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Wissen rechnet sich

Finanzielles Basiswissen
Institut für Finanzdienstleistungen e.V. (iff) , finanziert von der Deutsche Bank Stiftung, 2012
Gesamtbewertung:B
Gesamturteil:

Gut

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Expertenbewertung
Indikatoren Einzelbewertungen
Fachlicher Inhalt: 
B

Gut

Methodik-Didaktik: 
B

Gut

Formale Gestaltung: 
B

Gut

Gesamtbewertung: 
B

Gut

Ausführliche Bewertung: 
„Wissen rechnet sich“ ist ein modular aufgebautes Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe I, durch das klar fokussierte Aspekte „finanzieller Allgemeinbildung“ vermittelt werden können. Im Zentrum der drei Module „Die Leihe“, „Das Handy“ und „Die Wohnung“ stehen Fragen des Geldleihens und der längerfristigen Zahlungsverpflichtungen, die z.B. aus Handy-Dauerverträgen oder auch Mietverträgen entstehen. In transparent vermittelter didaktisch reduzierter Weise werden vornehmlich die Konsequenzen solcher Vertragsverhältnisse für die zukünftige Liquidität in den Blick gerückt und damit eine Finanzplanungskompetenz der Schülerinnen und Schüler angebahnt. Die Bewältigung und Antizipation unvorhergesehener Ereignisse, die beispielsweise Rückzahlungspläne scheitern lassen können, zieht sich als ein roter Faden durch die drei Module. Auf diese Weise wird ein realitätsnahes (und für Bevölkerungsgruppen mit geringem Einkommen besonders relevantes) Problemfeld präventiv bearbeitet. Als zentrale Zielgruppe weisen die Herausgeber Schüler der Jahrgangsstufen 7-10 der Hauptschulen aus und setzen damit bei einer Gruppe mit erhöhtem Überschuldungsrisiko an. Als Kehrseite der Fokussierung treten der Abschluss und die Abwicklung längerfristiger zahlungspflichtiger Verträge (Kredit, Handy-Vertrag) so sehr in den Vordergrund, dass die Alternativen (Konsumverzicht, Ansparen) nur bedingt als handlungsleitende Normen erkannt werden können bzw. das (möglichst produktive) Schuldenmachen zum „Normalfall“ wird. Jugendliche Protagonisten werden dabei z.B. in Situationen dargestellt, in denen sie sich in ihrem familiären Umfeld Geld leihen. Die Kreditgeber verlangen Zinsen („Aufschlag“) sowie einen Budget- und Rückzahlungsplan; der Kredit finanzierte Konsum wird auf seinen „investiven“ bzw. produktiven Charakter hin überprüft und der daraus resultierende langfristige finanzielle Vorteil berechnet. Ein Kredit für einen Mofaführerschein ermöglicht beispielsweise einen entlegenen Kellnerjob, wodurch insgesamt ein höheres monatliches Einkommen erzielt werden kann als durch das Ansparen in der gleichen Zeit. Obwohl die damit verbundenen Erkenntnisse im Rahmen finanzieller Allgemeinbildung zentral sind, bleibt die Situation sehr konstruiert, da zum einen innerhalb der Familie in der Regel nicht mit der Interessen-Logik eines Kreditinstituts gehandelt wird, zum anderen tatsächlich „produktiver“ Konsum in der Altersgruppe von untergeordneter Bedeutung ist. Im Modul „Das Handy“ werden die Bedingungen und Folgen verschiedener Handy-Vertragsmodelle thematisiert. Während dabei verschiedene Handy-Dauervertragsmodelle tatsächlich berechnet werden sollen, wird der Prepaid-Vertrag nur als theoretische Möglichkeit einbezogen. Auch hier wirkt die schwerpunktmäßige Auseinandersetzung mit dem Vertragsmodell möglicherweise normierend. Die Herausgeber des Materials setzen jedoch bewusst den Akzent nicht bei der „Sparsamkeitserziehung“ und auch nicht bei der Analyse und Beurteilung konkreter (Kredit-)Vertragsmöglichkeiten, sondern wollen ein Verständnis für die Grundbegriffe „Kapital, Zeit, Liquidität und Chancen und Risiken“ entwickeln. Dies kann zwar durch das Material angebahnt werden, ein eigenständiges kritisches Urteil hinsichtlich der Angebotsstruktur wird damit jedoch nicht explizit herausgefordert. Reflexionsaufgaben in angemessenem Umfang, die die Risiken und Chancen der (Kredit-)Vertragsbindungen in den Blick nehmen und im Rahmen „einfacher Heuristiken“ die Handlungs- und Entscheidungskompetenz unterstützen, kompensieren jedoch teilweise die genannten Aussparungen innerhalb der Fallbearbeitungen. Ausgangspunkt der didaktischen Gestaltung sind jeweils Lebens- und Problemsituationen zweier jugendlicher Charaktere, die an die Erfahrungshorizonte der Zielgruppe anknüpfen und die nicht nur als „Aufhänger“, sondern zur häufig handlungsorientierten Auseinandersetzung mit dem Gegenstand genutzt werden. Situationen und Ereignisse strukturieren die Aufgaben der Module, wodurch ein roter Faden auch auf der Inszenierungsebene gegeben ist. Grundsätzlich ist der Aufgaben-Input altersgemäß und leicht erschließbar gestaltet. Strukturierungshilfen, etwa in Form von tabellarischen Budget- und Rückzahlungsplänen, steuern die Bearbeitung in zielführender Weise und bieten zugleich ein übertragbares Modell für die Schülerinnen und Schüler. Für das Modul „Die Wohnung“ ist es vorgesehen, dass ein Kontakt zu einem Schuldnerberater/ einer Schuldnerberaterin hergestellt wird, der/die den Schülerinnen und Schülern in einer Expertenbefragung Hinweise für eine zukunftstaugliche Finanzplanung im ersten eigenen Haushalt gibt. Eine Vergütung durch die Deutsche Bank Stiftung wird geleistet. Wenn die Kapazitäten der Schuldnerberatungsstellen eine solche Expertenbefragung überhaupt zulassen, wird so ein sicherlich wirkungsvoller Beitrag zum persönlichen Finanzmanagement und zur Schuldenprävention ermöglicht und zugleich die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme mit Beratungsstellen gesenkt. In den beiden Modulen „Die Leihe“ und „Das Handy“ wird über einen Einstig (z.B. Fragebogen zum Taschengeld) explizit an die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler angeknüpft, allerdings ohne auf eine konkrete Fragestellung zuzusteuern. Es wird im didaktischen Begleittext empfohlen die Aufgaben in Gruppen bearbeiten zu lassen und von den Schülerinnen und Schülern die Ergebnisse mit gängigen Präsentationsmedien vorstellen zu lassen. Die Arbeitsmaterialien selbst geben jedoch nur sporadisch Hinweise darauf, dass Gruppen gebildet werden sollen; methodische Anleitungen für die geforderten Präsentationen fehlen. Hier lautet der Arbeitsauftrag in der Regel „Diskutiert eure Ergebnisse in der Klasse“. Die kooperativen Lernformen sind vornehmlich durch die Aufgabenkomplexität legitimiert. In vielen Fällen ist dabei die Vorgehensweise in mehreren Gruppen arbeitsgleich, arbeitsteilige Aufgabenkonstruktionen (1x Gruppenpuzzle) variieren das Muster selten. Grundsätzlich weist jedoch jedes Modul eine doppelte Fallstruktur (Caya und Niklas) auf und ist jeweils in einer „Standard“ und einer „Light“- Version verfügbar, wodurch eine Leistungsdifferenzierung – vor allem über die Aufgabenanforderung - ermöglicht wird. Die Arbeitsmaterialien und Aufgaben der Module sind inhaltlich und formal adressatengerecht gestaltet. Die sehr reduzierten Illustrationen im Comic-Stil haben einen eindeutigen Bezug zur jeweils dargestellten Situation und vermögen Schülerinnen und Schüler anzusprechen. Eine zugehörige CD enthält u.a. Videos zur Einstimmung auf die Situation für zwei Module sowie Excel-Tabellen zur Budget- und Haushaltsplanung; im Ordner befinden sich zudem Farbfolien zur Ergebnissicherung und zur Ergänzung. Damit sind Material und Aufgaben-Verbund auch im Hinblick auf die verwendeten Medien vielgestaltig. Einige Aufgaben sind mit dem Material der Module allein jedoch nicht zu lösen (z.B. die Aufgabe 3 des Handy-Moduls „Vergleich von Vertragstypen“ ). Hier sollen laut Verlaufsplanung die so genannten „Informationsblätter“ zum Einsatz kommen, die aufgrund ihrer inhaltlichen, sprachlichen und äußeren Form allenfalls der Sachinformationsgrundlage der Lehrerinnen und Lehrer dienlich sein können. Verweise an den Aufgaben darauf, dass Zusatzinformationen einbezogen werden sollen bzw. müssen, finden sich nicht. Der Umgang mit dem Material hinsichtlich der inhaltlichen Schwerpunktsetzung und auch der Arbeitsformen - einschließlich der Aufbereitung noch fehlender Informationsmedien - erfordert von den Lehrerinnen und Lehrern eine souveräne Verarbeitungsfähigkeit der Module zu einem Lernarrangement. Die Einarbeitung in die Inhalte wird auf recht breiter Grundlage durch einen ausführlichen didaktischen Kommentar, durch die bereits genannten „Informationsblätter“ sowie ausführliche Lösungen für alle Aufgaben erleichtert. Es bieten sich viele „Andockstellen“ zur thematisch-inhaltlichen Erweiterung bzw. zum Kompetenzausbau. Aufgrund der Ausführlichkeit der Darstellung des didaktischen Kommentars, der teilweise auch Redundanzen aufweist und von der Struktur her nicht ganz leicht erschließbar ist, ist eine etwas längere Orientierungszeit innerhalb der Materialien erforderlich. Die Unterrichtsmaterialen werden nur in Verbindung mit einer kostenlosen (Online-) „Fortbildung“ herausgegeben. Der Zugang wird zusätzlich dadurch erschwert, dass Anmeldungen nur unter Nennung einer konkreten Schule der Schulformen Haupt-, Real- oder Gesamtschulen möglich sind. Die zentrale Zielsetzung der Herausgeber besteht darin, ein Verständnis für die Grundbegriffe „Kapital, Zeit, Liquidität und Chancen und Risiken“ entwickeln. Hierzu ist das weitgehend adressatengerecht und inhaltlich schlüssig gestaltete Material mit vielfältigen sehr konkreten Aufgaben (einschließlich ihrer Lösungen!), einem Binnendifferenzierungsangebot sowie einem ausführlichen didaktischen Kommentar durchaus geeignet.
Bewertungsdatum: 
23.05.2013
Hinweise zum Bewertungsraster

Seit Januar 2013 werden alle neu aufgenommenen Materialien nach einer evaluierten Fassung des Bewertungsrasters beurteilt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Bewertungskriterien des VZBV.

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