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Verbraucherbildung in der Praxis: Materialien, Methoden, Möglichkeiten

Geodreieck und Bleistift - unsplash.com/photos/fw7lR3ibfpU

(c) unsplash.com CC0 Public Domain

10.09.2014

Anknüpfungspunkte für den Unterricht

Wie funktioniert Werbung, wie ein Kredit? Wie ernähre ich mich gesund? Und warum wird der Einkaufskorb im Supermarkt immer voller, obwohl man nur ein Brot kaufen wollte? Antworten darauf und auf vieles mehr geben pfiffige Unterrichtsmaterialien zur Verbraucherbildung. Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen und -stufen können damit die Alltagskompetenzen von Kindern und Jugendlichen stärken – auch dort, wo es ein eigenständiges Schulfach zur Verbraucherbildung noch nicht gibt. 

Denn in zahlreichen Bundesländern wird Alltagspraktisches zurzeit fächerübergreifend in den Lehrplänen verankert, zum Beispiel im Deutsch-, Mathe- oder Sozialkundeunterricht. Julia Klingemann vom Verbraucherzentrale Bundesverband vzbv nennt das eine „erfreuliche und überfällige Entwicklung“. Als Leiterin des Geschäftsbereichs  Verbandsmanagement wirbt sie seit langem für die Verbraucherbildung in der Schule, „weil vielen Kindern und Jugendlichen grundlegende Alltagskompetenzen heute schlicht fehlen“. Die Folgen dieser teils „eklatanten Wissenslücken“ belasteten den Einzelnen ebenso wie die Gesellschaft – durch Fehlernährung, Verschuldung, Wegwerf-Mentalität.

Pfiffige Unterrichtsideen für alle Altersklassen

Die gute Nachricht: Das Angebot guter Unterrichtsmaterialien und -ideen zur Verbraucherbildung wächst stetig. Der vzbv lässt Neuerscheinungen regelmäßig auf Herz und Nieren prüfen und stellt die Ergebnisse auf seinem Online-Materialkompass zur Verbraucherbildung vor. Hier stößt man schnell auf viele pfiffige Ideen für den Unterricht in allen Altersklassen: Da werden zum Beispiel Grundschulkinder zu Energiespar-Detektiven ausgebildet, Jugendliche auf Ess-Kult-Tour geschickt oder darin geschult, den Schutz ihrer Daten im Internet in eigene Hände zu nehmen. 

Besonders gelungene Ideen stellt der vzbv in der Reihe „Material der Woche“ vor. Ein Beispiel aus dieser Reihe ist das von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen herausgegebene Unterrichtsmaterial „Ernährung und Esskultur“. Das bietet auf über 120 Seiten Dutzende Ideen, mit denen schon Grundschulkinder Wichtiges zur gesunden Ernährung lernen können – und zwar durch eigenes Erleben: Sie nehmen zum Beispiel verschiedene Obst- und Getreidesorten unter die Lupe, machen sich mit den Inhaltsstoffen und Herstellungsverfahren von Grundnahrungsmitteln wie Brot vertraut oder bereiten selbst ein festliches Mahl. 

Im (Konsum-) Alltag abgeholt

Dieses Ausprobieren, das Sammeln eigener Erfahrungen zieht sich als roter Faden durch viele gelungene Materialien. Ein zweites Qualitätsmerkmal: Die Schülerinnen und Schüler werden dort „abgeholt“, wo sie stehen, um von ihrem Standpunkt aus zum Beispiel Vorlieben zu reflektieren oder neue Positionen zu entwickeln, bestenfalls im Austausch untereinander. Vorbildlich umgesetzt ist das unter anderem in der Unterrichtseinheit „Privates im Netz?“ der Bundeszentrale für politische Bildung.

Die bringt das aus dem Fernsehen bekannte Format der Talkshow ins Klassenzimmer und lädt Jugendliche dazu ein, in einer Diskussionsrunde Pro und Contra etwa der Anonymität im Netz zu debattieren. So lernen sie nicht nur von Gleichaltrigen, welche Risiken ein zu laxer Umgang mit den eigenen Daten birgt. Durch den Austausch unterschiedlicher Argumente untereinander werden sie auch dabei unterstützt, Meinung und Ansichten weiterzuentwickeln und einen allgemein akzeptierten Kompromiss zu finden.

Verbraucherbildung schult so auch den Umgang mit Zwickmühlen, vor denen Konsumenten im Alltag immer wieder stehen. Etwa wenn an der Kühltheke Aktionsangebote locken, die preiswert scheinen, aber so überdimensioniert sind, dass sie dann doch größtenteils im Müll landen. Unterrichtsmaterialien wie die vom österreichischen Lebensministerium herausgegebenen Schulunterlagen „Lebensmittel sind kostbar!“ helfen hier, angemessene Konsumentscheidungen zu treffen. Ohne erhobenen Zeigefinger, durch einfache Fragen, die – im Unterricht diskutiert – zur kritischen Überprüfung eigener Einkaufsgewohnheiten anregen und nachhaltigere Alternativen aufzeigen. 

Aufs Leben vorbereiten

Dass sich selbst vermeintlich trockene Themen wie die Budgetplanung lebensnah und -praktisch vermitteln lassen, zeigt das vom Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalen herausgegebene Material „Fit fürs eigene Geld“. Darin geht es um das erste Gehalt, die erste Wohnung, feste monatliche Ausgaben oder die Finanzierung eines Autos, also Themen, die Jugendliche beschäftigen. Die nötigen Alltagskompetenzen erarbeiten sie sich mit dem Material selbst, indem sie etwa Konditionen von Sparanlagen vor Ort und im Netz vergleichen. 

Julia Klingemann vom vzbv sagt, solche guten Beispiele für den Unterricht gebe es mittlerweile viele. Und: „Bei Kindern und Jugendlichen kommen Konsumthemen in der Regel gut an – weil sie merken, dass sie ihnen im Alltag tatsächlich weiterhelfen.“ Die Verbraucherschützerin wünscht sich, dass diese Form des Unterrichts weiter Schule macht. „Damit alle Kinder und Jugendlichen früh lernen, Konsumangebote kritisch zu hinterfragen und sich besser in ihrem komplexen Alltag zurechtfinden.“ 

Wer Hilfe bei der Auswahl guter Unterrichtsideen möchte, dem empfiehlt Klingemann den Online-Materialkompass des vzbv. Der biete Lehrkräften eine einfache und professionelle Hilfestellung mit inzwischen mehr als 500 Unterrichtsmaterialien. Sämtliche Materialien wurden vor der Aufnahme in die Online-Datenbank von unabhängigen Bildungsexperten auf den pädagogischen Prüfstand gestellt. „Lehrerinnen und Lehrer können so schnell einen Überblick über die Stärken und etwaige Schwächen eines Unterrichtsmaterials gewinnen“, so Klingemann. 

Materialkompass

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