel der Beratung angeregt. Aber auch Reflexions- bzw. Bewertungsanlässe hinsichtlich einer situationsgerechten Beratung oder einer kritischen Überprüfung des eigenen Handeln sind kaum vorgesehen. Eine Ausnahme bildet der fünfte Teil, der sich „nachhaltigen Geldanlagen“ widmet. Hier wird ein Instrumentarium entwickelt, welches auch Verbrauchern Anhaltspunkte für die Bewertung von Geldanlagen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten geben kann und die Interessenlage der meisten Anleger im Hinblick auf die Sicherheit im Rahmen der Dimension „ökonomische Nachhaltigkeit“ sehr deutlich markiert. Leider sind jedoch auch in diesem Teil die Aufgaben nicht ganz überzeugend konstruiert. Die große Vielfalt der zu ergänzenden Tabellen stellt beispielsweise die Beziehung zwischen Geldanlage und ihrer realwirtschaftlichen Entsprechung komplizierter dar als sie ist. Die Formulierung von Indikatoren zur Messung der Nachhaltigkeitsdimensionen („organic“, „social“, „fair“) stellt ohne Hilfen eine hohe (auch zeitliche) Anforderung. Neben kleineren Unstimmigkeiten (teilweise verwirrende Übersetzung von „fair“ als „soziale Nachhaltigkeit“ trotz vorausgehender Definition als „wirtschaftliche Nachhaltigkeit“ in Abgrenzung zur Dimension „social“), erscheint die offene bzw. nicht vorhandene Beurteilungsbasis für die Unternehmen, die indirekt als Anlageobjekte hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit bewertet werden sollen, fragwürdig. So lautet die Erläuterung zu einer Musterlösung, in der etwa die Siemens-Aktie oder das Sparbuch bei der Sparkasse bewertet werden sollen: „Entscheidend ist nicht so sehr, zu welchen Ergebnissen die Schüler kommen, sondern dass die Entscheidungen konsistent und einigermaßen plausibel begründet werden können“. Allerdings fehlen beispielhafte Begründungen. (Das zusätzliche Projektmaterial „Nachhaltige Anlagen“, das auch aus einer Verbindung aus Website und Download-Dokumenten besteht, bietet beispielhafte Lösungen für solche Anlagebewertungen. Jedoch bleiben auch hier die Quellen der Informationsbasis offen und die Bewertungen selbst teilweise höchst unbefriedigend (z.B. „Banken gelten allgemein als gute Arbeitgeber“). Die Ansätze in den Kriterienrastern sind für qualifizierte Lehrkräfte aber durchaus nutzbar, wenn sie die Informationsbasis zu den Unternehmen eigenständig sichern und die Aufgaben zielgerichtet umformulieren. Generell ist die Verarbeitung und Aufbereitung der Informationsbasis für den Nachvollzug der Anlageformen einschließlich ihrer Verknüpfung mit den Nachhaltigkeitsdimensionen geeignet. Für eine problemorientierte Unterrichtsgestaltung, eine Einordnung der Anlageformen in größere wirtschaftliche Kontexte (z.B. Geldwirtschaft, Investitionen) sowie für einen gezielten Aufbau einer Verbraucher bezogenen Finanzkompetenz, fehlen jedoch wesentliche Elemente: u.a. Problemszenarien bzw. kontextuelle Einordnungen, realitätsbezogene Fälle, ausgearbeitete Perspektiven. Die expliziten und impliziten Rollenvorgaben und Perspektiven sind fast durchgängig einseitig die der Banken bzw. Bankberater. Dies wird besonders deutlich an einem Arbeitsauftrag zur Vorbereitung einer Beratungssimulation: „...viele Kunden vergleichen die Konditionen verschiedener Banken und machen damit den Kunden das Leben schwer“. In der Musterlösung bringt der Bankmitarbeiter eine Vielzahl vermeintlicher Vorteile ins Spiel, die die niedrigen Zinsen des eigenen Angebots zum Nachteil des Kunden rechtfertigen sollen. Dieses Vorgehen wird in manipulativer Weise „Perspektiverweiterung des Kunden“ genannt. Ein Ansatz zur Multiperspektivität findet sich in einer Aufgabe im fünften Teil zur Ausarbeitung einer Podiumsdiskussion zur Frage, ob „man sein Geld wirklich nachhaltig anlegen (soll)“. Dabei ist nicht nur die Frage suggestiv, sondern auch die knappen Rollenskizzen verdeutlichen eine mangelnde Durchdachtheit/Kohärenz sowie Verengung der Positionen. Der Vertreter der Verbraucherschutzorganisation bspw. hat als „Rollendefinition“: „Ihr geht es vor allem darum, die Anleger vor unkalkulierbaren Risiken zu schützen, ob nachhaltig oder nicht.“ Vorher wurde die Kalkulierbarkeit des Risikos jedoch als entscheidendes Merkmal „ökonomischer Nachhaltigkeit“ definiert. Ein Vorzug des Materials liegt in dem häufig in tabellarischer Form vorstrukturierten erwarteten Ergebnis sowie in den teilweise detaillierten Musterlösungen, mit Hilfe derer die Aufgaben grundsätzlich flexibel auch im Rahmen individualisierter Lernsituationen eingesetzt werden sowie im vorgeschlagenen Einzelarbeits- bzw. Gruppenarbeitsmodus zur Selbstüberprüfung genutzt werden können. Dennoch ist anzumerken, dass auch die vielen für Gruppenarbeit vorgeschlagen Aufgaben kaum koordinierte Arbeitsteilung oder echte kooperative Lernformen enthalten. In einigen Fällen (vor allem in den Teilen 1-3) werden Fragen gestellt, die effizienter in Einzelarbeit zu lösen wären. Jede Einheit beginnt mit einer sogenannten "Lehrerinfo", in der für alle Teile von 1-4 weitgehend gleichlautend auf das selbst eingeschätzte hohe Maß an Verständlichkeit der Erklärungen verwiesen wird und eine grobe Zuordnung zu Inhaltsbereichen einiger weniger Lehrpläne vorgenommen wird. Die „Lehrerinfo“ für den fünften Teil zu den „nachhaltigen Geldanlagen“ enthält darüber hinaus auch nützliche Sachinformationen zum Nachhaltigkeitsbegriff, die die Konzeption des Materials transparenter machen. Das zusätzliche Projektmaterial „Nachhaltige Geldanlagen“ stellt gegenüber dem fünften Teil des Hauptmaterials eine Weiterentwicklung dar, insbesondere das verfeinerte Beurteilungsraster einschließlich eines „Nachhaltigkeitswürfels“ kann ein geeigneter Baustein für von Lehrkräften selbst entworfene Anwendungsaufgaben auch außerhalb von Projektarbeit sein. Dennoch lässt sich die für alle Teile formulierte Selbsteinschätzung bzw. das wiederholte immense Eigenlob, ein rundherum verständliches und für „jedermann“ geeignetes innovatives Material geschaffen zu haben, u.a. angesichts fehlender Einbettung in wirtschaftliche Kontexte, einer weitgehenden Einengung der Perspektive auf die der Banken und ihrer Mitarbeiter sowie nur partiell erkennbarer Anwendungsbezüge im Hinblick auf den Einsatz an allgemein bildenden Schulen nicht teilen. Eine grundsätzliche Eignung der Materialien für den Einsatz an der Berufsschule ist sicherlich gegeben.
Bewertungsdatum: 
04.09.2014
Hinweise zum Bewertungsraster

Seit Januar 2013 werden alle neu aufgenommenen Materialien nach einer evaluierten Fassung des Bewertungsrasters beurteilt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Bewertungskriterien des VZBV.

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