Sie sind hier: www.verbraucherbildung.de > Verbraucher gegen Spam > Auswertung der Online-Umfragen
Schriftgröße:

Hier können Sie unseren Newsletter bestellen, um über Erweiterungen der Plattform oder aktuelle Nachrichten auf dem Laufenden zu bleiben.

Auswertung der Online-Umfragen
13. Februar 2007: Zusammenfassende Auswertung der Spam-Online-Umfragen

Anti-Spam-Projekt des Verbraucherzentrale Bundesverbandes

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte in der zweiten Jahreshälfte 2006 im Rahmen des vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geförderten Anti-Spam-Projekts zwei Online-Umfragen zum Thema Spam gestartet. Die eine Umfrage umfasste das Thema Spam im Allgemeinen, die andere das spezielle Thema Phishing. An beiden Umfragen nahmen knapp 1.000 Internetnutzer teil.

99 Prozent der Befragten gaben an, in der Vergangenheit bereits Spam-Mails erhalten zu haben. Davon erhalten 22 Prozent schätzungsweise 21 bis 50 Spams wöchentlich, 28 Prozent erhalten wöchentlich sogar mehr als 100 Spams. 65 Prozent der Befragten schätzen nach den eigenen Erfahrungen den Anteil deutschsprachiger Spams auf unter zehn Prozent.

Nach Einschätzung der Befragten liegen die thematischen Schwerpunkte im Bereich Erotik, gefolgt von Werbung zu Arzneimitteln, Gesundheit und Schlankheitswerbung, dicht gefolgt von Finanz-/Kreditangeboten und sogenannten Phishing-Mails.

Allein 85 Prozent der Befragten gaben an, bereits Phishing-Mails erhalten zu haben. Davon erhalten 29 Prozent monatlich zehn, 27 Prozent sogar mehr als 30 derartiger Mails. Immerhin ignorieren beziehungsweise löschen zwei Drittel der Befragten eingetroffene Phishing-Mails. Interessant ist, dass 99 Prozent der Befragten angaben, bisher noch nicht durch Phishing geschädigt worden zu sein. Dennoch schätzen immerhin zwei Drittel der Befragten die Gefahr, die von Phishing-Mails ausgeht, als hoch beziehungsweise besonders hoch ein. Hiermit lässt sich auch die hohe Anzahl derjenigen erklären, die fordern, dass Phishing unter Strafe gestellt werden sollte (96 Prozent).

Zwei Drittel der Befragten gaben an, generell auf Spam-Mails nicht reagiert beziehungsweise diese gelöscht zu haben. Ein Prozent der Befragten hatte auf eine Spam-Mail in irgendeiner Form im Sinne des Versenders reagiert (zum Beispiel etwas gekauft oder an einem Gewinnspiel teilgenommen).

Ein Großteil der Befragten erklärte, Schutzmaßnahmen vor dem Erhalt unliebsamer Spams –sowohl in technischer als auch in tatsächlicher Hinsicht – zu ergreifen. So nutzen 72 Prozent der Befragten Spamfilter und 81 Prozent sonstige regelmäßig aktualisierte Schutzprogramme wie Virenfilter, Firewalls oder ähnliches um den Computer vor Angriffen zu sichern. Diese Zahlen spiegeln sich in den Angaben der Befragten über etwaige Schädigungen des eigenen Rechners durch per Mail eingeschleuste Schadprogramme wie Viren oder Würmer. 72 Prozent gaben an, noch nie in dieser Form geschädigt worden zu sein. Von den in der Vergangenheit geschädigten Befragten musste bei 36 Prozent infolge eines Schadprogramms das Betriebssystem neu installiert werden, bei 13 Prozent der Befragten wurden Daten unwiederbringlich zerstört. Andererseits konnte bei 32,52 Prozent der Befragten das Schadprogramm entfernt werden.

Jenseits technischer Schutzmaßnahmen gaben immerhin 87 Prozent an, Dateianhänge unbekannter Versender nicht zu öffnen. 74 Prozent der Befragten betätigen auch keinen sogenannten Abbestellbutton bei unverlangten Werbe-Mails. Im Umgang mit der eigenen E-Mail-Adresse gaben immerhin 28 Prozent der Befragten an, die E-Mail-Adresse nur an Freunde und Bekannte weiterzugeben. 31 Prozent der Befragten nutzt für Geschäftskontakte, die Teilnahme an Gewinnspielen etc. eine alternative Mail-Adresse. Weit weniger Mühe machen sich Internetnutzer in der Auswahl und Bezeichnung der eigenen Mail-Adresse: Nur zehn Prozent der Befragten nutzen hierfür eine Buchstaben- und Zahlenkombination, so dass der Adresse auch kein Vor- und Nachname zu entnehmen ist.

Weit weniger als zehn Prozent der Befragten gaben an, sich in Bezug auf Spam gar nicht beziehungsweise nicht besonders zu schützen.

Fazit und Bewertung

Die Umfrage zeigt keine völlig überraschenden Ergebnisse und spiegelt in vielen Teilbereichen das Ergebnis anderer Untersuchungen wieder. Die Zahlen belegen, dass Spamming an keinem Internetnutzer spurlos vorbei geht. Fast 60 Prozent der Befragten erhalten wöchentlich zum Teil weit mehr als zehn Spams, knapp 30 Prozent sogar mehr als 100 Spams pro Woche.

Aber auch die prozentual geringe Anzahl an Internetnutzern, die nach einer unverlangten Werbe-Mail aktiv werden und Käufe tätigen oder an Gewinnspielen teilnehmen, ist dennoch von Belang. Denn das Geschäftsmodell Spam rechnet sich wirtschaftlich auch bei einer sehr geringen Resonanz der Spam-Empfänger.

Von besonderem Interesse sind auch die Zahlen in Bezug auf Schädigungen durch Spam-Mails, die mit Schadprogrammen wie Viren, Würmern oder Trojanern versehen waren und die Rechner ahnungsloser Internetnutzer missbrauchten. Dieses zeigt, dass hinter dem Geschäftsmodell Spamming schon längst nicht mehr ausschließlich kommerzielle Interessen im klassischen Sinne (Werbung und Verkauf) stecken. Kriminelle Strukturen im Internet haben hier einen Wandel bewirkt von der lediglich nervigen Spam-Mail zu solch einer, die erhebliche Gefahren bergen kann.

Informationsdefizite scheint es im Bereich der Schutzmaßnahmen, insbesondere im Umgang mit der eigenen E-Mail-Adresse zu geben. Besorgniserregend ist die hohe Zahl derjenigen (zwei Drittel der Befragten), die ihre private E-Mail-Adresse auch für Geschäftskontakte, die Teilnahme an Gewinnspielen, Newsgroups etc. im Internet nutzen und hierfür keine alternative Mail-Adresse nutzen. Viele Internetnutzer verkennen offensichtlich die Gefahr, dass sich Spammer neben der üblichen Form des Adresshandels auch spezieller automatischer Programme (sogenannter Harvester) bedienen, die ähnlich wie die Suchmaschinen das gesamte Internet nach brauchbaren Adressen durchsuchen, zum Beispiel Web-Seiten, deren Gästebücher, Newsgroups, öffentliche Foren oder Chats.

Noch eklatanter ist die Antwort auf die Frage, inwieweit sich die Mail-Adresse aus einer Buchstaben- und Zahlenkombination zusammensetzt und damit die Gefahr eines zufälligen Herausfischens der Adresse über eine von Spammern genutzte Software wesentlich geringer ist. Hierbei gaben nur zehn Prozent der Nutzer an, in dieser Hinsicht besondere Sorgfalt walten zu lassen. Dieses Ergebnis spiegelt auch die Erfahrung aus der Spam-Beschwerdestelle wider: Eine Vielzahl der Beschwerdeführer nutzten E-Mail-Konten, aus denen der Vor- und Zuname des Konteninhabers zu ersehen war. Derartige Mail-Adressen werden von Spammern ebenfalls über Computerprogramme erkannt, die die gängigen Adressenkombinationen einfach durchprobieren.

Eine nicht ausschließlich zum privaten Gebrauch personifizierte Mail-Adresse provoziert eine persönliche Ansprache des Spam-Adressaten, der dem Inhalt einer Werbemail weit weniger argwöhnisch in Augenschein nehmen wird, da er annehmen muss, es bestünde bereits eine Geschäftsbeziehung.

Erschreckend ist auch die Antwort von fast sieben Prozent der Befragten, sich in Bezug auf Spam gar nicht beziehungsweise nicht besonders zu schützen.

Druckversion