Junge steckt Geld in ein Sparschwein

Quelle: cherryandbees, Adobe Stock

Finanzbildungsstrategie: Qualität und Unabhängigkeit sind entscheidend

Junge steckt Geld in ein Sparschwein

Quelle: cherryandbees, Adobe Stock

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer Finanzbildungsstrategie. Ziel ist es, die Finanzkompetenz der Bevölkerung zu stärken und Menschen dabei zu unterstützen, informierte Finanzentscheidungen zu treffen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt dieses Ziel grundsätzlich. Entscheidend ist jedoch, wie Finanzbildung umgesetzt wird und welche Rolle Schulen dabei spielen.

Lernraum Schule nutzen

Die ersten finanziellen Entscheidungen trifft man bereits früh: mit dem ersten Taschengeld, bei der Wahl des ersten eigenen Kontos, oder der Frage "direkt bezahlen" oder "buy now, pay later"? Später kommt das Vergleichen von Versicherungen und Krediten oder die Wahl der passenden Altersvorsorge hinzu. Um sich in einer zunehmend komplexen Finanzwelt orientieren zu können, benötigen Schüler:innen fundierte Finanzkompetenzen. Es liegt nahe, dass diese Kompetenzen an Schulen erworben werden. Eine bundesweit systematische Verankerung fehlt bislang. Doch die Strategie berücksichtigt den Lernraum Schule kaum.

Porträt von Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands

Quelle: Dominik Butzmann / vzbv

Ramona Pop
Vorständin, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

„Schulen sind zentral, um Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund zu erreichen. Finanzbildung gehört in jedes Klassenzimmer. Der Bund muss die Länder darin unterstützen, Finanzbildung als Teil der Verbraucherbildung flächendeckend an Schulen umzusetzen.“

Finanzbildung braucht Qualität

Der vzbv kritisiert, dass die geplante Finanzbildungsstrategie bislang keine verbindlichen Qualitätskriterien für Bildungsangebote vorsieht. Gerade für Schulen ist dies jedoch von zentraler Bedeutung. Lehrkräfte müssen darauf vertrauen können, dass eingesetzte Materialien fachlich korrekt, didaktisch geeignet und frei von wirtschaftlichen Interessen sind. 

Gerade im Bereich Finanzbildung werden zunehmend Bildungsmaterialien aus der Privatwirtschaft und von unternehmensnahen Stiftungen herausgegeben. Doch nicht jedes kostenlose Material eignet sich für den Unterricht. Herkunft, Zielsetzung und mögliche Interessen hinter einem Angebot sollten transparent gemacht und stets kritisch geprüft werden. Die Finanzbildungsstrategie des Bundes sollte nur solche Materialien bündeln, die frei von wirtschaftlichen Interessen und qualitätsgeprüft sind.

Finanzinformationen kritisch bewerten lernen

Junge Menschen bewegen sich heute selbstverständlich in digitalen Lebenswelten. Finfluencer oder KI-gestützte Finanzinformationen prägen den Zugang zu Finanzthemen zunehmend. Nach Ansicht des vzbv sollte Finanzbildung deshalb stärker Kompetenzen zur kritischen Bewertung von Informationsquellen vermitteln. Schüler:innen müssen lernen, Werbung von Information zu unterscheiden, Risiken digitaler Finanzangebote einzuschätzen und die Interessen hinter bestimmten Empfehlungen zu erkennen.

Eine wirksame Finanzbildungsstrategie braucht Qualitätsstandards, unabhängige Bildungsangebote und eine stärkere Verankerung finanzieller Bildung im Lernort Schule. Lehrkräfte spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie ermöglichen jungen Menschen, Finanzthemen kritisch, reflektiert und lebensnah zu erschließen und schaffen damit eine wichtige Voraussetzung für finanzielle Selbstbestimmung.
Key Visual mit der Überschrift Geld und Verstand auf der linken Seite und einer Illustration von zwei Personen auf der rechten Seite

Quelle: Bundesministerium der Finanzen

Stellungnahme zur Finanzbildungsstrategie des Bundes

Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt die Initiative der Bundesregierung, die Finanzkompetenz der Verbraucher:innen in Deutschland stärken zu wollen. Finanzbildung muss unabhängig und qualitätsgesichert sein. Die bundeseigene Plattform "Mit Geld und Verstand" darf interessengeleiteten, didaktisch mangelhaften Bildungsmaterialien keine Bühne bieten.