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Wertvollen Wissensschatz heben: OER in der Verbraucherbildung

Open Educational Resources in der Verbraucherbildung (c) hamonazaryan1 - pixabay - CC0 Public Domain

Open Educational Resources in der Verbraucherbildung (c) hamonazaryan1 - pixabay - CC0 Public Domain

04.12.2017

Freie Bildungsmaterialien im Unterricht

Open Educational Resources (OER) können den Schulunterricht bereichern – gerade bei Themen der Verbraucherbildung, die schnellen Veränderungen unterliegen und für die es bisher noch keine offiziellen Schulbücher gibt. Man muss nur wissen, wo sie zu finden sind.

Entscheidend bei freien Bildungsmaterialien ist, dass sie nicht nur kostenlos, sondern auch in offenen Formaten und unter freien Lizenzen verfügbar sind. „Dadurch können sie, ohne vorab Rechte klären zu müssen, verändert, miteinander kombiniert und weiterverarbeitet werden“, erklärt Professor Leonhard Dobusch im Interview mit verbraucherbildung.de. Laut der Definition der UNESCO können Open Educational Resources einzelne Materialien, aber auch komplette Kurse oder Bücher umfassen – jedes Medium kann verwendet werden, solange es unter einer offenen Lizenz (in der Regel spezielle CC-Lizenzen) veröffentlicht wird.

Preisträger und Nominierte des OER-Awards 2017

Um die Verbreitung von OER zu fördern, ehrt der "OER-Award" neben verschiedenen konkreten Bildungsangeboten auch Materialien, die sich mit der Erstellung und Bearbeitung von OER auseinandersetzen, mit einem Sonder-Award „OER über OER“. Preisträger 2017 ist der Online-Kurs zu Open Educational Resources (COER17) von iMooX. Nominiert war außerdem der OER-Leitfaden von tutory „Urheberrecht, Creativ Commons und Open Educational Resources“.

Gewinner im „Bildungsbereich Schule“ ist das „Klexikon: Wikipedia für Kinder“. Dort können Schülerinnen und Schüler selbst Begriffe nachschlagen. Zudem gibt es auch einzelne Wissensgebiete, in die sich die Nutzer einlesen können, zum Beispiel auch zu den Themaen „Essen und Trinken“, „Körper und Gesundheit“ sowie „Beruf und Wirtschaft“.

Verbraucherthemen in OER

Die „Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V.“ (ZUM) hat ebenfalls ein Wiki erstellt, das vom Engagement interessierter Lehrerinnen und Lehrer lebt. ZUM ist eine ehrenamtlich betreute Seite, die transparent macht, wer welche Inhalte eingestellt und bearbeitet hat – das ermöglicht es den Nutzern, die Qualität einzelner Materialien selbst zu prüfen. Das Wiki bietet unter anderem ausführliche Einträge zum Thema Ernährung, Energie oder nachhaltiges Wachstum. Unter dem Suchbegriff „Wirtschaft“ finden sich zudem ganze Unterrichtsreihen sowie Fachartikel zu den Oberthemen Marktmodelle, Volkswirtschaftslehre oder Betriebswirtschaftslehre - wie aktuell, interessengeleitet oder multiperspektivisch die verlinkten Inhalte sind, hängt dabei natürlich vom Einstellenden und dem gewählten Material ab.

Auch die freie Lernplattform „serlo“ funktioniert nach dem Wiki-Prinzip – alle Inhalte können die Nutzer auch mitgestalten. Angeboten werden Erklärungen, Lernvideos, Kurse und Übungsaufgaben mit Musterlösungen. Zu den Themengebieten von serlo gehört auch „Nachhaltigkeit lernen“. Anders als ZUM wird serlo finanziell und in Sachleistungen durch Partner und Förderer unterstützt. Details zu den Einnahmen stellt die Organisation transparent unter dem Punkt „Jahresberichte und Finanzen“ vor.

Suchmaschinen für OER

Auf der Internetseite „OER deutsch" verlinkt der Lehrer Damian Duchamps viele Beispiele von Unterrichtsmaterialien, geordnet nach Fächern und Themen. Die entsprechende CC-Lizenz der einzelnen Materialien ist jeweils aufgeführt. Darüber hinaus bietet die Webseite allgemeine Informationen rund um OER, so dass Lehrkräfte sich schnell einen Überblick verschaffen können.

„Elixier – die Suchmaschine für Bildungsmedien“ wurde von den deutschen Bildungsservern und dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) ins Leben gerufen. Das Angebot umfasst etwa 50.000 redaktionell ausgewählte Bildungsmedien mit dem Fokus auf schulischem Unterricht. Darüber hinaus sind Materialien von lehrer-online, Planet Schule, der Siemens-Stiftung oder der Selbstlernplattform "Mauswiesel" des Hessischen Bildungsservers in einer integrierten Suche recherchierbar. Die Ergebnisse lassen sich nach Lizenzen filtern.

Die Seite „edutags“ geht noch einen Schritt weiter. Als Kooperationsprojekt vom LearningLab der Universität Duisburg-Essen und dem Deutschen Bildungsserver ist edutags eine Webseite für „Social Bookmarking für Lehrkräfte“. Die Plattform bietet Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit, Bildungsmaterialien zu teilen, zu sammeln und zu verschlagworten. Edutags will über Social Bookmarking helfen, digitale Inhalte sinnvoll online und auch in Gruppen zu organisieren. Das Tool verfügt nach eigener Angabe über einen CC-Crawler, der das Material automatisch auf vorhandene Creative-Commons-Lizenzen überprüft, was die Suche nach freiem Bildungsmaterial erleichtert. Für den Suchbegriff Verbraucher ergeben sich beispielsweise 175 Treffer, die sich wiederum nach CC-Lizenzen filtern lassen.

Diskussion: Qualität von OER sichern

Ein großer Vorteil von OER ist sicherlich die Aktualität, die Schulbücher so nicht bieten können. Die Frage bleibt, wie sich gleichzeitig die Qualität freier Bildungsmedien sicherstellen lässt, da OER vor der Veröffentlichung eben auch keine Zulassung durchlaufen. Die Frage stellt sich ganz akut, wenn professionelle Anbieter wie Wirtschaftsunternehmen ebenfalls auf freie Bildungsmedien setzen.

Generell sind die Lehrkräfte für die Prüfung selbst verantwortlich. Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) hat daher Tipps zusammengestellt, worauf man achten sollte: Verfügt die OER-Datenbank über einsehbare Prüfstandards vor der Freigabe der Dokumente (wie beispielsweise Elixier)? Ist das Material kommentiert, bewertet oder empfohlen worden und gibt es generell die Möglichkeit dazu?

Es besteht jedoch auch vielfach der Wunsch, eine Qualitätsprüfung für OER-Materialien einzurichten. Während der Werkstatt „Digitale Bildung: Orientierung bieten, Qualität sichern – aber wie?“ äußerte etwa Tim Schmalfeldt von der BpB die Idee, ein gemeinsames Gütesiegel zu entwickeln, das auf die kollaborative Bewertung der Nutzer setzt – quasi ein Materialkompass mit Kommentarfunktion. Die Diskussion wird spannend bleiben. Die Bewertungskriterien des Materialkompass können schon heute eine gute Messlatte für gelungenes Material sein: Als Anhaltspunkt für die individuelle Prüfung oder als Benchmark für Qualität in OER-Portalen.

Materialkompass

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