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Verhaltensökonomische Experimente: wirtschaftliche Entscheidungssituationen im Unterrichtsexperiment

Im Mittelpunkt des Materials stehen verhaltensökonomische Experimente, die zeigen sollen, dass der Mensch im gesellschaftlichen Teilsystem Wirtschaft in der Regel nicht den rationalen Ansprüchen eines homo oeconomicus entspricht. Vielmehr führen Verhaltensanomalien zu nicht rationalem Handeln. Die Materialien stellen Experimente vor, mit denen diese Verhaltensanomalien durch die Schüler/innen selbst handelnd nachvollzogen und reflektiert werden können - sie sollen so das eigene Verbraucherhandeln besser einschätzen können.
Konkret werden die folgenden Experimente bzw. Anomalien vorgestellt:
(1): Relativität von Informationen in Abhängigkeit zu weiteren angebotenen Informationen (Bezug zur Wahrnehmung von Werbung, Verkaufsangeboten)
(2): Darstellungeffekt, Wahrnehumung von abstrakten bzw. auf den ersten Blick die Sinne ansprechenden Informationen
(3): Mentale Buchführung, Wertung von Informationen durch Schubladendenken (Am Beispiel von Geldbeträgen: Sach- vs. Barwert)
(4): Referenz-/ Akerpunkte und ihr Einfluss auf die Wahrnehmung von Informationen
(5): Repräsentativität: Einfluss von repräsentativen Erklärungen, die in ähnlichen Situationen helfen (Daumenregeln) bei der Entscheidungsfindung
(6): Fischer-Spiel: Bedauern eigener Entscheidungen in Dilemma-Situationen, nachhaltige Geldanlage
(7): Gratisanomalie, Nicht-Berücksichtigung von Opportunitätskosten, Überkonsum
(8): Besitztumseffekt: Bewertung von Sachgütern in emotionaler Abhängigkeit zum (Nicht)Besitz
(9): Selbstüberschätzung und Risikoverhalten: Erfolge werden eigenen Fähigkeiten, Misserfolge den Umständen zugeschrieben
(10): Kontrollillusion: Zufällige Änderung von Renditen bei Aktieninvestements und die daraus folgende nicht vorhandene Vorhersagbarkeit von Entwicklungen

Das Material "Verhaltensökonomische Experimente im Unterricht" zeigt Anomalien im menschlichen Entscheidungsverhalten mit Hilfe von Unterrichtsexperimenten auf. Diese Experimente können modular eingesetzt werden und differieren im Schwierigkeitsgrad, so dass sich das Material in den Sekundarstufen I und II einsetzen lässt. Alle Experimente enthalten eine kurze fachliche (verhaltensökonomische) Einführung, didaktisch-methodische Hinweise zur Einbindung in den Unterricht, Arbeitsblätter sowie weiterführende Aufgabenstellungen zur Reflexion der Ergebnisse. Insgesamt bietet das Material sowohl methodisch als auch inhaltlich willkommene Abwechslungen für den wirtschaftkundlichen bzw. sozialwissenschaftlichen Unterricht. Der Blick wird weg vom Homo oeconomicus zum begrenzt rational handelnden Akteur gelenkt, es werden Vor- und Nachteile dieses Handelns aufgezeigt. Damit bietet das Material eine gute Ausgangsbasis für die Reflexionsfähigkeit der Schüler/innen in ihrer Rolle als Verbraucher/innen. Auch und vor allem für die finanzielle Allgemeinbildung ist das Material fruchtbar einzusetzen - zeigt es doch die Grenzen von Entscheidungen gerade bei Anlageentscheidungen auf. Wünschenswert wäre eine weiterführende Einführung in die Arbeit mit dem Material gewesen. Vor allem fehlen Hinweise zur curricularen Einordnung und zu mit dem Material zu erreichenden Lernziele. Insgesamt lassen sich aber zahlreiche Verknüpfungen finden.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Gut
Methodik-Didaktik:
Sehr gut
Formale Gestaltung:
Sehr gut
Gesamtbewertung:
Gut
Ausführliche Bewertung
Experimente haben sich als Unterrichtsmethode bisher vor allem in den Naturwissenschaften etabliert. Aber auch im sozialwissenschaftlichen bzw. wirtschaftskundlichen Unterricht bieten Experimente die Möglichkeit, Zusammenhänge und Strukturen, die das menschliche Handeln beeinflussen, zu erkennen. Diese Chance nutzt das vorliegende Material. Es zeigt, wie Entscheidungen (die auch und vor allem ökonomisch relevant sind/ sein können) durch Verhaltensanomalien beeinflusst werden und weicht damit entscheidend vom Bild des Homo Oeconomicus ab. Da gerade das Handeln des Verbrauchers bei Konsum- und Finanzanlageentscheidungen oftmals nicht rational und nutzenorientiert ist, wie es dem Paradigma des Homo Oeconomicus folgend sein sollte, fördert die Arbeit mit den angebotenen Experimenten eine vielschichtige Sicht auf ökonomisches Handeln und kann damit zur Kontroversität im Unterricht beitragen. Die zehn angebotenen Experimente zeigen Anomalien während des gesamten Informations- bzw. Entscheidungsprozesses auf. Ergänzt werden hätten diese Experimente noch um das Diktator- bzw. Ultimatumsspiel, welches ebenfalls die Grenzen rationalen Handelns aufzeigt. Leider werden keine hier vielfach möglichen Anknüpfungspunkte für denkbare gesellschaftliche bzw. politische Konsequenzen angeboten (in Ansätzen: Fischerspiel). Diese wären aber gerade bei den Experimenten, die sich mit Anomalien bei Anlageentscheidungen auseinandersetzen, denkbar gewesen. Auch fehlen Hinweise zur curricularen Einordnung der Experimente ebenso wie die Erläuterung möglicher Zusammenhänge zwischen den einzelnen Experimenten. Da alle Experimente in einer Unterrichtsstunde durchführbar sein sollen, wären solche Hinweise durchaus wünschenswert gewesen, damit die erzielten Erkenntnisse in weiterführende Zusammenhänge eingebettet werden können Formal ist die Übersichtlichkeit des Materials hervorzuheben. Für alle Experimente liegen kurze Einführungen mit der Darstellung mehrerer Entscheidungssituationen, in denen die beschriebenen Anomalie auftreten können, didaktisch-methodische Hinweise und Arbeitsblätter für die Schüler/innen vor. Dies erleichtert den Lehrkräften eine schnelle Einarbeitung in das Material. Alle Arbeitsblätter und Hinweise lassen sich ebenfalls im Word-Format herunterladen und damit auch weiter bearbeiten bzw. der jeweiligen Unterrichtsplanung anpassen. Für zahlreiche Experimente liegen außerdem weiterführende Literaturhinweise vor.
Erscheinungsjahr
2012
Autor/in
Mittelstädt, Ewald / Wiepcke, Claudia
Reihe
Preis
0.00 €
ISBN
Materialformat
Schlagworte