Mit dem zunehmenden Trend zu Ganztagsschulen und Nachmittagsunterricht gewinnt die Schulverpflegung in Deutschland an Bedeutung. Zwar ist das Schulessen schon heute vielerorts besser als sein Ruf – die zahlreichen guten Beispiele müssen aber endlich in ganz Deutschland Schule machen. Die Verantwortlichen auf Landes- und kommunaler Ebene müssen daher klare rechtliche Rahmenkriterien für die Schulverpflegung festlegen.
Das forderte der Verbraucherzentrale Bundesverband e.
V. (vzbv) auf dem von ihm ausgerichteten Verbraucherpolitischen Forum im Rahmen der Internationalen Grünen Woche 2007 in Berlin. Die Veranstaltung unter dem Titel „Tafel-Freuden? Über das Essen an deutschen Schulen" fragte unter anderem danach, welche Lebensmittel an Schulkiosken und in deutschen Schulmensen angeboten werden und welche Richtlinien für Mittagessen, Warensortiment und Automatenaufstellung gelten. Außerdem wurde ein Blick auf die Praxis der Schulverpflegung im europäischen Ausland geworfen.
Politik auf Trab bringen
Mit der Tagung zielte der vzbv darauf ab, die Politik und die für den Schulalltag Verantwortlichen „auf Trab zu bringen" und all diejenigen zu unterstützen, die sich in zahlreichen Einzelinitiativen bereits für eine gesunde Ernährung an den Schulen einsetzen.
Dass die Zeit reif ist, das Essen an den Schulen und die Ernährungsbildung zu einem Top-Thema zu machen, belegen folgende Zahlen:
- Jedes sechste Kind in Deutschland ist zu dick.
- Jedes vierte Kind kommt ohne Frühstück in die Schule.
- Millionen Kinder stillen ihren Hunger zum großen Teil in der Schule – vornehmlich am Schulkiosk oder durch Automaten.
- Noch ist in Deutschland die Zahl der Kinder, die in der Schule auch mit einer warmen Mittagsmahlzeit versorgt werden, im Vergleich zu anderen Ländern relativ klein. Das soll sich aber mit dem Ausbau der Ganztagsschulen ändern.
Zunehmende Anzahl an Ganztagsschulen erfordert gesunde Mittagsverpflegung
Bis 2008/09 soll jede vierte der bundesweit rund 36.8000 Schulen ein pädagogisches Ganztagsangebot haben. Die Zahl der Ganztagsschulen wird bis dahin von derzeit etwa 6.000 auf 10.000 steigen. Die Schulverpflegung gewinnt damit an Bedeutung. Damit einher geht jedoch auch eine neue Herausforderung: Die Schüler brauchen eine gesunde Mittagsverpflegung und Gelegenheiten, gesunde Snacks und Zwischenmahlzeiten einnehmen zu können.
Bislang sind die Schulen eher ein Teil des Problems: Häufig entspricht die Schulverpflegung nicht den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung. Gleichzeitig findet hauswirtschaftlicher Unterricht mit den Themen Lebensmittel und Ernährung in den Lehrplänen und als Teil des Unterrichts in Schulen kaum statt.
Der Trend zur Ganztagsschule bietet daher die Chance, mit einem gesundheitsfördernden Verpflegungsangebot in Schulen dem gesamtgesellschaftlichen Negativ-Trend steigender Übergewichtsraten bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken. Dieser Chance kommt besondere Bedeutung zu, da gerade das Schulalter für die Ausprägung von Ernährungsverhalten, des Gewichts sowie des Gesundheitszustands im Erwachsenenalter wichtig ist. Wer bereits als Kind oder Jugendlicher übergewichtig ist, ist dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter. Bei übergewichtigen Zehn- bis 13-Jährigen beträgt die Wahrscheinlichkeit, auch als Erwachsene übergewichtig zu sein, mehr als 80 Prozent.
Ganztagsbetreuung ist eine einmalige Chance zur Verbesserung der Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen
„Gutes Essen und Ernährungserziehung in der Schule sind der notwendige Kontrapunkt zum Werbemärchen von ‚gesunden Süßigkeiten' und zu familiären Ernährungsdefiziten", erklärte vzbv-Vorstand Prof. Dr. Edda Müller auf der Tagung. Der flächendeckende Ausbau der Ganztagsbetreuung sei eine einmalige Chance, auch die Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen deutlich zu verbessern. Eine gesunde Schulverpflegung böte nicht nur Chancen zur Verbesserung der Gesundheit, sondern auch zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und Lernfreude. Hungrige Schüler mit Süßigkeiten und Softdrinks zu versorgen, stehe diesem Anspruch jedoch entgegen, so Müller.
Auf den nachfolgenden Seiten zeigen wir Ihnen, wie sich die Situation der Schulverpflegung hierzulande darstellt, informieren über vorbildliche Praxis in Deutschland und einigen europäischen Ländern und zeigen, welche Rahmenkriterien für die Schulverpflegung notwendig sind. Dazu legt der vzbv ein Sechs-Punkte-Programm vor, mit dem die Länder die Qualität des Schulessens und der Ernährungsbildung voranbringen sollen. Dieses Programm soll dabei unterstützen, Theorie im Unterricht und Praxis am Esstisch wieder stärker miteinander zu verzahnen. Außerdem stellen wir Aktivitäten der Verbraucherzentralen der Länder vor, die bereits dazu beitragen, die Qualität der Schulverpflegung zu verbessern.
Weiterführende Seiten
- Schulverpflegung: Die Lage in Deutschland
- Die Situation in anderen europäischen Ländern
- Sechs-Punkte-Programm für die Länder: Theorie und Praxis sollen ineinandergreifen
- Aktivitäten der Verbraucherzentralen
- Weiterführende Informationen
Stand: April 2007