Reisen gehört für viele Menschen zu einem guten Leben. Nicht nur die Urlauber, auch viele gastgebende Länder profitieren davon. Tourismus bringt Devisen, schafft Arbeitsplätze und kann zum kulturellen Austausch beitragen. Der heutige Turbo-Tourismus hat aber auch Schattenseiten: zubetonierte Landschaften, immense CO2-Emissionen, Versorgung der Urlauber auf Kosten der heimischen Bevölkerung. Reisen geht auch anders. Und bedeutet nicht gleich Grevenbroich statt Griechenland.
Die Tourismusbranche ist ein Multi-Milliarden-Dollar-Geschäft. Wir Deutschen
leisten dazu einen enormen Beitrag. Im Jahr 2004 wurden hierzulande über 65 Millionen Urlaubsreisen mit mindestens vier Übernachtungen unternommen. Das Inland war mit einem Marktanteil von knapp 31 Prozent dabei das liebste Urlaubsreiseziel. Gleichzeitig erreichte die Zahl der Auslandsurlaube mit 45,3 Millionen ein Rekordhoch. Den Ruf, Reiseweltmeister zu sein, lassen wir uns einiges kosten: Durchschnittlich wurden pro Urlaubsreise 812 Euro ausgegeben.
Diese Zahlen bilden alleine die deutsche Reiselust ab. Wie viel Menschen weltweit auf Reisen gehen, illustriert eine Untersuchung der World Tourism Organization (UNWTO). Nach deren Angaben überschritt die Zahl der internationalen Auslandstouristen im Jahr 2005 weltweit erstmals die Grenze von 800 Millionen.
Der Tourismus und seine Folgen
Für viele gastgebende Länder ist dieser Milliarden-Markt ein zweischneidiges Schwert. Einerseits können sie von Einnahmen aus dem Tourismus profitieren, damit in die öffentliche Infrastruktur investieren und Arbeitsplätze schaffen. Andererseits müssen sie das oft mit einem steigenden Ressourcen- und Naturverbrauch bezahlen. Für einen Wirtschaftssektor, der wie kaum ein anderer auf eine intakte Umwelt und Natur angewiesen ist, kann das üble Folgen haben – und letztlich zum Ausbleiben der Touristenströme führen.
Auch Kultur und Gesellschaft zählen in vielen touristischen Zielgebieten zu den Verlierern. Das muss nicht gleich Kinderprostitution sein, sondern fängt schon bei schlecht entlohnten Saison-Arbeitsplätzen an und setzt sich fort in der Zerstörung gewachsener sozialer und kultureller Strukturen durch eine erzwungene Konfrontation mit fremden Werten und Verhaltensweisen.
Betroffen sind von diesen Folgen immer auch die Urlauber: Als Mitverursacher sind sie zugleich Geschädigte, wenn die im Katalog beworbenen weißen Strände sich als zugebaute Mülldeponien erweisen, Gastfreundschaft in Ablehnung umschlägt oder Armut die Kriminalität ansteigen lässt.
Nachhaltiger Tourismus gewinnt an Bedeutung
Immer mehr Touristen erkennen diese Zusammenhänge und lassen auch auf Reisen ihr Umweltbewusstsein oder Werte wie soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit nicht daheim. Nachhaltiger Tourismus – vor wenigen Jahren noch nahezu unbekannt – gewinnt allmählich an Bedeutung. Umschrieben wird damit eine Art des Reisens, die für alle Beteiligten sowohl sozial, ökologisch als auch wirtschaftlich verträglich ist.
Mittlerweile konnten sich für den nachhaltigen Tourismus sogar etliche Standards und Siegel etablieren. Alleine in Europa gab es 2004 mehr als 50 Umweltzertifikate und Wettbewerbe für nahezu alle Arten touristischer Dienstleistungen. Oft sind diese Zertifikate noch unbekannt, noch öfter schafft die pure Masse mehr Verwirrung als Klarheit. Wenn auch Ansätze zu mehr Nachhaltigkeit in der Reisebranche zu erkennen sind – den Großteil der Verantwortung trägt jeder einzelne Tourist. Wie man dieser Verantwortung gerecht werden kann, zeigen wir mit den nachfolgenden Informationen.
- Tourismus: Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft
- Was ist nachhaltiger Tourismus? Und wie kann man nachhaltige Reiseangebote erkennen?
- Nachhaltiger Tourismus: Handlungsempfehlungen für verantwortungsvolle Reisen
- Nachhaltiger Tourismus: Quellen, Anbieter und Informationen im Überblick
- Alle Informationen auf einem Blick
Stand: März 2006