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„Aus Schulen lassen sich Facebook & Co. nicht mehr vertreiben“

18.05.2015

Fünf Fragen an… Tom Beyer, Pressesprecher der Bundesschülerkonferenz

Wirre AGB, endlose Werbung, mangelnder Datenschutz – Gründe, einen weiten Bogen um Facebook zu machen, gibt es viele. Trotzdem: Aus dem Leben der meisten Jugendlichen ist das soziale Netzwerk nicht mehr wegzudenken. Wie soll Schule damit umgehen? Fünf Fragen an Tom Beyer, Pressesprecher der Bundesschülerkonferenz. 

1. Herr Beyer, muss Schule Kinder und Jugendlich fit machen für die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook? 

Jein. Schule muss sicher Medienkompetenz vermitteln und darüber aufklären, was das Urheberrecht bedeutet oder wie Datenschutz funktioniert. Aber der richtige Umgang mit Facebook & Co. muss genau so Zuhause gelernt werden. Eltern sollten klare Grenzen ziehen, auch zeitliche. Schule kann das alleine nicht leisten.

2. Was sollte Schule Jugendlichen über soziale Netzwerke beibringen? 

Sinnvoll fände ich, wenn wir fächerübergreifend mehr über ihre rechtlichen und technischen Hintergründe erfahren. Damit alle wissen, in welchem Rahmen man sich bewegt und weil es viele ungeklärte Fragen gibt, etwa zu den Rechten an geposteten Bildern. Gehören die noch mir? Facebook grundsätzlich zu verteufeln oder zu verbieten, wäre falsch. Schule sollte damit offen umgehen, gerade mit den Möglichkeiten, die sich für den Unterricht ergeben.

3. Welche Möglichkeiten für den Unterricht sehen Sie? 

Zum Beispiel das gemeinsame Arbeiten an einer Aufgabe. Seitens der Lehrkräfte geht das mit einem Vertrauensvorschuss einher. Aber der kann sich auszahlen. Meine Erfahrung ist, dass sich Schülerinnen und Schüler dann ernster genommen fühlen und sich weniger ablenken lassen. Darauf hinzuarbeiten, Facebook stärker im Unterricht zu nutzen, lohnt sich in jedem Fall. 

4. Facebook strotzt vor Werbung. Wie soll Schule damit umgehen? 

Werbung ist ein Problem. Aber es gibt werbefreie Alternativen, bei uns in Sachsen etwa „LernSax“. Das ist eine Website, die wie ein soziales Netzwerk funktioniert, aber auf Schulbedürfnisse zugeschnitten wurde und nach deutschem Datenschutzrecht arbeitet. Leider wird sie viel zu wenig genutzt.  

5. Werden soziale Netzwerke künftig wichtiger, auch in der Schule? 

Die sind gekommen, um zu bleiben – und werden in Schulen und im Unterricht ganz bestimmt noch viel wichtiger. Darauf müssen sich Lehrkräfte einstellen. Wir brauchen mehr Ideen, wie sich solche Netzwerke sinnvoll für die Schule nutzen lassen. Nicht nur Unterrichtsideen, die Chancen und Risiken dieser Netzwerke benennen. Auch Vorschläge, die zeigen, wie sich Facebook & Co. als Werkzeuge im Unterricht nutzen lassen, etwa für die gemeinsame Arbeit an einer Frage. 

Im Gespräch:

Tom Beyer

Tom
Beyer

Tom Beyer besucht das Gymnasium Engelsdorf nahe Leipzig und bereitet sich derzeit aufs Abitur vor. Der 18-Jährige engagiert sich seit Herbst 2013 im Landesschülerrat Sachsen und arbeitet im Vorstand der Bundesschülerkonferenz (BSK) mit. Die BSK vertritt er als Pressesprecher.

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