Title

MitVerantwortung - Sozial und ökologisch handeln

Thema: Corporate Social Responsibility (CSR)

Das Material "MitVerantwortung" der Stiftung Jugend + Bildung thematisiert die in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik immer stärker beachtete und diskutierte gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Im Sinne von "Corporate Social Responsibility" handeln diese Unternehmen ökologisch und sozial verantwortlich und engagieren sich über gesetzliche Mindeststandards hinaus z. B. für arbeitsfreundliche Betriebsstrukturen und umweltfreundlich produzierte Produkte. Da die Verbraucher den nachgefragten Produkten und Dienstleitungen i. d. R. nicht ansehen, unter welchen Bedingungen sie erzeugt und erbracht werden, herrschen diesbezüglich starke Informationsasymmetrien. Ziel des vorliegenden Materials ist es daher, Schülerinnen und Schüler der Oberstufe als Verbraucher, besonders aber als zukünftige Fachkräfte und Multiplikatoren in unserer Gesellschaft mit dem Konzept und den Möglichkeiten des CSR vertraut zu machen.
Dazu bietet das 25 Seiten umfassende Heft
- in das Thema einführende Informationen für Lehrende,
- 4 Unterrichtseinheiten, die jeweils aus konkreten Fachinformationen und methodisch-didaktischen Hinweisen für Lehrende sowie Arbeitsblättern für Lernende bestehen,
- ausgewählte weiterführende Informationen mit Quellen und Links,
- einen Foliensatz mit 12 Schaubildern als pdf und ppt auf einer CD-ROM.

Das Material "Corporate Social Responsibility (CSR)" für die Sekundarstufe II ist Teil des Projekts "MitVerantwortung - sozial und ökologisch handeln", welches von der Stiftung Jugend und Bildung entwickelt und vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert wird (homepage). Mithilfe des Materials sollen Schülerinnen und Schüler sich mit dem Thema CSR auseinandersetzen und dabei umfassende Kompetenzen als Verbraucher und zukünftige Fach- und Führungskräfte entwickeln (S. 1). Tatsächlich ist es wichtig und notwendig, bereits in der allgemein bildenden Schule die Jugendlichen diesbezüglich zu sensibilisieren und auf eine verantwortungsvolle und mündige Rolle als Bürgerinnen und Bürger vorzubereiten. Die vorliegenden Unterrichtsmaterialien können dies jedoch nur bedingt leisten, da sich insbesondere in der methodisch-didaktischen Umsetzung gravierende Mängel zeigen. So werden weder Bezüge zur Lebens- und Alltagswelt der Schülerinnen und Schüler hergestellt, noch entsprechen die Methoden den Anforderungen eines modernen und handlungsorientierten Unterrichts. Auch im fachlich-inhaltlichen Bereich kann das Heft nicht überzeugen.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Befriedigend
Methodik-Didaktik:
Ausreichend
Formale Gestaltung:
Befriedigend
Gesamtbewertung:
Ausreichend
Ausführliche Bewertung
Das Material "Corporate Social Responsibility (CSR)" des Projekts "MitVerantwortung - sozial und ökologisch handeln" der Stiftung Jugend + Bildung thematisiert die in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik immer stärker beachtete und diskutierte gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Im Sinne von "Corporate Social Responsibility" handeln diese Unternehmen ökologisch und sozial verantwortlich und engagieren sich über gesetzliche Mindeststandards hinaus z. B. für arbeitsfreundliche Betriebsstrukturen und umweltfreundlich produzierte Produkte. Ziel des vorliegenden Materials ist es, Schülerinnen und Schüler der Oberstufe insbesondere als Verbraucher, aber auch als zukünftige Fachkräfte mit dem Konzept und den Möglichkeiten des CSR vertraut zu machen. Sie sollen dabei zu aktiven, kompetenten und selbstbewussten Wirtschaftsbürgern werden, die über Verbraucher-, Handlungs- und Urteilskompetenz verfügen (S. 1). Diesen Anforderungen wird das hier bewertete Material insgesamt nicht gerecht. Die sich insbesondere bei der methodisch-didaktischen Umsetzung zeigenden Mängel sind so gravierend, dass das Material in der vorliegenden Form kaum im Unterricht eingesetzt werden kann. Ein großes Problem stellt dabei die Präsentation der Inhalte dar. Die verwendeten Texte sind als Ausschnitte aus Fachbüchern, -zeitschriften und Studien übernommen, stehen überwiegend ohne Verbindungen und Erläuterungen nebeneinander und wurden anscheinend nicht an die Zielgruppe der 16- bis 19-jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen angepasst. Auch wenn die Materialien für die gymnasiale Oberstufe gedacht sind, müssen Inhalte didaktisch reduziert werden und Fachbegriffe sollten entweder sprachlich entsprechend erläutert oder zum Gegenstand der Auseinandersetzung gemacht werden. Ein weiteres Problem ist der fehlende Bezug zur Lebens- und Alltagswelt, zu den Interessen und Erfahrungen der Jugendlichen. Die Themen bleiben dadurch auf einer sehr abstrakten Ebene und verdeutlichen den Schülerinnen und Schülern in keiner Weise, wie wichtig und interessant es ist, sich damit auseinanderzusetzen. Weder die Texte noch die Aufgabenstellungen greifen Bezüge zu den Jugendlichen auf, die vielleicht für Neueinsteiger dieser Thematik nicht direkt auf der Hand liegen. Konkrete Situationen und Beispiele für einen schülerzentrierten Unterricht müssten verwendet werden, um Bezüge klar zu machen. Ein Material, welches für Jugendliche gemacht ist und sich an ihnen orientiert, beginnt schon bei einer ansprechenden Gestaltung der Seiten, bei der nicht wie hier "Bleiwüsten" angeboten werden, sondern ein gut ausbalanciertes und in sich stimmiges Verhältnis von Text und Grafik. Ein zielgruppenorientiertes Material zeigt sich auch in der Formulierung, wenn nicht von "den Verbrauchern" geredet wird, sondern die Lernenden durch eine konkrete Ansprache in die Rolle der Verbraucher schlüpfen und Situationen dementsprechend bewerten können. Erst dann ist auch die Voraussetzung gegeben, um das Kaufverhalten und die Motivationen der Lernenden selbst analysieren zu lassen, um dann z. B. auf die Bedeutung und Notwendigkeit von Öko-Labels einzugehen (Produkte mitbringen!), Unternehmen mit Greenwashing beispielhaft zu entlarven (Werbung gucken!) und sich die CSR-Tests der Stiftung Warentest einmal genau anzuschauen. Ein kurzer Bericht über diese CSR-Tests (S. 17) reicht nicht aus. Auch die Unternehmens-Checks der ARD legen problematische Zustände an bestimmten Stellen der Wertschöpfungskette offen, die dem Verbraucher üblicherweise verborgen bleiben und können somit auch bei Schülerinnen und Schülern sicherlich ausreichend (kritische) Betroffenheit erzeugen. In diesem Zusammenhang sind auch die dargebotenen Methoden wenig abwechslungsreich. Sie beschränken sich vorrangig auf die Textanalyse und -verarbeitung, die mit den Informationen und wohl überwiegend in Einzelarbeit schriftlich erfolgt. Ansonsten gibt es wenige bis keinerlei Verwendung anderer Methoden und Lerntechniken, denn auch wenn z. B. die Stärken-Schwächen-Analyse genannt wird, ergibt sich für die Schüler wieder nur ein schriftlicher Auftrag - es sei denn, die Stärken-Schwächen-Analyse tritt ins Zentrum, wird erläutert und durchdacht durchgeführt. Was die Unterstützung der Lehrkraft beim Einsatz der Arbeitsblätter im Unterricht betrifft, gibt es zwar einführende Seiten zum Thema und Aufbau des Materials. Auch werden zu jeder Unterrichtseinheit 1 bis 2 Seiten Fachinformationen und einige Hinweise zur Unterrichtseinheit gegeben. Jedoch fehlen so wichtige Informationen z. B. zum Zeitaufwand, zu den benötigten Materialien, zum konkreten Ablauf der Stunde etc., die Lehrerinnen und Lehrer einfach benötigen. Vor allem aber fehlen die Lernziele - zur Orientierung, zur Überprüfung und zur Strukturierung. Sie müssen in Anlehnung an die Zielstellung des Projektes "MitVerantwortung" präzise, kleinschrittig und mit Bezug zu Inhalten und Aufgabenstellungen formuliert werden. Ohne Lernziele aber bleibt das Material so, wie es sich hier präsentiert - für den Einsatz im Unterricht überwiegend zu abstrakt an Inhalten und zu wenig durchdacht an Arbeitsaufträgen und Methoden.
Erscheinungsjahr
2012
Autor/in
Susanne Patzelt
Reihe
Mitverantwortung: Sozial und ökologisch handeln
Preis
ISBN
Materialformat