Skip to content
08.06.2015

„Wirtschaft-Arbeit-Technik taugt als Leitfach für Verbraucherbildung“

Fünf Fragen an… Prof. Dr. Ulf Schrader
In der Reihe „Fünf Fragen an…“ interviewt der vzbv Experten zur Verbraucherbildung.
In der Reihe „Fünf Fragen an…“ interviewt der vzbv Experten zur Verbraucherbildung.Bildquelle: (c) vzbv

Themen der Verbraucherbildung sollen in Berlin und Brandenburg künftig von der ersten bis zur zehnten Klasse unterrichtet werden. Ein neuer Rahmenlehrplan für Wirtschaft-Arbeit-Technik (WAT) macht’s möglich. Fünf Fragen an Prof. Dr. Ulf Schrader von der Technischen Universität Berlin, der ihn mit erarbeitet hat.  

1. Herr Prof. Schrader, macht der neue Lehrplan in Berlin und Brandenburg junge Menschen fit genug für die Konsumwelt?

Wenn der Rahmenlehrplan WAT wirklich an allen Schulen umgesetzt würde, wären wir zumindest ein großes Stück weiter. In Berlin gibt es das Fach leider nur von Klasse 7 bis 10 an Integrierten Sekundarschulen (ISS). In Grundschulen, Gymnasien und der Oberstufe der ISS fehlt ein entsprechendes Pflichtangebot meist. Auch in der Unterstufe der ISS wird die Verbraucherbildung zugunsten der sogenannten PISA-Fächer oft an den Rand gedrängt.

2. Ein eigenes Fach Verbraucherbildung ist nicht vorgesehen. Ein Fehler?

Nein. In Berlin und Brandenburg hat sich WAT bewährt. Es taugt als Leitfach zur Verbraucherbildung. Zumal es daneben ein von uns mit entwickeltes, fächerübergreifendes „Basiscurriculum Verbraucherbildung“ geben wird: Der Sportlehrer kann damit Grundlagen der gesunden Ernährung vermitteln, die Mathelehrerin Finanzkompetenzen, der Informatiklehrer Medienkompetenz. Ausgerichtet jeweils am Leitbild eines nachhaltigen Konsums.

3. Gab es während der Arbeit an den Lehrplänen viele strittige Punkte?

Dass WAT zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung beiträgt, war unstrittig. Aber: In Brandenburg ist WAT anders als in Berlin Gymnasialfach. Da gibt es die Sorge, das WAT zum praktischen Fach für „Lernschwache“ reduziert wird. In Berlin befürchtet man demgegenüber, dass der aufwändige Ansatz, ökonomische und technische Bildung integrativ in praktischer Projektarbeit zu vermitteln, an den Rand gedrängt wird. Das ist letztlich ein Konflikt zwischen buchbezogener und materieller Lernkultur. Beide Kulturen können sich aber gut ergänzen. Darin liegt ein Schlüssel zum Erfolg bei der weiteren Umsetzung.

4. Wer Verbraucherbildung unterrichten will, muss selbst fit in diesen Fragen sein. Sind das die Lehrkräfte in Berlin und Brandenburg?

Die Stärke des Faches WAT ist seine inhaltliche Breite – und das ist gleichzeitig auch die größte Herausforderung. Je nach gewählter Vertiefungsrichtung kommen bestimmte Aspekte der Verbraucherbildung in der Lehrerausbildung bei uns zwangsläufig zu kurz. Zudem unterrichtet derzeit fast die Hälfte der Lehrkräfte im Fach WAT in Berlin komplett fachfremd. An zusätzlichen Weiterbildungsangeboten für die Verbraucherbildung kommen deswegen auch die Universitäten nicht vorbei.

5. Wann der neue Lehrplan in Kraft tritt, ist noch unklar. Wo hakt es? 

Jetzt haben ja erstmal alle Fächer ein weiteres Jahr für die Weiterentwicklung. Die neuen Rahmenlehrpläne sollen dann zum Schuljahr 2017/18 in Kraft treten. Bis dahin sollten die angedeuteten Konflikte überwunden sein, zum Vorteil auch der Verbraucherbildung. Die TU Berlin wird sich hier gerne weiter einbringen.