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12.12.2013

Kriterien zur Bewertung von Unterrichtsmaterialien in der Verbraucherbildung

Warum bewerten wir Unterrichtsmaterialien zur Verbraucherbildung?
Gutes Unterrichtsmaterial für die Verbraucherbildung Bildquelle: (c) Yuri Arcurs - Fotolia.com
Gutes Unterrichtsmaterial für die Verbraucherbildung Bildquelle: (c) Yuri Arcurs - Fotolia.com

Im Internet findet man eine Fülle von Unterrichtsmaterialien zur Verbraucherbildung, deren Qualität auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich ist und stark variiert. Um Lehrerinnen und Lehrern eine Orientierung im Materialdschungel zu bieten, wurde der Materialkompass Verbraucherbildung entwickelt.

Hier werden Unterrichtsmaterialien aus den Themengebieten Finanzkompetenz, Medienkompetenz, Ernährung & Gesundheit, Nachhaltiger Konsum und Verbraucherrechte inhaltlich beschrieben und bewertet. Die Materialien stammen von verschiedenen Anbietern (Verbänden, Verlagen, Unternehmen, Verwaltung und anderen Organisationen), auf deren Angebote dann jeweils verlinkt wird.

Zur besseren Übersicht hier ein Inhaltsverzeichnis:

 

Unsere Auswahlkriterien

Wir wählen die zu bewertenden Materialien nach folgenden Kriterien aus: 
a) Aktualität 
b) Abbildung einer möglichst breiten Themenpalette 
c) Berücksichtigung eines breiten Anbieterspektrums

Der Materialkompass wird laufend ergänzt, sodass sich die Auswahl und das Spektrum der Materialien ständig erweitern. 
Wenn Sie selbst gutes Unterrichtsmaterial kennen oder nutzen, welches noch nicht im Materialkompass aufgenommen wurde, sind wir für Tipps offen und dankbar. Schreiben Sie uns: Kontakt

Bewertung mit dem Fokus Verbraucherbildung

Die Beurteilung der Materialien bezieht sich ausdrücklich auf eine Einschätzung zur Verwendbarkeit innerhalb der Verbraucherbildung. Die Frage, wie gut das vorliegende Material zur Vermittlung eines anderen Themengebietes geeignet sein könnte, ist nicht Teil der Beurteilung.

Verbraucherbildung setzt in allen Themenbereichen einen Schwerpunkt auf die Vermittlung von Alltags- und Konsumkompetenzen.

Näheres zu unserem Verständnis von Verbraucherbildung finden Sie in der Rubrik Unser Weg – unser Ziel. Dieses geht einher mit dem Verständnis von Verbraucherbildung, das im Beschluss der Kultusministerkonferenz "Verbraucherbildung an Schulen" (2013) niedergeschrieben wurde.

Das Bewertungsraster

Das Bewertungsraster, das Frau Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies, Universität Paderborn 2010 für den Materialkompass entwickelt hat,  basiert auf den „Kriterien der Expertengruppe zur Bewertung von Unterrichtsmaterial der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE)“ und auf Erkenntnissen des Projektes zur „Reform der Ernährungs- und Verbraucherbildung in Schulen“ (REVIS).

Das Bewertungsraster der SGE wurde im Rahmen von “bildung + gesundheit Netzwerk Schweiz“ von Experten aus Didaktik, Ernährung und Medizin entwickelt und verwendet. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die sich als Dienstleistende für die Gesundheitsförderung und Prävention im schulischen Kontext von der Vorschule bis zur Sekundarstufe II einsetzen. 
Im Rahmen von REVIS wurde unter anderem ein Referenzrahmen für die schulische Verbraucherbildung geschaffen, der als Kerncurriculum konkrete Bildungsziele und Lehrinhalte zum Erwerb von Alltagskompetenzen enthält.

Nach einer knapp anderthalbjährigen Praxisphase, in der unser Team aus Bildungsexpert/-innenen (siehe unten) über 280 Materialien mit diesem Raster bewertet hat, wurde die Bewertungsmatrix wissenschaftlich evaluiert.

Prof. Dr. Tim Engartner und Christoph Bauer, beide Universität Frankfurt, haben das Bewertungsraster Ende 2012 nach sozialwissenschaftlichen und wirtschaftsdidaktischen Kriterien evaluiert und überarbeitet. Dabei wurden die fachlichen, didaktischen und gestalterischen Indikatoren geschärft und die Berechnungen zur Notenvergabe verfeinert.

Beide Versionen des Bewertungsrasters finden Sie am Ende des Artikels zum Download.

Seit Anfang 2013 werden alle Materialien mit Hilfe der evaluierten Fassung bewertet.

Die Kriterien im Einzelnen

Innerhalb des Rasters werden jeweils die fachliche, die methodisch-didaktische, und die gestalterische Qualität bewertet. Ein Bewertungskomplex enthält verschiedene Indikatoren, für die jeweils zwischen 0 und 5 Punkte vergeben werden.

Grundsätzlich gilt, dass nur Materialien aufgenommen werden, die keine diskriminierenden Äußerungen enthalten. Materialien, die (Produkt-) Werbung oder grobe fachliche Fehler enthalten, werden mit Hilfe eines K.O.-Kriteriums mit "mangelhaft" bewertet.

Fachlicher Inhalt

Bewertet werden in diesem Segment die Sachrichtigkeit, der Lebensweltbezug, ob ein Material die Inhalte kontrovers, plural und multiperspektivisch darstellt, ob der Lerngegenstand als gewachsen und gestaltbar dargestellt wird, diesen im gesellschaftlichen Kontext dargestellt und Fragen nach Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten gestellt werden, ob eine sachgerechte Darstellung des Sachverhalts vorliegt, der eigene Analysen ermöglicht, ob das Material vergleichend und unparteiisch gestaltet ist oder Werbung und tendenziöse Darstellungen enthält und ob die inhaltliche Struktur des Materials schlüssig und nachvollziehbar ist, sodass ein kumulativer Lernprozess möglich ist.

Methodik und Didaktik

Bei der methodisch-didaktischen Beurteilung legen wir Wert auf moderne, zeit- und altersgemäße Vermittlung. Kriterien sind hier die Zielgruppenorientierung, also ob die Erfahrungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler aufgenommen und individuelle Lernwege angebahnt werden, das Schaffen einer offenen Lernatmosphäre, ob Bildungs- und Lernziele formuliert und im Material integriert sind, ob eine Handlungs- und Kompetenzorientierung vorliegt, ob die gewählten Methoden abwechslungsreich, dem Lerngegenstand angemessen sind und verschiedene Sozialformen berücksichtigen, ob die Arbeitsaufträge vielseitig und differenziert sind und ein didaktischer Begleittext eine tragfähige Hilfestellung für die Lehrkräfte bietet.

Formale Gestaltung

Eine gute inhaltliche Strukturierung und Gliederung sowie ansprechende und zielgruppengerechte grafische Gestaltung erleichtern das Verständnis des Unterrichtsstoffes. Darum wird auch dieser Aspekt in der Beurteilung berücksichtigt. Gegenüber den anderen beiden Bereichen wird dieser allerdings insgesamt weniger gewichtet.

Punkteverteilung und Notenvergabe

Die Materialien werden im Notenspektrum von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ bewertet.  Den einzelnen Noten liegen folgende Definitionen zugrunde:

Ein Material gilt dann als „sehr gut“ (), wenn es die Kriterien nahezu oder vollständig erfüllt. Einwände liegen dann nur in sehr geringem Umfang vor.

Eine „gute“ Bewertung () erfolgt, wenn Einwände nicht mehr nur vereinzelt und marginal vorliegen, aber auch einen bestimmten Umfang nicht überschreiten – im Gesamturteil ist es trotz bestimmter Kritikpunkt in weiten Teilen empfehlenswert.

Ein Material wird als „befriedigend“ (eingestuft, wenn einerseits Kritikpunkte zu umfangreich für eine weitgehende Empfehlung sind und andererseits das Material in seinen anderen Teilen eine lohnens- und empfehlenswerte Qualität aufweist. Die Lehrkraft sollte prüfen, welche Auszüge des Materials verwendet werden können oder welche Anpassungen nötig sein könnten.

Wenn die Einschränkungen des Materials so umfangreich und schwerwiegend vorliegen, dass die guten und empfehlenswerten Bestandteile des Materials zwar durchaus vorhanden sind, dies aber nicht mehr in einem größeren Umfang, wird das Material als „ausreichend“ () betrachtet.

Ein Material ist „mangelhaft“ (), wenn die Kriterien insgesamt so mangelhaft erfüllt werden, dass ein guter inhaltlicher Kern kaum oder gar nicht erkennbar ist.

Punkteverteilung innerhalb der Segmente

Jeder einzelne Bewertungsindikator kann mit 0-5 Punkten bewertet werden.

Pro Bereich gibt es außerdem die Möglichkeit bis zu 5 Sonderpunkte zu vergeben oder abzuziehen.

5 Punkte: Kriterium ist vollständig erfüllt

4 Punkte: Kriterium ist weitestgehend erfüllt

3 Punkte: Kriterium ist nur teilweise erfüllt

2 Punkte: Kriterium ist kaum erfüllt

0 Punkte: Kriterium ist nicht erfüllt

Für den Bereich "Didaktik & Methodik" ist eine max. Punktzahl von 50 (45 + 5 Sonderpunkte) möglich.

Für den Bereich "Fachlicher Inhalt" ist eine max. Punktzahl von 45  (40 + 5 Sonderpunkte) möglich.

Für den Bereich "Gestaltung" ist eine max. Punktzahl von 30  (25+ 5 Sonderpunkte) möglich.

Gewichtung

Die Bereiche "Didaktik & Methodik" und "Fachlicher Inhalt" gehen mit jeweils 42 %, der Bereich "Formale Gestaltung" mit 16% in die Gesamtnote ein.

Die Gesamtbewertung erfolgt also in Prozentpunkten.

Beispielrechnung

 

Teilbereich max. Punktzahl Gewichtung des Teilbereichs erreichte Punktzahl entspricht Prozent-punkten entspricht der Note
Didaktik 50 42% 34 28,56 gut
Fachinhalt 45 42% 25 23,33 befriedigend
Gestaltung 30 16% 9 4,80 ausreichend
Gesamt 125 100% 68 56,69 befriedigend

 

Notenschlüssel

Die Summe der Prozentpunkte führt zu folgenden Noten:  

 

Gesamtnote Prozent-punkte von bis
sehr gut 100 82,57
gut 82,56 64,88
befriedigend 64,87 47,18
ausreichend 47,17 35,39
mangelhaft 35,38 0,00

 

Notenbremsen

Zusätzlich werden sogenannte Notenbremsen eingezogen, d.h.

Ein didaktisch oder inhaltlich als „mangelhaft“ bewertetes Material wird auch in der Gesamtbewertung  mit dieser Note bewertet.

Wenn ein Material didaktisch und inhaltlich mit „ausreichend“ bewertet wird, kann es auch durch eine gute formale Gestaltung nicht die Gesamtnote „befriedigend“ erhalten, sondern wird insgesamt mit „ausreichend“ bewertet.

Die Bewertung der formalen Gestaltung kann die Gesamtwertung um maximal eine Stufe verändern. 

Unser Expertenteam

Die Bewertungen der Unterrichtsmaterialien werden von einem Bildungsexpertenteam aus Wissenschaftlern/-innen, Pädagogen/-innen, Fachreferenten/-innen aus Verbraucherzentralen, Lehrern/-innen sowie Dozenten /-innen aus der Lehrerfortbildung vorgenommen. Die vorliegenden Beurteilungen sind eine individuelle Einschätzung dieser Experten/-innen auf Grundlage des Bewertungsrasters. Die teilnehmenden Experten/-innen haben für die Beurteilung der Materialien Ihre Unabhängigkeit erklärt.

Unser Dank gilt (in alphabethischer Reihenfolge):

  • Bigga, Regine – Wiss. Mitarbeiterin an der Universität Paderborn am Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit
  • Bleuel, Heike-Solweig – Dipl. Biologin und Autorin für Unterrichtsmaterial im Bereich Ernährung und Medien
  • Prof. Dr. Engartner, Tim –Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt schulische Politische Bildung, Universität Frankfurt
  • Fricke, Vera – Wiss. Mitarbeiterin am Fachgebiet Arbeitslehre/ Ökonomie und Nachhaltiger Konsum der Technischen Universität Berlin
  • Groth, Karin – Wiss. Mitarbeiterin am Fachgebiet Arbeitslehre/ Ökonomie und Nachhaltiger Konsum der Technischen Universität Berlin
  • Grundmann, Stephanie – Wiss. Mitarbeiterin am Fachgebiet Arbeitslehre/ Ökonomie und Nachhaltiger Konsum der Technischen Universität Berlin
  • Hansen, Inge – Lehrerin für Verbraucherbildung
  • Hein, Sandra – Medienpädagogin, Hamburg
  • Hirschhäuser, Lena – Wiss. Mitarbeiterin an der Universität Hamburg im Fachbereich Erziehungswissenschaft
  • Dr. Jansen,  Brigitte – Wissenschaftliche Mitarbeiterin im FG Ernährungs- und Verbraucherbildung, Universität Koblenz-Landau
  • Prof. Dr. Kammerl, Rudolf – Professor für Erziehungswissenschaft mit besonderem Schwerpunkt der Medienpädagogik an der Universität Hamburg
  • Krebs, Oliver – Lehrer für Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt ökonomische Bildung
  • Labusch, Alexandra – Fachleiterin für Sozialwissenschaften am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Engelskirchen (RB Köln)
  • Leutnant, Silvia – Wiss. Mitarbeiterin an der Universität Paderborn am Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit
  • Muster, Viola – Wiss. Mitarbeiterin am Fachgebiet Arbeitslehre/ Ökonomie und Nachhaltiger Konsum der Technischen Universität Berlin
  • Quellmalz, Kirsten – Wiss. Mitarbeiterin an der PH Heidelberg am Institut für Alltags- und Bewegungskultur und Lehrerin
  • Rausch, Corinna – Lehrerin für Verbraucherbildung
  • Rieger, Katrin – Fachreferentin für Verbraucherbildung, Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein
  • Prof. Dr. Schlegel-Matthies, Kirsten – Professorin an der Universität Paderborn am Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit
  • Dr. Schlich, Michaela – Akademische Oberrätin im FG Ernährungs- und Verbraucherbildung, Universität Koblenz-Landau
  • Dr. Schmidt-Köhnlein, Kristina – Wiss. Mitarbeiterin am Fachgebiet Arbeitslehre/ Ökonomie und Nachhaltiger Konsum der Technischen Universität Berlin
  • Schmieder, Yvonne - Fachreferentin für Verbraucherbildung, Verbraucherzentrale Saarland
  • Prof. Dr. Schrader, Ulf – Prof. Leiter des Fachgebiets Arbeitslehre/ Ökonomie und Nachhaltiger Konsum der Technischen Universität Berlin
  • Schwarze, Kerstin - Lehrerin für Primarstufe und Medienwissenschaftlerin
  • Schwedler, Anja – Wiss. Mitarbeiterin an der Universität Hamburg im Fachbereich Erziehungswissenschaft im Arbeitsbereich Medienpädagogik
  • Schwinge, Christiane – Wiss. Mitarbeiterin an der Universität Hamburg im Fachbereich Erziehungswissenschaft im Arbeitsbereich Medienpädagogik
  • Stanszus, Laura - Wiss. Mitarbeiterin am Fachgebiet Arbeitslehre/ Ökonomie und Nachhaltiger Konsum der Technischen Universität Berlin
  • Venzke, Dorothea – Lehrerin für Verbraucherbildung, Fachfortbildnerin und didaktische Trainerin
  • Wenzel, Claudia – Lehrerin für Verbraucherbildung