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„Apps können das Interesse für sperrigere Themen wecken“

eathink2015

(c) Screenshot / Libellulart Lernspiele

09.06.2016

Fünf Fragen an… Susanne Paschke, Bildungsreferentin bei Südwind, Österreich

Lassen sich Jugendliche mit Smartphone-Apps für einen nachhaltigen Konsum gewinnen? Die österreichische Nichtregierungsorganisation Südwind macht die Probe aufs Exempel und hat zwei Apps zum Thema entwickeln lassen. Südwind-Bildungsreferentin Susanne Paschke weiß mehr darüber. Fünf Fragen an sie. 

1. Frau Paschke, Apps zum nachhaltigen Konsum: woher rührt die Idee? 

Die Apps sind Teil eines europäischen Schulprojekts zum Globalen Lernen, EAThink, das noch bis 2017 in zwölf europäischen und zwei afrikanischen Ländern läuft. Mit EAThink wollen wir den Blick Jugendlicher für globale Fragen und ihr  Bewusstsein für kritischen Konsum schärfen, und zwar am Beispiel Lebensmittel. Die Apps sind da ein Standbein zur Wissensvermittlung. Wir gehen auch in Schulen hier in Österreich, um entsprechendes Know-how aufzubauen.

2. Die Apps helfen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit? 

Das hoffen wir. Wir denken, dass sie neugierig auf eine nachhaltigere Landwirtschaft und einen bewussten Konsum machen, dass sie Kindern und Jugendlichen einen spielerischen Weg zu diesen Themen eröffnen. Im Unterricht, aber auch außerhalb des Klassenzimmers. Und altersgerecht. Deswegen haben wir zwei Apps für unterschiedliche Altersgruppen entwickeln lassen: für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren und für Jugendliche bis 16 Jahren. 

3. Was bietet ihnen die App?

In der App „Robins Geburtstagskuchen“ gehen Kinder auf eine interaktive Lesereise, auf der sie möglichst faire und nachhaltige Zutaten für den Geburtstagskuchen suchen. „EAThink“, die App für Jugendliche, lässt diese die Wege des Essens vom Feld bis auf den Teller nachvollziehen, zum Beispiel die Unterschiede zwischen der Biolandwirtschaft und dem konventionellen Anbau. 

4. Steckt in solchen Apps eine Lernform der Zukunft?

Wir sehen zumindest in Österreich, dass die Klassenzimmer zunehmend digitalisiert werden. Zwar gilt hier an vielen Schulen noch ein Handyverbot. Zeitgemäß ist das unseres Erachtens kaum noch. Kinder und Jugendliche sollten die Geräte im Unterricht nutzen dürfe. Vielleicht lassen sie sich so auch ein Stück weit für etwas sperrigere Themen gewinnen. Unsere Erwartung ist nicht, dass Kinder und Jugendliche dank der Apps nur noch nachhaltig konsumieren. Aber wir hoffen, dass etwas von dem vermittelten Wissen hängenbleibt.  

5. Bieten die Lehrpläne Anknüpfungspunkte für diese Themen?

Es gibt in Österreich zwölf Unterrichtsprinzipien, die für alle Schulstufen und -arten gelten, eines davon deckt die Wirtschafts- und Verbraucherbildung ab. Themen an der Schnittstelle zwischen Ernährung und Nachhaltigkeit kommen da aber etwas kurz, finden wir. Und diese Lücke wollen wir mit unserem Projekt ein wenig füllen. Nicht nur mit den Apps. Wir entwickeln auch Unterrichtsmaterialien und unterstützen Lehrkräfte mit Fortbildungen. Alles zusammen kann schon etwas für ein stärkeres Nachhaltigkeitsbewusstsein tun. 

Im Gespräch:

Susanne Paschke

Susanne
Paschke

Susanne Paschke ist ausgebildete Lehrerin und arbeitet bei der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisation Südwind, Österreich, als Bildungsreferentin. Sie wirkt dort unter anderem an der Entwicklung von Lehrkräftefortbildungen und Unterrichtsmaterialien mit.

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