Zukunftswerkstatt
Ein Verfahren, das sich theoretisch mit einem Zukunftsmodell beschäftigt und Lösungsansätze fördert.
Geeignet für die Gruppenarbeit und die Arbeit im Plenum.
Materialien
Tafel/Flip-Chart, Stifte, Karten
Verlauf
Mit dieser Methode können sich TeilnehmerInnen utopisch mit einem brisanten Thema beschäftigen. Hier werden solche gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Fragen, Schwierigkeiten, Unzufriedenheiten in den Mittelpunkt gerückt, die sich sonst meist aus dem Handlungsfeld der TeilnehmerInnen entziehen. Die Sonst-Nicht-Gefragten erhalten die Chance, nicht nur sie betreffende Probleme anzusprechen, sondern auch Lösungen zu entwickeln und vorzuschlagen.
1. Vorbereitungsphase: Das Thema (Zukunftsentwicklung) wird benannt und die TeilnehmerInnen in die Arbeitsweise und Struktur der Zukunftswerkstatt eingeführt. Die wesentlichen Arbeitsschritte werden auf der Tafel oder einem Flip-Chart-Bogen festgehalten.
2. Kritikphase: Zunächst werden unzensiert und unkommentiert die Kritik, die Vorbehalte und die Ängste gegenüber der Zukunftsentwicklung gesammelt, strukturiert und gewichtet. Es erfolgt also eine kritische Bestandsaufnahme des Gegenwartszustandes.
Es kann bezüglich der Thematik teilweise negativ sein, nur die Probleme und Schwierigkeiten zu sammeln. Das führt in einigen Fällen zu einer Demotivation. Deshalb erscheint es sinnvoll, eine (neutrale) Bestandsaufnahme durchzuführen ("Was läuft gut bei uns, was ist schon vorhanden, auf das wir stolz sein können?", erst dann "Was soll sich ändern, verbessern?").
Die Ideen werden für alle sichtbar festgehalten und anschließend systematisiert und zu thematischen Schwerpunkten zusammengefasst (z.B. Kartenabfrage).
3. Phantasiephase: Es werden Kleingruppen gebildet. Auf der gewonnenen Grundlage erfolgt das Erfinden eigener positiver Zukünfte und wünschbarer Auswege sowie das Entwickeln von Phantasien, Utopien und Visionen, um die kritisierten Zustände gegenstandslos zu machen. Die Kritikpunkte werden positiv umformuliert und alle Ideen für eine fantasievolle Umgestaltung der Gegenwart gesammelt. Für die Präsentation werden diese Ideen systematisiert und eine oder zwei der utopischen Entwürfe werden präziser ausgearbeitet. Es findet also die kreative und phantasievolle Überwindung des Kritisierten statt.
4. Zwischenphase: Die Zukunftsutopien werden im Plenum präsentiert und durch Nachfragen geklärt. Haben mehrere Gruppen zum gleichen Themenbereich gearbeitet, kann sich hier auch das Plenum auf die interessantesten Konzepte einigen.
5. Realisierungsphase: In dieser Phase wird die Frage nach der Durchsetzung des Gewünschten und Erfundenen gestellt. Es werden Forderungen, Vorschläge und Lösungskonzepte entwickelt. Die Arbeitsgruppen treten mit verschiedenen Fragestellungen an die Entwürfe heran:
Was können wir davon in die Realität umsetzen?
Mit welcher Strategie können wir das durchsetzen?
Die Gruppe entwickelt konkrete Ideen, zeigt die Schritte zu Umsetzung, stellt einen Zeitplan auf und entwickelt möglicherweise einen Handlungsplan.
Es findet also die Umsetzung des Wünschbaren in die Wirklichkeit statt.
Die Ergebnisse werden im Plenum präsentiert, geklärt und, soweit sie akzeptiert werden, in einem Maßnahmenkatalog festgehalten.
6. Nachbereitung: Ein Gesamtprotokoll der Zukunftswerkstatt hält alle Entwicklungsschritte fest. Die Ergebnisse werden den TeilnehmerInnen zugänglich gemacht. Vielleicht kommt es zur Umsetzung eines konkreten Veränderungsprojektes.
Kommentar: Die Methode ist zu sehen als eine Plattform der Demokratisierung, die allen Interessierten ein Mitspracherecht zu der Thematik gewährt.
Die offene, freundliche Atmosphäre, das Ernstnehmen jeden Beitrags und das Zulassen kreativer und visionärer Elemente steigern das Selbstbewusstsein der TeilnehmerInnen, schaffen Kraft für das Anpacken von Alltagsproblemen und machen Mut, sich in die Gestaltung der Zukunft einzumischen.
Oft werden überraschende Auswege erfunden, gute Utopien für die Zukunft. Durch den besonderen Charakter einer Zukunftswerkstatt werden die TeilnehmerInnen mit ihren unmittelbaren Erfahrungen in das gemeinsame Werk miteinbezogen: von der kritischen Bestandsaufnahme über Utopien und Träume bis hin zu Realisierungen. Somit können sich Einfallsreichtum und Erfindergeist entfalten.
Diese Methode erlaubt:
· als ernstgenommene Bürger informiert und angstfrei über das sie betreffende Anliegen nachzudenken,
· Ideen zu einem menschen- und naturverträglichen Ausweg zu entwickeln,
· Mut für eigene Standpunkte aufzubringen und mit dem Aufbau der eigenen Zukunft zu beginnen.
Zukunftswerkstätten finden als Tageswerkstätten, Mehrtageswerkstätten bis hin zu einwöchigen Veranstaltungen statt.
Beispiel:
Regeln für die Kritikphase:
· Aussagen in Stichworten konkret, kurz und kritisch aufschreiben!
· Keine Diskussion!
· Den Themenbezug beachten!
Regeln für die Phantasiephase:
· Nur positive Äußerungen sind erlaubt, keine Killerphrasen wie "Das geht doch nicht"!
· Alle Restriktionen aufheben (genügend Geld, Macht, Technik usw. vorhanden)!
· Ins Utopische vorstoßen, d.h. auch das zunächst Unmögliche denken!
Regeln für die Kritikphase:
· Mindestens ein konkretes Projekt entwickeln (Projektplan auf Tapete)!
· Strategie entwickeln (kurz-, mittel-, langfristige Schritte planen)!
· Finanzierungsplan erstellen (was kostet etwas und woher kommt das Geld)!
· Gegner und Verbündete nennen!
· Verantwortliche und Initiatoren benennen bzw. vorschlagen!
frei nach V.i.S.d.P. 2001 Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest
