Jährlich wird in Deutschland so viel Papier verbraucht wie in ganz Afrika und Südamerika zusammen: fast 21 Millionen Tonnen im Jahr 2006, je Bundesbürger 253 Kilogramm. Die Grenzen eines nachhaltigen Konsums sind damit schon lange überschritten, ein anderer Umgang mit Papier ist notwendiger denn je. Die folgenden Informationen zeigen, wie der eigene Verbrauch reduziert werden kann, an welchen Siegeln sich Verbraucher orientieren können und welche Vorteile Recyclingpapier bietet.
Beim Verbrauch von Papier ist Deutschland führend, nur in wenigen Ländern wird mehr Papier verbraucht als hierzulande. In Österreich etwa, wo der Papierkonsum bereits im Jahr 2004 bei 255 Kilogramm pro Kopf lag, oder in den USA, wo der Verbrauch 312 Kilo pro Jahr und Kopf betrug. In China hingegen – wo vor etwa 2000 Jahren mit der Papierherstellung begonnen wurde – liegt der Papierkonsum noch bei 42 Kilogramm. Noch. Denn mit dem anhaltenden Wirtschaftswachstum Chinas wird sich das ändern. Dass das ganz schnell gehen kann, zeigt die deutsche Entwicklung: Noch 1950 verbrauchte jeder Bundesbürger nur knapp 30 Kilogramm Papier, Pappe und Karton im Jahr, heute liegt der Verbrauch bei über 250 Kilogramm – ein Wachstum von mehr als 800 Prozent in rund 50 Jahren.
Papierverbrauch – ein Indikator für den Lebensstandard
Nicht nur in Deutschland steigt die Nachfrage, sondern weltweit. Das liegt auch daran, dass Papier kein Konsumgut wie jedes andere ist. Die Verfügbarkeit von Papier ist eine Voraussetzung für wirtschaftliche Blüte. Ohne Papier kann kein Unternehmen wirtschaften, kein Staat handeln, kein materieller Wohlstand entstehen. Daher sagt der Verbrauch auch immer etwas über den materiellen Lebensstandard eines Landes aus.
Zumindest in den reichen Ländern des Nordens ist Papier allgegenwärtig: als Hygieneartikel, als Verpackung oder bei der Arbeit. Das papierlose Büro erscheint heute ferner denn je. Um die 50 Seiten pro Tag druckt der durchschnittliche Anwender in einem großen Unternehmen aus, so eine vom Druckerhersteller Lexmark in Auftrag gegebene Studie. Schon vor rund zehn Jahren wurden in Europa über 100 Milliarden Briefumschläge verbraucht. Und Woche für Woche werden 20 Millionen Lottoscheine in Deutschland abgegeben. Alle sieben Tage kommen so 25 Tonnen Papier zusammen.
Taschentücher, Verpackungen, Zeitschriften, Bücher – all das summiert sich zu den schon erwähnten rund 250 Kilogramm Jahresverbrauch in Deutschland und einigen anderen Ländern. Die Bedürfnisse der Bevölkerung könnten mit bedeutend weniger gedeckt werden. Laut dem von der Initiative 2000plus herausgegebenen Kritischen Papierbericht 2004 gelten 30 bis 40 Kilogramm pro Jahr und Verbraucher als untere Grenze.
Weltweite Papierproduktion 2005: 56 Kilogramm pro Kopf
Schaut man sich die weltweite Papierproduktion an, müsste der Ausstoß der Papiermühlen eigentlich für alle Menschen ausreichen. Im Jahr 2005 wurden knapp 367 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Karton produziert. Rein rechnerisch sind das 56 Kilogramm pro Kopf.
Der Kritische Papierbericht 2004 macht aber eine andere Rechnung auf: Demzufolge verbrauchen die sieben wirtschaftsstärksten Regionen mit 15 Prozent der Weltbevölkerung knapp 70 Prozent allen Papiers. Im Mittel 240 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Den restlichen 85 Prozent Weltbevölkerung verbleiben 30 Prozent. Im Durchschnitt ergibt das einen Jahres-Pro-Kopf-Verbrauch von 19 Kilogramm. Rund 5,5 Milliarden Menschen steht also weniger als die Hälfte des Papiers zur Verfügung, das zur Befriedigung der Grundbedürfnisse nötig wäre.
Dass diese Menschen ihren Papiernotstand lindern wollen, ist legitim und nachvollziehbar. Doch die Anpassung des Verbrauchsniveaus von 5,5 Milliarden Menschen an das Konsumniveau der reichen Länder ist schlicht unmöglich. Eine Projektion auf China zeigt, warum: Stünde das weltweit im Jahr 2001 produzierte Papier alleine dort zur Verfügung, läge die Verbrauchsmenge in China pro Kopf gerade einmal bei jenen 240 Kilogramm des reichen Nordens. Der Rest der Welt bliebe unversorgt. Würde sich das Verbrauchsniveau der Industrieländer weltweit durchsetzen, stiege der Papierbedarf um das Fünffache.
Nachfrage hat jegliche Nachhaltigkeitsgrenzen überschritten
Schon die derzeitige Konsumhöhe ist untragbar, ein Ende der wachsenden Nachfrage ist jedoch nicht abzusehen. Bereits für das Jahr 2015 wird ein weltweiter Verbrauch von 440 Millionen Tonnen Papier erwartet. „Offen bleibt, wo die enormen Mengen an Fasern herkommen sollen, die benötigt werden, um 440 Millionen Tonnen Papier zu erzeugen“, stellt der Kritische Papierbericht 2004 dazu fest. Der Druck auf die Wälder wachse „rapide weiter“. Schon seien Versorgungsengpässe abzusehen, da der Papiergrundstoff Holz auch in anderen Bereichen eine stärkere Verwendung findet, etwa als Energieträger oder als Baumaterial. Der Nachfolgebericht aus dem Jahr 2005 sieht daher bereits „jegliche Nachhaltigkeitsgrenzen überschritten“. Augenscheinlichster Beweis dafür sei „die Umwandlung von Wäldern und Ackerland in Plantagen im Einzugsbereich großer Zellstofffabriken“.
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Stand: September 2007