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vzbv: Gesunde Ernährung erfordert mehr Information und Bildung
Viele Deutsche essen zu fett, zu süß und zu viel. 66 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen gelten hierzulande als übergewichtig. Ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen kosten die Krankenkassen bereits 70 Milliarden Euro jährlich. Eine verständliche Nährwert-Kennzeichnung von Lebensmitteln ist nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V. (vzbv) eine wichtige Maßnahme in der Prävention von Übergewicht. Die Bundesregierung hat der Ampel-Kennzeichnung im Koalitionsvertrag jedoch eine Absage erteilt. Sie führe Verbraucher in die Irre, heißt es darin. Der vzbv bedauert das – zumal die Lebensmittelindustrie den Verbraucher weiterhin in etliche Ernährungsfallen lockt.

Darauf hat der vzbv gemeinsam mit dem Gesundheits-Netzwerk diabetesDE aus Anlass des Weltdiabetestages am 14. November hingewiesen. In Deutschland leiden nach Angaben der International Diabetes Federation mittlerweile 7,5 Millionen Menschen an der Zuckerkrankheit. Nirgendwo sonst in Europa sei die Diabetes-Rate höher. Ein Grund für diese Ausbreitung liegt nach Auffassung des vzbv in ungesunden Ernährungsweisen. Begünstigt würden sie durch das Fehlen einer Orientierungshilfe, mit der Verbraucher schon im Supermarkt auf der Verpackung eines Lebensmittels dessen Zucker-, Fett- oder Salzgehalt erkennen können.

Die Verbraucherschützer machen sich daher seit Jahren für die Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln stark. In diesem Modell signalisieren die Farben Rot, Gelb und Grün wie viel Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln enthalten sind. Verbraucher könnten Dickmacher im Supermarkt damit schnell enttarnen. Die Unterstützung für die Ampel ist groß: „In Umfragen sprechen sich zwei von drei Verbrauchern für sie aus", sagt vzbv-Vorstand Gerd Billen. Auch die Gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland wollen sie. Deren Vorstände haben im Spätsommer von der Politik gefordert, die Kennzeichnung „verarbeiteter Lebensmittel den Informationsbedürfnissen der Verbraucher anzupassen". Nur die Ampel biete „einen schnellen Überblick“, so Jürgen Graalmann, Vorstand des AOK-Bundesverbandes.

Dass sich die Ampel bislang nicht durchsetzen konnte, liegt laut vzbv auch an der Lebensmittelindustrie, die kaum Interesse an verständlichen Informationen auf ihren Produkten zeige. Vielmehr locke sie weiterhin tagtäglich unzählige Verbraucher in neue Ernährungsfallen. Beispiele für versteckte Dickmacher haben die Verbraucherschützer zum Weltdiabetestag veröffentlicht. Darin findet sich unter anderem ein Müsli-Riegel, der bei 30 Gramm Gewicht neun Gramm Zucker enthält und eine Tiefkühlpizza, die zu einem Siebtel aus Fett besteht. Eine erwachsene Frau könnte ihren empfohlenen Tagesbedarf an Fett damit zu mehr als zwei Drittel decken.

Dass die Lebensmittelindustrie mit genauen Nährwertangaben gerne geizt, belegt eine Untersuchung der Verbraucherzentralen aus dem August 2009. Die Verbraucherschützer nahmen mehr als 3.500 Lebensmitteln von über 50 Herstellern unter die Lupe – konnten aber nur bei der Hälfte der untersuchten Produkte vollständige Nährwertinformationen entdecken. Alle Ergebnisse der Untersuchung lassen sich unter www.verbraucherzentrale-ampelcheck.de nachlesen. Dort finden Verbraucherinnen und Verbraucher auch eine „Ampel-Karte“ im Scheckkartenformat, mit der sie im Supermarkt selbst den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln beurteilen können.

Für eine sichere Beurteilung gesunder Lebensmittel durch die Verbraucher muss nach Ansicht des vzbv zudem die Ernährungsbildung in den Schulen auf ein solideres Fundament gestellt werden. Darauf hat der Verband zuletzt in seinen im Oktober 2008 veröffentlichten Empfehlungen zur Verankerung der Verbraucherbildung in der Schule hingewiesen. Bisher, so die Analyse von vzbv-Bildungsexperten, würden „alltagsbezogene Kompetenzen zur Bewältigung der Lebensführung“ nicht ausreichend im Bildungssystem berücksichtigt. Die Gesellschaft bezahle dieses Versäumnis mit hohen Folgekosten, etwa im Bereich Gesundheit. Der vzbv empfiehlt in dem Papier unter anderem, die Ernährungsbildung als Teil der Verbraucherbildung als Pflichtunterricht an allen Schulformen und in allen Schulstufen auszubauen.

Dieser Artikel gibt den Sachstand Dezember 2009 wieder.

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