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„Ich würde mich freuen, wenn von den Verbraucherschulen ein Signal ausgeht“

Christine Lambrecht. Foto: Thomas Koehler / photothek

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30.01.2020

Fünf Fragen an… Christine Lambrecht, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV)

Verbraucherbildung ermöglicht es Schulen, auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren, wie sie sich beispielsweise durch die Digitalisierung oder den Klimawandel ergeben – und den Schülerinnen und Schüler die nötigen Kompetenzen mitzugeben, um diesen zu begegnen. Deswegen hofft Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), dass sich in Zukunft noch mehr Lehrerinnen und Lehrer von dem Beispiel der Verbraucherschulen inspirieren lassen.   


1. Inwieweit ist das Thema Verbraucherbildung für Sie ein relevantes Thema?

Christine Lambrecht: Die Bedeutung von Verbraucherbildung hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Mit der Digitalisierung sind völlig neue Herausforderungen entstanden. Beispielsweise erfordern die Auswahl, das Bestellen und Kaufen von Produkten im Internet eine ganz andere Sensibilität für mögliche Fallstricke, als wenn ich etwas im Laden um die Ecke kaufe. Verbraucherinnen und Verbrauchern wird heutzutage viel mehr abverlangt. Daher ist es mir ein ganz besonderes Anliegen, dass gerade junge Menschen früh die richtigen Fähigkeiten vermittelt bekommen, um gut informiert, selbstbestimmt und sicher Entscheidungen in ihrem Verbraucheralltag treffen zu können.

2. Welche weiteren Herausforderungen ergeben sich für Verbraucherinnen und Verbrauchern aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung?

Lambrecht: Es ist nicht immer einfach zu beurteilen, welchen Informationen im Internet man trauen kann, wie gut diese sind und welche Seiten sicher sind. In sozialen Netzwerken wird zum Beispiel oft ein schönes und perfektes Leben inszeniert. Influencer sind häufig richtige Stars, haben eine große Reichweite und viel Einfluss auf ihre Fans – auch was die Wahl von Produkten angeht. Dass es sich bei den angepriesenen Produkten häufiger um bezahlte Werbeaktionen handelt, ist vielen gar nicht so klar.

3. Welche Rolle spielen Schulen bei der Vermittlung von Verbraucherbildung?

Lambrecht: Schule ist der Ort, an dem alle Kinder und Jugendliche Wissen und Fähigkeiten erwerben, um gut für ihr Leben gerüstet zu sein. Ich finde es wichtig, dass dieses Wissen auch das nötige Rüstzeug für den Verbraucheralltag umfasst. Bei den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind viele Kinder und Jugendliche heute schon richtige Experten: Viele wissen zum Beispiel, wie sie durch ihr Konsumverhalten einen Beitrag zu einer nachhaltigeren und umweltbewussteren Gesellschaft leisten können – und das finde ich toll! Es gibt aber auch weitere Bereiche, in denen ich es absolut wichtig und sinnvoll finde, dass diese miteinander in der Schule erarbeitet werden. Hierzu gehören zum Beispiel der Umgang mit Finanzen und Fragen rund um Gesundheit und Ernährung.

4. Was erhoffen Sie sich von dem Projekt Verbraucherschule, für das Sie die Schirmherrschaft übernommen haben?
Lambrecht: Verbraucherschulen zeigen, dass sich Verbraucherbildung in den Schulalltag integrieren lässt und vor allem Spaß macht – und zwar den Schülerinnen und Schülern genauso wie den Lehrerinnen und Lehrern. Die vielen guten Beispiele, wie Verbraucherbildung in den Schulalltag einfließen kann, sollen auch andere Schulen motivieren, eigene Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Ich würde mich freuen, wenn von den Verbraucherschulen ein Signal ausgeht, dass man mit Verbraucherbildung ein attraktives Schulprofil schaffen kann, das Schülerinnen und Schüler ebenso wie Lehrkräfte und Eltern begeistert.

5. Was würden Sie Schulen mit auf den Weg geben, die sich nun dazu entscheiden, Verbraucherbildung stärker in den Schulalltag zu integrieren?

Lambrecht: Verbraucherthemen sind lebensnah und betreffen Schülerinnen und Schüler in gleichem Maße wie Lehrinnen und Lehrer. Dabei ist der Unterrichtsstoff in der Regel besonders anschaulich und der Unterricht kann lebendig gestaltet werden. Außerdem bieten die Themen viele Möglichkeiten für spannende Diskussionen. Am Beispiel von Klimaschutz und Nachhaltigkeit lassen sich anhand von globalen Produktionsprozessen und Lieferketten auch interessante grundlegende Unterrichtseinheiten gestalten. Aus meinen Gesprächen habe ich auch den Eindruck gewonnen, dass viele Lehrerinnen und Lehrer gerne mehr Verbraucherthemen in den Unterricht integrieren möchten, aber bisweilen noch etwas unsicher sind, wie dies gelingen kann. Mit dem Materialkompass, bei dem frei zugängliches Unterrichtsmaterial zu Verbraucherthemen auf Qualität geprüft und bewertet wird, gibt das BMJV hierbei Hilfestellung.

 

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