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Essen – eine Klimasünde?

Kaum ein anderes Thema wurde im vergangenen Jahr so hitzig diskutiert wie der Klimawandel. Ein Aspekt kam dabei jedoch zu kurz: der Zusammenhang zwischen unseren Ernährungsweisen und der Erderwärmung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) setzt das Thema jetzt auf die Tagesordnung.

„Was wir heute essen und wie es produziert wird, entscheidet über das Klima von morgen", erklärt vzbv-Vorstand Gerd Billen. Bislang fänden jedoch die Beiträge von Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft und Verbraucher zum Klimaschutz zu wenig Beachtung. Der Verband veranstaltete daher anlässlich der Internationalen Grünen Woche 2008 am 24. Januar ein verbraucherpolitisches Forum, das sich unter dem Titel „Essen – eine Klimasünde?“ dieser Frage widmete.

Tatsächlich behandelt die Klimadebatte den Beitrag von Ernährung und Landwirtschaft zur Erderwärmung eher stiefmütterlich. Zu Unrecht. Denn Experten schätzen, dass den durch die Lebensmittelproduktion und -konsum emittierten Treibhausgasen mittlerweile eine ähnlich hohe Bedeutung zukommt wie den Bereichen Verkehr oder Wohnen. Doch während Kraftwerke und Autos Höchstwerte und Neubauten Standards einhalten müssen, blieb der Agrarsektor bislang von neuen Klimaschutzvorgaben weitgehend verschont.

Auch Lebensmittel kosten Energie und emittieren Treibhausgase

„Es ist weder nachvollziehbar noch akzeptabel, dass die Landwirtschaft im Klimaprogramm der Bundesregierung mit keinem Wort auftaucht“, moniert vzbv-Chef Billen. Denn egal, ob es sich um das Brot vom Bäcker, das Steak vom Fleischer oder die Butter aus dem Supermarkt handelt – bevor diese Waren auf unseren Tischen landen, müssen sie zunächst einmal produziert werden. Und das ist immer mit Energie verbunden, die zur Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung nötig sind. Auf die CO2-Emissionen, die mit jedem Essen in die Atmosphäre geblasen werden, hat das enormen Einfluss. Messen lässt sich das in CO2-Äquivalenten, der internationalen Bemessungsgrundlage für die Klimawirksamkeit sämtlicher Treibhausgase in Relation zu CO2.

Von den rund elf Tonnen CO2-Äquivalenten, die jeder Bundesbürger pro Jahr in die Atmosphäre bläst, fallen über 1,5 Tonnen in den Bereich Ernährung, wie die vom Bundesumweltministerium geförderte Beratungsgesellschaft co2online weiß. Die Klima-Berater haben im Herbst 2007 den sogenannten „Pendos CO2-Zähler“ veröffentlicht, der die Klimaauswirkungen einzelner Lebensmittel unter die Lupe nimmt. Um den CO2-Ausstoß je Kilogramm Lebensmittel zu ermitteln, wurden dabei alle wesentlichen Treibhausgase berücksichtigt, die anfallen, bis die jeweiligen Waren im Geschäft liegen – also etwa die Ausgasungen der Traktoren und der Düngemittel, aber auch die Emissionen, die bei Produktion, Weiterverarbeitung, Verpackung, Lagerung, Transport und Konsum anfallen.

1 Kilogramm Butter = 24 Kilogramm CO2

Die so aufgestellten Klimabilanzen unterschieden sich je nach Lebensmittel erheblich. Die Herstellung von einem Kilogramm Butter setzt beispielsweise fast 24 Kilogramm CO2-Äquivalente frei, und die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch verursacht rund 13 kg Klimagase. Über das Jahr summiert sich das: Alleine durch Milchprodukte verursacht ein durchschnittlicher deutscher Haushalt jährlich 970 kg Treibhausgase, der Fleischkonsum schlägt mit 470 kg zu Buche, so co2online. Doch es gibt Produkte, die wesentlich weniger zu Buche schlagen, zum Beispiel Gemüse mit nur 150 kg CO2–Äquivalenten.

„Unsere Ernährungsmuster und Ernährungsgewohnheiten gehören auf den Klimaprüfstand“, fordert daher auch vzbv-Vorstand Billen. Es ist höchste Zeit, dem Zusammenhang mehr Aufmerksamkeit zu schenken und nach Wegen Ausschau zu halten, die Ernährung klimafreundlicher zu gestalten. Der Verbraucher kann hierzu mit seinem täglichen Einkauf beitragen. Um eine Trendwende einzuleiten, ist aber auch Engagement von Landwirtschaft, Handel und Politik nötig.

Die nachfolgenden Seiten zeigen, welchen Einfluss Landwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft und der Handel auf die Erderwärmung haben und wie sie zum Klimaschutz beitragen können. Außerdem dokumentieren die nachfolgenden Informationen die Position des vzbv, mit denen sich der Verband für eine klimaschonendere Ernährung und Landwirtschaft einsetzt. Verbraucher und Verbraucherinnen finden zudem Hinweise, wie sie ihre eigene Ernährung klimafreundlicher gestalten können.

Weiterführende Seiten

Stand: Januar 2008

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