Datenschutz nehmen viele Internet-Nutzer immer noch auf die leichte Schulter. Da werden bereitwillig Formulare bis ins kleinste Detail ausgefüllt, Adressen, Zeugnisse und Finanzdaten ins Netz gestellt. Selbst vorsichtige Nutzer, die die eigenen Daten nur sparsam preisgeben, können ausgeleuchtet werden. Wer sich dagegen absichern will, muss nicht nur Datensparsamkeit kultivieren, sondern braucht auch einiges an Know-how.
„Sie brauchen sich nicht vorzustellen. Wir wissen, wer Sie sind“. So wurden vor einiger Zeit Besucher auf einer Website zum Thema Datenschutz begrüßt. Was zunächst übertrieben klingt, hat einen wahren Kern. Wer das Internet nutzt, weiß, was es alles preisgibt. Da fällt einem plötzlich ein alter Schulfreund ein, zu dem man lange keinen Kontakt hatte. Kurz einige Suchmaschinen mit dem Namen gefüttert – und mit einiger Wahrscheinlichkeit findet man in den Weiten des Netzes ein paar Informationen: Name, E-Mail-Adresse, vielleicht noch den Arbeitgeber oder ein paar private Fotos.
Tiefe Einblicke in die Privatsphäre: Das Internet macht’s möglich
Was auf dem ersten Blick als nützlicher Service erscheint, erweist
sich bei näherem Hinsehen als problematisch. Schließlich lassen sich so jede Menge Informationen sammeln, die eigentlich in die Privatsphäre gehören und mehr oder weniger aus dem Leben der gesuchten Person offenbaren.
Der Gesetzgeber hat sich das mal anders gedacht, und bereits 1977 das erste Bundesdatenschutzgesetz erlassen. Damit sollte eigentlich gewährleistet werden, dass so genannte personenbezogene Daten – also etwa Kenntnisse über das Alter, den Beruf oder Vermögensverhältnisse einer bestimmten Person – nicht in die Hände Dritter gelangen. Kommen nämlich mehrerer solcher personenbezogener Daten zusammen, kann sich schnell ein ausführliches Bild über eine konkrete Person ergeben, das alle Lebensbereiche abdecken kann.
Noch Anfang der 1980er Jahre, die Volkszählung stand an, prophezeite eine viel beschworene Metapher den „Gläsernen Bürger“, der durch die mögliche Verknüpfung verschiedener solcher persönlicher Daten bald Realität werden könnte. In der virtuellen Welt ist aus dieser Vision in weiten Teilen Wirklichkeit geworden – nur ist es heute eben der „Gläserne Nutzer“. Große Teile der Gesellschaft scheint das nicht sonderlich zu interessieren. Die Befürchtung, der Staat könnte seine Bürger durchleuchten, ist in den Hintergrund getreten. Gefahren, die heute von professionellen Datensammlern ausgehen, werden kaum wahrgenommen.
Aus Datensätzen werden Umsätze
Dabei stellen diese professionellen Datensammler und der Datenhunger der Wirtschaft mittlerweile ein ernstes Problem dar. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen ist ein Wirtschaftssektor herangereift, der gute Umsätze macht. Denn Informationen, die sich mit bestimmten Personen oder bestimmbaren Bevölkerungsgruppen verknüpfen lassen, sind bares Geld wert. Und nicht allzu schwer zu beschaffen. Neben der freiwilligen Nachlässigkeit, die viele Verbraucher im Umgang mit ihren persönlichen Daten an den Tag legen, hat die Branche mittlerweile ausgefeilte Techniken entwickelt, um diese Informationen abzugreifen.
Ein Tummelplatz für Datensammler ist das Internet. Personenbezogene Informationen lassen sich dort ohne großen Aufwand gewinnen: Gewinnspiele, Preisausschreiben und vermeintlich kostenlose Dienste, an denen sich nur nach dem Ausfüllen ellenlanger Formulare teilnehmen lässt, versorgen die Branche mit Unmengen an Daten. Hinzu kommen Methoden der Datengewinnung, die manchmal Recht und Gesetzt schon hinter sich gelassen haben. Da werden Schnüffelprogramme ohne das Wissen des Nutzers auf dessen PC installiert, da werden Passwörter gephisht und Trojanische Pferde gezüchtet, die persönliche Daten aus dem Rechner des Nutzers auslesen und die Datenbanken der Datensammler auf irrsinnige Größen anwachsen lassen.
Schutz ist möglich – Know-how nötig
Vor all dem kann man sich schützen. Nur sind die wenigsten Rechner, die über eine Internetverbindung verfügen, heute ab Werk so eingerichtet, dass der Nutzer Herr über seine Daten bleibt. Wer das möchte, muss über einiges Know-how verfügen. Und sich vor allem über einige Grundsätze klar werden, deren Nichtbeachtung den Datensammlern heute das Geschäft so leicht machen.
Mit den folgenden Informationen zeigen wir, wo der Datenschutz im Internet an seine Grenzen stößt, welche Akteure überhaupt ein Interesse an personenbezogenen Daten haben, wie sie diese abgreifen und verarbeiten und wie man sich genau davor schützen kann. Sicherheit ist möglich – wenn auch nicht zu hundert Prozent, aber doch so, dass man weitgehend selbst über die Verwendung seiner Daten bestimmen kann.
- Der Datenschutz und seine Grenzen im Internet
- Welche Akteure haben ein Interesse an personenbezogenen Daten?
- Die Werkzeuge der Datensammler im Netz
- Modulare Selbstschutzmaßnahmen: Datenschutz im Internet
- Weiterführende Informationen und Quellen
Stand: April 2006