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foodwatch: Schluss mit Schleichwerbung in Schulen

(c) pixabay CC0

12.03.2015

E-Mail-Protestaktion gestartet

Schokolade ist schmerzlindernd. Lebensmittel in Deutschland sind immer sicher. Steile Thesen wie diese finden sich in Unterrichtsmaterialien, die Lebensmittelhersteller und Wirtschaftsverbände kostenlos anbieten. Die Verbraucherorganisation foodwatch will dem jetzt einen Riegel vorschieben.

Unternehmen und Verbände der Ernährungsindustrie, so die Verbraucherschützer, hätten Schulmaterialien längst als Werbe- und Lobbykanäle erkannt. Sie versuchten damit, schon Kinder an ihre Marken zu binden und ihnen Süßigkeiten oder Snacks schmackhaft zu machen. Gleichzeitig stellten sie diese Form der Absatzförderung als „Engagement“ für die Bildung dar.

Es sei „absurd“, kritisiert foodwatch, wenn Ernährungsbildung mithilfe von Schleichwerbung der Lebensmittelindustrie gelehrt werde. Zumal es hervorragendes Unterrichtsmaterial zum Thema gebe, etwa vom aid Infodienst, der von der Bundesregierung finanziert wird. Nur: Diese Materialien sind meist kostenpflichtig – anders als die laut foodwatch „oft stark werblichen oder interessengeleiteten Broschüren“ der Wirtschaft. Dass die zu verkürzten und einseitigen Darstellungen neigen, belegt auch eine Analyse des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V. (vzbv) aus dem vergangenen Jahr.

Bund und Länder müssten für die um sich greifende Schleichwerbung eine Lösung finden, fordert foodwatch, und sicherstellen, dass vom Steuerzahler bereits finanzierte Materialien wie die vom aid Infodienst auch kostenfrei abgegeben werden. Und: Schleichwerbung habe in Schulen nichts zu suchen. Die Kultusminister der Länder sollten deswegen „werbliche bzw. von Lebensmittelunternehmen und -verbänden gesponserte Materialien an ihren Schulen verbieten“. 

Rückendeckung bekommen die Berliner Verbraucherschützer von der Bildungsgewerkschaft GEW. Diese sprach sich erneut für eine öffentlich kontrollierte Prüfstelle für Unterrichtsmaterialien aus privater Hand aus. „Wenn die Zahl frei verfügbarer und privater Unterrichtsmaterialien in die Millionen steigt – und das bei sinkenden Schulbuchausgaben! – brauchen Schulen und Lehrkräfte mehr Orientierung“, so GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann.

Ähnlich äußert sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, gegenüber dem Handelsblatt: Von Unternehmen oder Verbänden aus Werbegründen gesponserte Unterrichtsmaterialen hätten in der Schule nichts verloren. Lehrkräften könne er nur empfehlen, diese Materialien einer kritischen Analyse zu unterziehen und „gegebenenfalls aus einer pädagogischen Verantwortung heraus zu entsorgen“.

Im Netz hat foodwatch eine E-Mail-Protestaktion gestartet, mit der die Forderung an die Kultusminister der Bundesländer unterstützt werden kann. 

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