Sie sind hier: www.verbraucherbildung.de > Kinder & Werbung > Um welche Produkte geht es? > Lebensmittel
Schriftgröße:

Hier können Sie unseren Newsletter bestellen, um über Erweiterungen der Plattform oder aktuelle Nachrichten auf dem Laufenden zu bleiben.

Um welche Produkte geht es?
Lebensmittel - "Mit der Extra-Portion Fett und Zucker!"

Bereits jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland ist übergewichtig. Ein Faktor für diese alarmierende Entwicklung ist die intensive Werbung für Dickmacher wie Fast Food, Softdrinks, Süßigkeiten und Knabberartikel. Laut KidsVerbraucherAnalyse 2003 geben gerade die 6- bis 12-Jährigen ihr insgesamt milliardenschweres Taschengeld in erster Linie für Süßigkeiten und Eis aus.

Wissenschaftliche Untersuchungen von 1993 (Quelle: Diehl, Prof. Dr. Jörg M. (1993): Untersuchungen zu soziokulturellen Einflüssen im Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen. Justus-Liebig-Universität Gießen, Fachbereich Psychologie) machen deutlich, dass sich die Werbung in den Kinderprogrammen kommerzieller Sender insbesondere an den Wochenenden auf den Lebensmittelbereich konzentriert.

Die gesendeten Werbespots formen und verstärken den Beliebtheitsgrad von bestimmten Speisen und Getränken und animieren die Kinder, die Produkte von ihrem Taschengeld zu kaufen oder die Kaufentscheidung der Eltern entsprechend zu beeinflussen. Während die jungen Verbraucher vor allem auf die bunten Verpackungen und Zusatzgeschenke ansprechen, werden Eltern mit Vitamin- und Mineralstoffversprechen gelockt.

Untersuchungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Deutschland haben gezeigt, dass sich die Anzahl der sogenannten Kinderlebensmittel in den letzten fünf Jahren verdreifacht hat (Quelle: Melanie Düren, Mathilde Kersting: Das Angebot an Kinderlebensmitteln in Deutschland, Ernährungsschau 50, 2003). Bei den speziell für Kinder beworbenen Erzeugnissen handelt es sich fast ausnahmslos um stark verarbeitete Erzeugnisse mit vielen Zusätzen wie Farb- und Aromastoffe, Konservierungsmittel und Emulgatoren, die in ihrer ernährungsphysiologischen Zusammensetzung häufig nicht den Ernährungsempfehlungen für Kindern entsprechen. Slogans wie "Die wertvolle Zwischenmahlzeit für Kids" oder "Der Tagesbedarf an wichtigen Vitaminen" verschleiern, dass viele dieser Produkte zu fett und zu zucker- bzw. kalorienreich sind.

Beispielsweise müsste ein 9-Jähriges Kind ungefähr 17 Milchschnitten essen, um seinen Tagesbedarf an Kalzium zu decken und würde damit gleichzeitig 40 Stück Würfelzucker und ein halbes Paket Butter zu sich nehmen!

Unterschiede zwischen "Kinderlebensmitteln" und "Normalprodukten" sind oft nur der höhere Preis (manchmal bis zum Dreifachen), mehr Verpackung und ein kindlicher Kaufanreiz gemäß dem Konzept "Lebensmittel und Spielzeug" - in Form von beigelegten Comicfiguren, Klebebildchen, Gewinnspielen oder Klub-Mitgliedschaften. Vor allem die Verpackungen sind alles andere als umweltfreundlich. Die meistens in "Mini-Portionen" verpackten Lebensmittel und Trinkpäckchen fördern weder ökologisches Bewusstsein, noch regen sie zum Teilen mit Geschwistern oder Freunden an.

Die auf Kinder abzielende Fernsehwerbung im Lebensmittelbereich trägt zumindest dazu bei, die Wünsche der Kinder und Jugendlichen nach Erlangung der Produkte zu prägen. Auch wenn im Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung die Mehrzahl von Grundschülern angaben, dass Obst und Gemüse gesund sind und Süßigkeiten dick machen, besteht eine große Diskrepanz zwischen dem Wissen und dem Handeln der Kinder.

Auf die Frage, warum Kinder zu viel wiegen, gaben 55 Prozent der 6- bis 12-Jährigen an, dass Kinder zu viele Süßigkeiten essen. 34 Prozent nannten auch mangelnde Bewegung als Ursache für Übergewicht (Quelle: Befragung iconkids & youth, Mai 2003). Der Trend zu Fehlernährung und Übergewicht und den damit verbundenen Folgeerkrankungen lässt sich nur durch ein bewussteres Ernährungs- und Konsumverhalten korrigieren, das beim bewussten Umgang mit Werbung beginnt.
Weiterführende Informationen im Internet

Druckversion