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Verbraucherpreisindex

Das Material "Verbraucherpreisindex" entstammt der Reihe "Haushalt und Geld" des von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH (INSM) betriebenen Internetportals "Wirtschaft und Schule". Es behandelt die Fragen der Preisveränderungen von Gütern und Dienstleistungen und deren Messung im volkswirtschaflichen Kontext. In einer 3-stündigen Unterrichtseinheit sollen die Schülerinnen und Schüler ökonomische Kompetenzen entwickeln, indem sie Fachtexte bearbeiten sowie Informationen auswerten und anwenden. Ziel ist die Erarbeitung der Inhalte und Begriffe Inflationsrate, Verbraucherindex, Warenkorb und Wägungsschema.

Das im Internet herunterladbare Material besteht aus zwei Dokumenten:
Zum einen wird die Unterrichtseinheit Verbraucherpreisindex angeboten, die auf 13 Seiten die Unterrichtsstunden methodisch-didaktisch konkretisiert und Fachinformationen sowie Aufgabenblätter liefert. Zudem gibt es eine Präsentation in ppt bzw. pdf, die in die Thematik einführt und als Einstiegssequenz genutzt werden kann.

Mit dem hier bewerteten Material sollen Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II sich mit der Ermittlung des Verbraucherpreisindexes auseinandersetzen. In dem einführenden Text wird auf die Bedeutung der Inflationsrate für volkswirtschaftliche, tarifliche und politische Entscheidungen eingegangen. Ganz richtig wird auch hervorgehoben, dass auch Schülerinnen und Schüler von Preissteigerungen betroffen sind und sich für die Hintergründe interessieren, da sie "bereits jetzt regelmäßig am Wirtschaftsleben teil[nehmen] und ihr [...] Taschengeld oder ihren Arbeitslohn [konsumieren]."
Was das Material daraufhin bietet, bleibt weit unter den durch die Einleitung geweckten Erwartungen. Insbesondere in der methodisch-didaktischen Umsetzung zeigen sich gravierende Mängel, und auch die fachliche Darstellung der doch komplexen Thematik bleibt an der Oberfläche. Insgesamt kann das Material nicht empfohlen werden.

Indikatoren
Einzelbewertung
Balken
Fachlicher Inhalt:
Ausreichend
Methodik-Didaktik:
Mangelhaft
Formale Gestaltung:
Gut
Gesamtbewertung:
Mangelhaft
Ausführliche Bewertung
Das Material "Verbraucherpreisindex" entstammt der Reihe "Haushalt und Geld" des von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH (INSM) betriebenen Internetportals "Wirtschaft und Schule". Es behandelt die Fragen der Preisveränderungen von Gütern und Dienstleistungen und deren Messung im volkswirtschaftlichen Kontext. In einer 3-stündigen Unterrichtseinheit sollen die Schülerinnen und Schüler ökonomische Kompetenzen entwickeln, indem sie Fachtexte bearbeiten sowie Informationen auswerten und anwenden. Aus Verbraucherperspektive zunächst passend, werden die Schülerinnen und Schüler direkt mit dem Thema in Verbindung gebracht, indem sie als Konsumenten betrachtet werden, die ihr Taschengeld oder ihren Arbeitslohn ausgeben und somit gleichermaßen von Preissteigerungen betroffen sind. Auch die Idee, die Schüler einen eigenen Warenkorb zusammenstellen zu lassen, um diesem die Abstraktheit zu nehmen, ist grundsätzlich gut. Die Umsetzung der Unterrichtseinheit scheitert jedoch an dem wenig stringenten, methodisch-didaktisch wenig durchdachten Angebot an Unterrichtsplanung und Arbeitsmaterialien. Zum einen fehlen konkrete Arbeitsaufträge und Hinweise für die Schülerinnen und Schüler, z. B. zur Gestaltung und Berechnung des eigenen Warenkorbs. Im methodisch-didaktischen Text für die Lehrkraft wird die Aufgabe kurz erläutert, jedoch fehlen auch hier relevante Angaben. Z.B. ist überhaupt nicht klar, nach welchen Kriterien Waren ausgewählt werden sollen, wie die Preise recherchiert und untersucht werden sollen (Internet?), für welchen Zeitraum Preisveränderungen festgestellt werden und wie die Rechenwege lauten, um eine Inflationsrate berechnen zu können. An anderer Stelle sind gleichwohl Fragen formuliert; eine Diskussion über die Ergebnisse des Arbeitsauftrags (das Informationsblatt zu lesen und Begriffe mit einem Satz zu notieren) entbehrt jedoch jeder Sinnhaftigkeit, insbesondere bei den hier anvisierten Schülerinnen und Schüler der Sek. II. Zum anderen fällt die wenig zielgruppengerechte Ausrichtung und Orientierung des Materials auf. Das betrifft insbesondere den zweiseitigen Informationstext für die Lernenden, der für die Behandlung dieser komplexen Thematik auf einem zu niedrigen und oberflächlichen Niveau bleiben. Nicht einmal der Verweis auf relevante Quellen wie die Homepage des Statistischen Bundesamtes (www.destatis.de) wird gegeben – weder für eine Recherche im Rahmen des Unterrichts noch als Hinweis für weiterführende Informationen. Mit der Idee, eigene Warenkörbe durch die Schülerinnen und Schüler erstellen zu lassen, ergeben sich grundsätzlich viele Möglichkeiten für einen handlungsorientierten und an der Lebenswelt ausgerichteten Unterricht. Die Chance wird jedoch vertan. Inflation und Preissteigerungen könnten viel stärker und explizit an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen festgemacht werden. Eigene Erfahrungen mit Preissteigerungen oder -senkungen werden im Material nicht explizit aufgenommen. Auch der Frage nach dem Warum? wird nicht nachgegangen. In diesem Sinne könnte die für die Schülerinnen und Schüler interessante Diskussion über gefühlte vs. amtliche Inflation diskutiert werden. Und was aus Verbraucherperspektive von Bedeutung ist, bleibt ebenfalls unerwähnt: Welche möglichen Konsequenzen aus dem Wissen über Inflationsrate und Preissteigerungen können für zukünftiges Handeln der Schülerinnen und Schüler abgeleitet werden? Auch aus fachlicher Perspektive könnte das Material weit mehr liefern als hier tatsächlich angeboten wird. Das Material bezieht sich ausschließlich auf die Berechnung des Warenkorbs und den Verbraucherpreisindex. Eine mehrperspektivische Betrachtung, z.B. historisch oder ländervergleichend, bleibt aus. Möglich und für ein tiefer gehendes Verständnis unabdingbar wären auch die Frage nach den Gründen von Preisentwicklungen und die individuellen sowie gesellschaftlichen Folgen. So könnte am Beispiel der Miete, die aktuell für Wohnungen in bestimmten Gegenden stetig steigt, über soziales Ungleichgewicht und Handlungsmöglichkeiten in Form politischer Intervention diskutiert werden. Was die Unterstützung der Lehrenden anbelangt, sind auch hier eindeutige Schwächen zu erkennen. Den Lehrenden wird zwar ein einführender Text, ein tabellarischer Unterrichtsverlauf sowie ein inhaltlich-methodischer Kommentar zum Unterrichtsverlauf angeboten. Die Hinweise und fachlichen Informationen bleiben aber insgesamt sehr ungenau, so dass den Lehrenden nichts anderes übrig bleibt, sich in anderen Quellen zu informieren und die Unterrichtsplanung aufwändig zu konkretisieren. Für die Aufgabe, einen Warenkorb zusammenzusetzen und zu berechnen, müssen zusätzlich Arbeits- und Informationsblätter für die Schülerinnen und Schüler entworfen werden. Darüber hinaus fehlen Lösungsvorschläge zum Arbeitsblatt Verbraucherpreisindex; die abfotografierten möglichen Schülerlösungen zu den Warenkörben sind ob ihrer geringen Größe und der fehlenden Kommentare nicht zu verwenden. Auch die angebotenen Folien mit Beispielen zu Preissteigerungen zur Einführung in die Thematik bringen keinen Mehrwert. Insgesamt kann das Material aus den genannten Gründen nicht empfohlen werden.
Erscheinungsjahr
0
Autor/in
nicht benannt
Reihe
Haushalt und Geld
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