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Regierungsberater: nachhaltigen Konsum in der Konsumgesellschaft möglich machen
Ist in der heutigen Konsumgesellschaft ein umwelt- und sozialverträglicher Konsum möglich? Ja, meint der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) ein Beratungsgremium der Bundesregierung zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Dafür bedürfe es aber politischer Weichenstellungen und neuer Leitbilder. Das „Einwegdenken“, das Verbrauch belohne, natürliche Ressourcen „vernutzt“ und nach Gebrauch nicht in den Naturkreislauf zurückgebe, müsse durchbrochen werden, so die Räte. Wie das funktionieren kann, zeigen sie in einem Ende November der Bundesregierung vorgelegten Empfehlungspapier.

Bisher, heißt es darin, „denken wir bei ‚Konsum’ ausschließlich an ‚Verbrauch’. Und Verbraucherpolitik belohnt Verbrauch.“ Dieses Verständnis greife aber viel zu kurz. Es sei mitverantwortlich für die maßlose Ausbeutung von Rohstoffen, ungerechte Arbeitsbedingungen, unfairen Handel und den Klimawandel. Jeder Deutsche verursache momentan rund elf Tonnen CO2 im Jahr. Zukunftsverträglich sei ein Maximum von zwei Tonnen, das mit den heutigen Konsummustern jedoch nicht erreicht werden könne. Nachhaltig, so die Berater der Bundesregierung, sei Konsum erst dann, „wenn wir der Natur nicht mehr Rohstoffe entnehmen als nachwachsen“ und Verzicht nicht mehr als „Unwort“, sondern als Tugend gelte.

Dass ein nachhaltiger Konsum grundsätzlich möglich sei und gewünscht werde, zeige, so die Regierungsberater, die wachsende Nachfrage zum Beispiel nach Bio-Lebensmitteln, nachhaltigen Geldanlagen oder nachhaltigen Tourismusangeboten. Diese individuellen Kaufentscheidungen pro Nachhaltigkeit ständen jedoch im Kontrast zur allgemeinen Wirtschaftspolitik, die auf „übersteigertes Wachstum um seiner selbst willen“ setze. Gerade die Politik müsse jedoch beim nachhaltigen Konsum mit gutem Beispiel vorangehen. Der Nachhaltigkeitsrat empfiehlt der Regierung unter anderem, ihre eigenen Ministerien oder Verwaltungen zu einer nachhaltigen Einkaufspolitik zu verpflichten. Außerdem sollte sie „künstliche Vorteile“ wie umweltschädliche Subventionen, die nicht-nachhaltig handelnde Unternehmen heute noch belohnen, überprüfen.

Preise von Waren oder Dienstleistungen, so der RNE weiter, müssten in Zukunft so gestaltet werden, dass sie die ökologische Wahrheit aussagen. Heute lohne sich für viele Unternehmen die „Ausbeutung von ökologischen und gesellschaftlichen Ressourcen“ noch. Daraus resultierende Mehrkosten, etwa in Form von Umweltschäden, würden auf die Gesellschaft umgelegt. Das müsse ein Ende haben. Auch müssten Nachhaltigkeitssiegel auf Produkten aufgewertet werden. Heute stellten sie nicht immer die gewünschte Transparenz her, Verbraucher blieben dadurch zu oft im Dunkeln stehen. Die Bundesregierung sollte daher die Glaubwürdigkeit solcher Siegel erhöhen. Mehr Glaubwürdigkeit, schreiben die Nachhaltigkeitsexperten, steigere „auch die Nachfrage nach gekennzeichneten Produkten“.

Nachhaltiger Konsum verlangt nach Ansicht der Räte darüber hinaus nach neuen Kompetenzen für die Bürgerinnen und Bürger. Es sei wichtig, ihnen „die Zusammenhänge der Wirtschaft mit den gesellschaftlichen und ökologischen Folgen zu erklären“, heißt es in dem Papier. Kooperationen von Schulen und Einrichtungen der politischen und Erwachsenenbildung mit Verbraucherverbänden könnten dabei helfen. „Überzeugend“, schreibt der Rat, „wird Nachhaltigkeit dann, wenn sie bedeutsam für die Menschen ist, vorgelebt wird und einfach übernommen werden kann.“ Modelle dafür gebe es bereits, etwa das Car-Sharing, das statt auf den Besitz auf das Nutzen eines Autos setze. Solche Modelle müssten auch abseits der Mobilität etabliert werden, um Nachhaltigkeit im Alltag der Menschen greifbarer zu machen. Nachhaltiger Konsum bedeute eben nicht nur Verzicht, der, so der Rat, zu Unrecht aus der Mode gekommen sei. Nachhaltiger Konsum bedeute auch ein Mehr an „Freiheit, Genuss und Freude“. Das müsse in der Diskussion um zukunftsfähige Lebensstile stärker betont werden. „Wenn man täglich erfährt, wie sinnvoll nachhaltiger Konsum ist, wird dies auch emotional positiv erfahren.“

Dieser Artikel gibt den Sachstand Januar 2010 wieder.

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