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„Offene Bildungsressourcen bieten viele Vorteile für den Unterricht“

20.06.2016

Fünf Fragen an … Henry Freye, Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg

Taugen freie Lehrmaterialien mit einer offenen Lizenz, bekannt unter dem Kürzel OER, auch für die Schule? Und welche Vorteile bergen sie für den Unterricht? Henry Freye vom Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) geht diesen Fragen in einem OER-Projekt für Lehrkräfte nach. Fünf Fragen an ihn.

1. Herr Freye, was wollen Sie mit Ihrem Projekt erreichen? 

Im Kern verfolgen wir zwei Ziele: Zum einen ein gesellschaftliches, die Förderung der Digitalisierung. Zum anderen geht es uns um einen besseren Unterricht. Wir wollen Lehrerinnen und Lehrer mit guten Medien bei ihrer Arbeit unterstützen. Und da bieten sich OER sehr gut an. 

2. Warum? 

OER sind offen. Sie können ohne Urheberrechtsverletzungen kopiert, verändert und wieder veröffentlicht werden, auch für den Unterricht. Diese Offenheit schafft neue Möglichkeiten in der Zusammenarbeit von Lehrerinnen und Lehrern. Wo vorher vielleicht nur eine Lehrkraft das Recht an einem Unterrichtsmaterial besaß, können OER-Materialien von allen Lehrkräften angepasst und eingesetzt werden. Da kommt viel Wissen zusammen, ohne Urheberrechte zu brechen. 

3. Haben Sie in Ihrem Projekt solche Materialien schon veröffentlicht? 

Die Senatsverwaltung für Bildung und das LISUM geben von ihnen erstellte Materialien bereits als OER frei. Die sind schon im Umlauf. Etwa Materialien von der iMINT-Akademie, die hier in Berlin Module für den Unterricht in den MINT-Fächern entwickelt. Die werden auch in Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer eingesetzt und im Unterricht genutzt. 

4. Bieten OER Vorteile für Themen, die sich rasant entwickeln, bei der Verbraucher- oder Medienbildung etwa?

Aktualität ist sicherlich ein weiterer Vorteil von OER. Und ich denke, wer sie erstellt oder verändert, gewinnt selbst an Sicherheit bei Themen, die eben nicht starr sind, sondern ständigen Änderungen unterliegen. OER durchlaufen ja keine staatliche Prüfung. Deswegen müssen die Lehrerinnen und Lehrer sehr kritisch auf deren Inhalte schauen. Das können und machen sie. Und dadurch lernen sie selbst immer weiter, eignen sich also neue Expertise an. 

5. Wäre eine Art inhaltliche Prüfstelle für OER nicht dennoch sinnvoll? 

OER sollen Schulbücher nicht verdrängen, sondern ergänzen. Und ergänzend erstellen wohl alle Lehrkräfte schon immer eigene Materialien für ihren Unterricht. Die prüft keiner, das wäre auch nicht leistbar. Was wir machen können, ist Online-Plattformen aufzubauen, um dort OER nach einer fachlichen Prüfung zu veröffentlichen. Was auf unseren Servern steht, haben wir vorher in der jeweils vorliegenden Version getestet. Das schafft Vertrauen, lässt sich wegen der schieren Menge an OER allerdings kaum zentral steuern. Aber die Bundesländer könnten sich hier sicher enger austauschen. Da gibt es auch schon Ansätze. 

Im Gespräch:

Henry Freye

Henry Freye
Freye

Henry Freye verantwortet beim Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg das OER-Projekt für Lehrkräfte. Daneben betreut der ausgebildete Lehrer den Bildungsserver Berlin-Brandenburg. 

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