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Handelsblatt macht Schule: Versicherungen

Das Material ist nicht mehr in der bewerteten Form verfügbar.

Das vorliegende Material "Versicherungen" steht in der Reihe von 14 Handreichungen, die als Ergebnisse des Projektes "Praxiskontakte Wirtschaft - Wirtschaft in die Schule", welches von 2000 bis 2004 in Schulen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde, entstanden sind. Ziel war die Entwicklung einer Konzeption zur systematischen Einbindung von Praxisbegegnungen und -kontakten im Ökonomieunterricht (vgl. S. 3). Das hier zu bewertende Material richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sek. II und basiert mit seinen Themen auf dem Problem der fehlenden Transparenz auf dem Versicherungsmarkt. Inhaltsaspekte wie "Versicherungen als Gefahrengemeinschaften" und "Sozialversicherung und Individualversicherung" werden hier aufgegriffen und thematisiert. Dafür werden auf insgesamt 20 Seiten Informationstexte für die Lernenden sowie fachliche Hinweise, Lernziele, Hinweise zur unterrichtlichen Realisierung und Informationsquellen für die Lehrenden angeboten.

Das zu bewertende Material setzt das Thema Versicherungen in den Fokus von Praxiskontakten und begründet die Notwendigkeit damit, dass für "Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe [...] die freiwillige Selbstvorsorge durch private Versicherungen eine bedeutsame Rolle spielen [wird]" (S. 5). Dem kann uneingeschränkt zugestimmt werden, denn seit dem Erscheinungsjahr des Materials 2006 ist die Entwicklung diesbezüglich weiter fortgeschritten. Abgesehen von den teilweise nicht mehr zu gebrauchenden - weil veralteten - Daten, genügt das Produkt "Handreichung" jedoch nicht den Anforderungen einer methodisch-didaktisch durchdachten und in der Verbraucherbildung sofort durchführbaren Unterrichtseinheit/-reihe. Die formulierten Lernziele aus informationstheoretischer Perspektive stellen einen interessanten Ansatz dar, sie zeigen jedoch keinerlei Bezug zum Rest des Materials - ohne konkrete Vorschläge für die Unterrichtsgestaltung, ohne Aufgabenstellungen, dafür aber mit sehr anspruchsvollen Texten für die Schülerinnen und Schüler. Das Material bleibt insgesamt auf einer abstrakten Meta-Ebene und kann in dieser Form im Unterricht nicht eingesetzt werden.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Ausreichend
Methodik-Didaktik:
Mangelhaft
Formale Gestaltung:
Befriedigend
Gesamtbewertung:
Mangelhaft
Ausführliche Bewertung
Das Material "Versicherungen" steht in der Reihe von 14 Handreichungen, die als Ergebnisse des Projektes "Praxiskontakte Wirtschaft - Wirtschaft in die Schule" entstanden sind. Ziel war die Entwicklung einer Konzeption zur systematischen Einbindung von Praxisbegegnungen und -kontakten im Ökonomieunterricht (vgl. S.3). Das zu bewertende Material richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sek. II und basiert mit seinen Themen auf dem Problem der fehlenden Transparenz auf dem Versicherungsmarkt. In der Tat ist insbesondere dieser Markt von Intransparenz und Informationsasymmetrien gekennzeichnet. Der informationstheoretische Ansatz, der sich in den Lernzielen und den Texten widerspiegelt, ermöglicht einen interessanten Zugang zu dieser Problematik. Denn nicht nur die Verbraucher, auch die Versicherungen haben Informationsdefizite, was dazu führt, dass jede Seite immer wieder neue Instrumente kreiert und einsetzt, um diese Informationsdefizite zu verringern oder gar zu beseitigen. Die Chancen, die sich daraus für einen verbraucherorientierten Unterricht ergeben, werden allerdings total vertan. Dies liegt insbesondere an dem Produkt "Handreichung", welches auf einer eher abstrakten Meta-Ebene bleibt und damit für einen handlungsorientierten Unterricht gravierende Defizite hinsichtlich der methodisch-didaktischen als auch der fachlichen Aufbereitung aufweist. So sind die Informationstexte für die Schülerinnen und Schüler bloße Auszüge aus wissenschaftlichen Fachbüchern und ausgewählte Artikel aus dem Handelsblatt. Doch auch angehenden Abiturienten sollte mehr geboten werden, z. B. eine visuelle Aufbereitung des Inhalts, um sie in ihren Lernprozessen zu unterstützen. Was die Verwendung der Materialien und Texte im Unterricht zusätzlich erschwert, ist das Fehlen jeglicher konkreter Aufgabenstellungen. Was sollen die Schülerinnen und Schüler tun - außer Lesen? Die Ausgestaltung des Unterrichts diesbezüglich und hinsichtlich der Methodik bleibt den Lehrenden überlassen. In diesem Zusammenhang bleiben auch die formulierten Lernziele ohne Bezug zum Rest der Handreichung. Es ist völlig unklar, wie und wann und mithilfe welcher Materialien die Ziele erreicht werden sollen. Die Hinweise für die Lehrenden geben zwar eine erste Übersicht, und die Struktur und Inhalte der Materialien werden erläutert (S. 10). Dem Begleittext fehlt jedoch der Zusammenhang zwischen den Informationstexten für Lernende, den Zielstellungen und den durchzuführende Praxiskontakte. Insbesondere zum Einsatz von Praxiskontakten, die ja im Fokus des Projekts PRAWIS standen, werden nur Beispiele genannt; eine Konkretisierung für die tatsächliche Umsetzung im Unterricht bleibt aus. Mit dem Thema Versicherung wird ein Gegenstand gewählt, der i. d. R. weder bei Jugendlichen noch bei Erwachsenen großes Interesse auslöst. Richtigerweise wird dennoch die Notwendigkeit für Schülerinnen und Schüler dargestellt, sich damit auseinanderzusetzen und "Handlungsansätze/-alternativen für ihr eigenes Verbraucherverhalten [zu] entwickeln" (S. 6). Wie das geschehen soll und wie diese Ansätze aussehen können, wird leider nicht erwähnt. Unabdingbar dafür wäre eine Verknüpfung zur Lebens- und Alltagswelt der Schülerinnen und Schüler sowie die Einbeziehung ihrer Interessen und Erfahrungen. Problematisch ist das Erscheinungsjahr des Materials (2006). Aus heutiger Sicht sind Quellen u. a. von 1998, 2000 und 2005 als auch Internetseiten veraltetet und teilweise nicht mehr zu gebrauchen. Doch auch zum Veröffentlichungszeitpunkt wurde vermutlich auf Material aus dem Zeitraum der Projektdurchführung zurückgegriffen und nicht mehr aktualisiert. So ging beispielsweise bereits 2005 die BfA per Gesetz in die Deutsche Rentenversicherung Bund auf. Schlussendlich verärgert die namentliche Herausstellung und Empfehlung zweier Versicherungsunternehmen als Praxiskontaktpartner bzw. als Beispiel, zu dem die Schüler/innen Informationen auf einer (veralteten) ZDF-Website finden sollen - zumal ein Hinweis gleich doppelt gegeben wird. Insgesamt bietet das Material einen interessanten Ansatz, das Thema Versicherung aus einer anderen Perspektive und in Verbindung mit der Praxis anzugehen. Aus den aufgeführten Gründen sollte bzw. kann es jedoch im Unterricht nicht eingesetzt werden.
Erscheinungsjahr
2006
Autor/in
Gerd-Jan Krol, Dirk Loerwald, Derk Menebröcker, Andreas Zoerner (Institut für Ökonomische Bildung, Universität Münster)
Reihe
prawis: Praxiskontakte Wirtschaft - Wirtschaft in die Schule
Preis
ISBN
Materialformat