Produktlinienanalyse
Ein Verfahren, das Probleme in unserer Arbeits-, Wirtschafts- und Lebensweise im Hinblick auf ihre "Zukunftsfähigkeit" analysiert und kritisch reflektiert.
Geeignete Sozialform: Gruppenarbeit.
Materialien
Arbeitsblätter, Informationsmaterial zu den Produkt-Stationen (Printmaterial, Filme)
Verlauf
Bei einer Produktlinienanalyse wird der gesamte Lebenslauf eines Produktes von der Gewinnung der Rohstoffe über die Produktion und Verteilung bis hin zur Verwertung bzw. Beseitigung in den Blick genommen. Hier stehen also neben der Wirtschaftlichkeit auch die Umwelt- und die Sozialverträglichkeit im Mittelpunkt.
Ziel der Methode ist die Analyse von Produkten des täglichen Bedarfs mit gleichzeitiger Suche nach einer "zukunftsfähigen" Produktions- und Lebensweise, welche auch die Lebensbedingungen künftiger Generationen sichert.
Das Moderatorenteam hat ein Einführungsreferat zum Thema vorbereitet und trägt dieses vor. Hier wird das Produkt und die Produktlinie beschrieben. Die Arbeitsgruppe teilt sich in Kleingruppen auf und bekommt Arbeitsblätter mit den wesentlichen Schritten der Produktlinienanalyse in die Hand.
Zunächst sollen zum vorgestellten Produkt für drei Dimensionen (Wirtschaft/Gesellschaft/Natur) Kriterien entwickelt werden, die anschließend im Plenum diskutiert werden. Das Moderatorenteam entscheidet, auf wie viel Kriterien sich geeinigt wird und hält diese auf einer übersichtlichen Produktlinienmatrix fest.
Hier stehen im horizontalen Bereich die einzelnen Stationen, die ein Produkt im Normalfall durchläuft: Die angewandte Forschung liefert Daten für die Planung bzw. Entwicklung eines Produkts. Dieses geht in die Produktion und setzt sich über Marketing-Strategien durch den Handel auf dem Markt ab. Nach dem Gebrauch oder der Nutzung wird das Produkt beseitigt, es landet auf der Deponie oder durchläuft den Recycling-Kreislauf. Im vertikalen Bereich werden die gefundenen Kriterien eingetragen.
Im Idealfall schließen sich an diesen Arbeitsschritt Exkursionen zu den unterschiedlichen Produkt-Stationen an. Dadurch ist eine Produktlinie am eindrucksvollsten darzustellen. Printmaterial oder Filmbeiträge können ergänzend eingesetzt werden. Wichtig ist in jedem Fall, dass die TeilnehmerInnen zu jeder Produkt-Station eine Bewertung des Kriteriums durchführen.
Der letzte Arbeitsschritt ist die Auswertung der erstellten Produktlinienmatrix mit der Erarbeitung von individuellen, kollektiven und politischen Handlungsstrategien.
Kommentar: Die Produktlinienanalyse ist ein sozialwissenschaftliches Verfahren, das Probleme in unserer Arbeits-, Wirtschafts- und Lebensweise im Hinblick auf ihre "Zukunftsfähigkeit" analysiert und kritisch reflektiert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Produkte unseres täglichen Bedarfs aussehen müssen, damit sie sowohl wirtschaftlich als auch umwelt- und sozialverträglich sind, d.h. Natur und Mensch nicht schädigen.
Die in der Regel sehr erstaunlichen Ergebnisse von Produktlinienanalysen können sowohl von Verbrauchern als auch von Unternehmen als Sach- und Wertorientierung für ihre Konsum- und Produktionsentscheidungen genutzt werden.
Indem Produkte nach Kriterien der Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie der Wirtschaftlichkeit umfassend analysiert und bewertet werden, bietet die Methode zugleich fundamentale Prinzipien zur Verdeutlichung unseres Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensstils.
Beispiel: Kategorien für die Produktlinienmatrix
· Dimension Wirtschaft: Preis/Kosten/Qualität
· Dimension Wirtschaft: Branchen- und Unternehmensdaten
· Dimension Wirtschaft: Außenhandel
· Dimension Gesellschaft: Arbeitsbedingungen
· Dimension Gesellschaft: Individuelle soziale Auswirkungen
· Dimension Natur: Energie- und Materialaufwand
· Dimension Natur: Abfälle und Schadstoffe in der Umwelt
· Dimension Natur: Wirkungen auf Mensch und Umwelt
· Produkt-Station: Planung bzw. Entwicklung
· Produkt-Station: Produktion
· Produkt-Station: Marketing-Strategien
· Produkt-Station: Handel
· Produkt-Station: Gebrauch
· Produkt-Station: Deponie
· Produkt-Station: Recycling-Kreislauf
frei nach V.i.S.d.P. 2001 Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest
