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DIW-Studie: Kindheit prägend für spätere Finanzentscheidungen

EC-Kartenlesegerät kommt beim Einkauf zum Einsatz

(c) flyerwerk - pixabay - CC0

15.07.2015

Elternhaus hat starken Einfluss

Einige Menschen treffen deutlich schlechtere finanzielle Entscheidungen als andere. Warum das so ist, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jetzt untersucht. Das Elternhaus ist demnach maßgeblich für kluge finanzielle Entscheidungen im Erwachsenenalter.

Zu diesem Schluss kommen Lukas Menkhoff, Leiter der Abteilung Weltwirtschaft am DIW Berlin, und seine Kollegin Antonia Grohmann in einer Anfang Juli veröffentlichten Studie. Ein gutes Verständnis für Zahlen und eine Affinität zum Rechnen förderten die finanzielle Bildung und damit gutes Finanzverhalten, sagt die Ökonomin Grohmann. „Aber die Erziehung ist mindestens genauso wichtig.“ 

Wer im Elternhaus früh zu finanziell gutem Verhalten angehalten wurde, verfüge über eine höhere finanzielle Bildung und kenne sich besser mit Finanzkonzepten aus. Ob die Eltern ihre Kinder zum Sparen ermutigen oder mit ihnen den planvollen Umgang mit Geld einüben, habe „einen starken Einfluss auf die finanzielle Bildung“, heißt es in der Studie. 

Einen positiven Einfluss auf das Finanzverhalten hat den Forschern zufolge auch eine höhere Qualität der Bildung und Wirtschaft als Schulfach. Je besser die Schulbildung, desto stärker würde im Erwachsenenalter das eigene Vermögen über mehrere Anlageformen gestreut. Diese Streuung des Geldvermögens werten Grohmann und Menkhoff als Indikator für kompetentes Finanzverhalten. Ihre Aussage stützen sie auf Umfrageergebnisse aus Bangkok, den USA und Deutschland.

Ob die finanzielle Bildung, wie sie in Deutschland in den Lehrplänen verankert ist, tatsächlich wirkt, muss sich den Forschern zufolge noch erweisen. Grohmann: „Es gibt wissenschaftliche Kurzzeitstudien mit Schülern, die zeigen, dass Finanzbildung in der Schule die finanzielle Bildung erhöht.“ Diese Studien zeigten aber auch, dass diese Trainings sich nicht auf das Sparverhalten auswirken.

Trotzdem ist es laut der Ökonomin „auf jeden Fall sinnvoll“, dass junge Menschen in der Schule lernen, wie sie angemessen mit ihren Finanzen umgehen können. Dabei sei die Vermittlung von einfacheren Konzepten oder Daumenregeln oft effektiver, als „wenn man krampfhaft zu erklären versucht, wie man einen Zinssatz ausrechnet“, so Grohmann. 

Daneben gelte es, den Blick der Eltern darauf zu schärfen, wie wichtig die Erziehung in Finanzangelegenheiten ist. „Kinder regelmäßig zum Sparen und Budgetieren anzuhalten, kann schon viel bewirken“, sagt Menkhoff. Er und seine Kollegin verweisen in ihrer Studie auf sogenannte „Familien-Kitas“ oder „peep programmes“, wie es sie im Vereinigten Königreich gibt. Sie ließen sich nutzen, um Eltern auf die Vorteile finanzieller Bildung aufmerksam zu machen.

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