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Stiftung Warentest: Abzocke und schlechter Datenschutz bei vielen Spiele-Apps

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14.08.2017

Untersuchung warnt vor versteckten Fallen für Kinder

Experten von Stiftung Warentest haben sich durch die 50 beliebtesten und umsatzstärksten Spiele-Apps geklickt und kommen zu einem ernüchternden Ergebnis: Keines der getesteten Angebote ist unbedenklich. Stiftung Warentest bemängelt Geldfallen, schlechten Jugendschutz sowie Schlampereien beim Übertragen sensibler Daten.

Spielen auf dem Smartphone oder dem Tablet ist mittlerweile so normal wie am PC oder an der Konsole. Laut KIM-Studie 2016 spielen über die Hälfte der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren wöchentlich oder sogar täglich Spiele-Apps auf dem Smartphone. Doch bei Spielen wie „Candy Crush“ oder „Pokémon Go“ setzen sie sich oft unbewusst Risiken aus. Die Stiftung Warentest und jugendschutz.net stellen in ihrer gemeinsamen Untersuchung fest: Die 50 getesteten Spiele-Apps vermischen Spielinhalt und Werbung ohne klare Kennzeichnung, verleiten Kinder zu so genannten In-App-Käufen und weisen Mängel in Sachen Datenschutz auf.

Zwei der Spiele versendeten persönliche Informationen der Nutzer unverschlüsselt, die meisten erheben außerdem weit mehr Daten, als für den Betrieb des Spiels nötig wäre. Insgesamt 27 der 50 getesteten Spiele ermöglichen mit geringem Aufwand die Identifikation des Spielers, manche Apps geben die gesammelten Informationen sogar an Werbenetzwerke weiter. Fast die Hälfte der untersuchten Apps belohnt außerdem eine Anmeldung über den Facebook-Account des Nutzers. Mit Blick auf den Datenschutz wurden daher nur vier der Spiele für angemessen befunden.

Die Chat-Funktion: Es hakt beim Jugendschutz

Die Hälfte der getesteten Spiele hat außerdem eine „Chat-Funktion“, über die sich Spieler online austauschen können. Bei keiner Spiele-App wird diese Funktion jedoch überwacht oder moderiert, so dass Kinder nicht vor unangemessener Kontaktaufnahme, anonymem Mobbing oder unerwünschten Nachrichten von Erwachsenen geschützt seien, so die Warentester.

Wie der „Stern“ berichtet, schnitten die beiden Spiele „Castle-Crash“ und „Huuuge Casino“ am schlechtesten ab. Das Urteil: Inakzeptabel. Bei „Castle Clash“ gab es Nacktwerbung für eine Dating-App. Und das mit USK ab 0 Jahren freigegebene „Huuuge Casino“ als Glücksspiel-Simulation fiel beispielsweise durch, weil es In-App-Käufe von bis zu 160 Euro mit einem Klick ermöglicht und eifrig Daten abgreift.

Risiken für Kinder senken

Insgesamt kritisierten die Warentester, dass die eigentlich kostenlosen Spiele Kinder dazu verleiten oder sogar drängen, weitere Funktionen hinzuzukaufen – Käufe bis zu 100 Euro sind bei zwei Dritteln der Apps möglich. Denn „free to play“ gilt häufig nur für die ersten Runden. Stiftung Warentest rät deshalb zur Einrichtung eines Passwortes für solche In-App-Käufe. Der Schutz lässt sich auf Android-Geräten zum Beispiel in den Einstellungen des Play Stores aktivieren. 15 der 50 Apps kann man außerdem ohne Internetverbindung spielen – und damit ohne deren Gefahren.

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