Title

Umgang mit Geld - Zahlungsverkehr, Zahlungsmittel

Lehrerheft und Schülerheft Sekundarstufe I

Das gesamte Materialpaket "Umgang mit Geld" wird vom Schulserviceportal der Volksbanken Raiffeisenbanken Jugend und Finanzen bereitgestellt und umfasst zwei sich thematisch ergänzende Schülerhefte sowie ein Lehrerheft für den Unterricht in den Fächern der Sekundarstufe I. Ziel der Broschüren ist es "Schülern alltagsnah ökonomisches, im Speziellen finanzielles Grundwissen zu vermitteln." (Lehrerheft S. 3)

Das hier vorliegende und bewertete Schülerheft "Umgang mit Geld I" setzt den Fokus auf die Themen Zahlungsverkehr und Zahlungsmittel. Auf 25 Seiten und in 12 Kurzkapiteln werden grafisch und textlich aufbereitete Informationen u. a. zu Funktionen und Erscheinungsformen von Geld, zum Wirtschaftskreislauf, zu Banken, zu Konten und zum Online-Banking bereitgestellt und durch Arbeitsaufträge und Fragestellungen ergänzt. Ein 2-seitiges Glossar am Ende des Heftes bietet eine Zusammenfassung relevanter Fachbegriffe auf einen Blick.

Im 5-seitigen Lehrerheft wird in die Notwendigkeit der finanziellen Bildung Jugendlicher eingeführt, der Aufbau und die Themenbereiche der Hefte erläutert. Außerdem werden die Lehrplanorientierung und die Lernziele verdeutlicht.

Mithilfe des Materials "Umgang mit Geld" vom Schulserviceportal der Volksbanken Raiffeisenbanken Jugend und Finanzen sollen Schülerinnen und Schüler befähigt werden, "sich selbstständig gemäß ihrer individuellen Lebenssituation und ihren Bedürfnissen in der Finanzwelt bewegen zu können" (Lehrerheft S. 1). Der hier bewertete erste Teil des Medienpakets widmet sich den Themen Zahlungsverkehr und Zahlungsmittel, die fachlich recht solide und mit häufigem Bezug zur Lebens- und Alltagswelt der Jugendlichen angeboten werden. Auch die textlich und grafisch gut ausbalancierte Aufbereitung und Zusammenfassung der Inhalte zu den einzelnen Unterthemen ist ansprechend. Eindeutige Schwächen und damit Entwicklungspotenzial zeigen die die Kurzkapitel abschließenden Arbeitsaufträge, bei denen eine Vielzahl von Methoden und Lernformen genannt und interessante Bezüge hergestellt werden sollen - aber in der hier dargestellten Form überwiegend nicht umgesetzt werden können. Das liegt insbesondere daran, dass die Lernziele nur allgemein und ausschließlich hinsichtlich des Wissenserwerbs formuliert werden. Sofern Lehrerinnen und Lehrer bereit sind, die Ideen des Schülerheftes zielführend weiterzuentwickeln, kann ein handlungsorientierter Unterricht entstehen, der sich an einer umfassenden Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler orientiert.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Gut
Methodik-Didaktik:
Ausreichend
Formale Gestaltung:
Sehr gut
Gesamtbewertung:
Befriedigend
Ausführliche Bewertung
Mit den Schülerheften "Umgang mit Geld I" und "Umgang mit Geld II" und dem dazugehörenden Lehrerheft leistet der Schulservice der Hypothekenbanken Raiffeisenbanken Jugend und Finanzen seinen Beitrag zur ökonomischen Bildung Jugendlicher. Dabei steht die Finanzbildung der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I im Fokus; anhand der Themen Zahlungsverkehr und Zahlungsmittel (Broschüre I) und Geldanlage und Kredit (Broschüre II) sollen sie notwendiges, finanzielles Grundwissen erlangen. Wenn ein neues Material sich in die nicht überschaubare Anzahl von sehr gut bis außerordentlich schlecht aufbereiteter Angebote zum Thema ökonomische bzw. finanzielle Bildung reiht, sollte es sich in irgendeiner Art und Weise von den konkurrierenden Materialien abheben. Dies kann über die Auswahl der Inhalte, über einen speziellen Fokus oder über das didaktische Arrangement geschehen. Die vorliegenden Materialien setzen in diesem Sinne eine hohe Messlatte: Sie wollen an dem Phänomen ansetzen, dass Jugendliche - obwohl sie beim Thema Wirtschaft Wissenslücken haben - an wirtschaftlichen Themen interessiert sind und sich eine stärkere Behandlung ökonomischer Fragestellungen im Unterricht wünschen (Lehrerheft S. 1). "Ein konkreter Bezug zur aktuellen Tagespolitik und vor allem zur eigenen Lebens- und Erfahrungswelt ist ihnen dabei besonders wichtig." (Kaminski et al) Dabei soll neben dem Erwerb von Fachwissen vor allem die Handlungskompetenz im Mittelpunkt stehen (S. 1). Was die Inhalte des Materials betrifft, kann zunächst festgestellt werden, dass das Schülerheft "Umgang mit Geld I" insgesamt solide Grundlagen zu den ausgewählten Themen bietet. Dies geschieht recht ansprechend durch eine textlich und grafisch gut ausbalancierte Aufbereitung und Zusammenfassung der Inhalte zu den einzelnen Unterthemen. Die übersichtliche und eindeutige Strukturierung des Heftes in 12 Kurzkapiten mit jeweils maximal 3 Seiten erlaubt zudem ein schnelles Erfassen der Fachinhalte. Und hinsichtlich des geforderten Lebens- und Alltagsweltbezugs Jugendlicher wird oft versucht, diesen herzustellen - beispielsweise, wenn für das Lesen des Kontoauszugs gleich eine Übersetzung relevanter Begriffe gegeben wird, Sicherheitstipps für den Umgang mit dem Girokonto zusammengefasst werden oder Fallbeispiele die Unterschiede von Überweisung, Dauerauftrag und Lastschrift beschreiben. Darüber hinaus bietet der fachliche Teil jedoch im Vergleich zu einschlägigen Lehrbüchern keinen weiteren Mehrwert. Die Möglichkeiten, auch bei dem Thema Zahlungsverkehr aus der Perspektive des Verbrauchers z. B. Werte zu diskutieren und kritische Positionen darzustellen, werden nicht genutzt. So stehen beispielsweise die Interessen von Banken und privaten Haushalten sicherlich nicht immer im Einklang, wenn z. B. einigen Menschen kein Girokonto eröffnet wird (auch wenn dieser Vorgang als unkomplizierter Vorgang dargestellt wird; S. 15) und bargeldloses Zahlen dann keine Relevanz mehr hat. Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise sollte die Rolle der Banken über die Funktionalität hinaus vor allem kritisch betrachtet werden. Und Jugendliche interessieren sich sicherlich viel mehr für die Bezüge von Bankenvorständen als für Vor- und Nachteile von Geschäftsbanken mit Filialnetz und Direktbanken. Mit den Aufgaben und Arbeitsaufträgen unter "Mitgedacht", die dem Informationsteil eines jeden Kurzkapitels folgen, sollen neue inhaltliche Bezüge durch die Jugendlichen selbst hergestellt und handlungsorientiertes Lernen weiter ermöglicht werden. Viele Ideen sind kreativ und abwechslungsreich, setzen an aktuellen Fragestellungen wie z. B. der Schuldenkrise und Online-Banking an, und teilweise werden im Sinne eines Arbeitsblattes ganz konkrete und auf den Text bezogene Aufgaben gestellt, für die dann auch eine Grafik, eine Abbildung etc. zur Bearbeitung zu benutzen ist. Überwiegend fällt jedoch auf, dass die Arbeitsaufträge zu offen formuliert sind und sich damit nicht an die Lernenden richten, vielmehr also Empfehlungen zur Unterrichtsgestaltung für die Lehrkraft darstellen ("Tragt eure Assoziationen im Plenum zusammen. Erstellt eine Mindmap an der Tafel"). Zudem sind die gewählten Lernformen und Methoden zu hinterfragen, da die Vorschläge im Heft nicht - durch entsprechende Lernziele - begründet erfolgen sondern eher willkürlich. So ist z. B. überhaupt nicht klar, warum die Schülerinnen und Schüler andere Schüler und Eltern befragen sollen, welche Vor- und Nachteile Geschäftsbanken mit Filialnetz und Direktbanken haben. Und in einigen Fällen sind die Fragen nur angerissen und nicht zu Ende gedacht. Denn was machen die Jugendlichen mit ihren Ergebnissen, wenn sie laut Aufgabenstellung S.16 ihre Fragen an einen Bankangestellten zwecks Girokontoeröffnung aufgeschrieben haben? Für eine zielführende Bearbeitung der Aufgaben muss die Lehrkraft also zu vielen Aspekten selbst konkrete Überlegungen anstellen. Das Lehrerheft bietet dabei leider auch keine wirkliche Unterstützung. Es bietet zwar einführende Erläuterungen hinsichtlich der Notwendigkeit von finanzieller Bildung, dem Verständnis von ökonomischer Bildung sowie der Verankerung der Thematik in den Lehrplänen. Die Lernziele bleiben jedoch sehr allgemein formuliert, zeigen keinen Bezug zu den Materialien und setzen ihren Fokus ausschließlich auf den Wissenserwerb. Desweiteren fehlen so wichtige Hinweise, wie die einzelnen Themen behandelt bzw. das Schülerheft überhaupt eingesetzt werden soll. Wichtig wären aber Details zum zeitlichen Umfang, zu den Methoden, zu den Materialien, zum Ablauf etc. Auch fehlen Lösungsvorschläge und -ansätze zu den Arbeitsaufträgen bzw. weitere Hintergrundinformationen, um eine so komplexe Aufgabe wie die zur Schuldenkrise in Griechenland und Spanien überhaupt mit den Schülerinnen und Schülern besprechen zu können. Insgesamt bietet das Material ein gut strukturiertes Informationspaket zu den Themen Zahlungsverkehr und Zahlungsmittel, welches ausgewählte Inhalte in ihren Grundlagen und häufig auch schülerbezogen gut und übersichtlich zusammenfasst. Mit den weiterführenden Aufgaben kann ein handlungsorientierter Unterricht entstehen, der sich an einer umfassenden Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler orientiert - sofern Lehrerinnen und Lehrer bereit sind, die Vorlagen zielführend - im Sinne einer Formulierung von eindeutigen Lernzielen - weiterzuentwickeln und in einen didaktisch-methodisch durchdachten Zusammenhang zu bringen.
Erscheinungsjahr
2012
Autor/in
Lehrerheft: Dorothea Hoffmann, Schülerheft: Dr. Peter Kührt
Reihe
Materialien zur Finanzbildung
Preis
ISBN
Materialformat