Datum: 31.05.2024

Good Practice: Leckeres aus der Mensa to go

Wir stellen regelmäßig vor, wie Schulen aus dem Netzwerk Verbraucherbildung diese im Schulalltag umsetzen. Nachmachen erlaubt.

Schulkind hat Spaß mit Essen

Quelle: Oksana Kuzmina - Adobe Stock

Sie genießen ihr tägliches Mittagessen, freuen sich über die Auswahl am Buffet. Doch egal wie groß ihr Hunger auch ist, stets bleiben Reste übrig. Die Folge: Wertvolle Lebensmittel wandern in den Müll. Das war den Schüler:innen der Conrad-Schule Berlin ein Dorn im Auge. „Muss das wirklich sein? Was können wir tun, um das zu verhindern?“, fragten sie sich. Einfach tatenlos wegzuschauen, stellte für sie keine Alternative mehr da. Sie grübelten und grübelten. Sie fanden eine Lösung und retten nun Mensa-Essen.

Im Überblick

  • Thema: Mensa-Essen retten
  • Handlungsfelder: Nachhaltigkeit, Ernährung
  • Klassenstufe: 1. – 6. Klasse
  • Lebensweltbezug: achtsamer Umgang mit Ressourcen
  • Umfang/Dauer: täglich
  • Methoden: AG + Peer-Education

Herangehensweise und Umsetzung

Seit vergangenem Jahr wandert Übriggebliebenes nicht mehr achtlos in den Müll. Die Grundschüler:innen packen es ein, futtern es im Laufe des Tages oder bereichern damit den Abendbrottisch ihrer Familien. „Natürlich picken sie sich häufig die Rosinen heraus“, schmunzelt Schulleiter Dr. Hans-Gerrit Plessen. Will heißen, nicht mehr so appetitlich aussehende Speisen bleiben trotz der gemeinsam entwickelten Initiative eher liegen. Anderes ist ruckzuck leergeräumt. „Nudeln gehen immer“, weiß Plessen. Buletten auch.

Das Konzept, als Idee der Schüler:innen geboren, testete die Grundschule zunächst in zwei Klassen. Man sammelte Erfahrungen. Die Kinder tauschten sich mit dem Caterer aus. Erfuhren von dessen Zwängen, Gesundes auf den Tisch bringen zu wollen und zu sollen. Sie hörten auch, wie schwer die Kalkulation der angebotenen Menge fällt. Das Verständnis für die Notwendigkeiten wuchs, der Drang, die Folgen nicht zu akzeptieren ebenso.

Nachhaltigkeit und Ernährung im Blick

Die Testwochen machten Mut. Zumal Eltern, die der Mitnahme fertiger Speisen ausdrücklich zustimmen mussten, zurückmeldeten, dass sie von der Idee angetan seien. Viele schätzen den Willen, achtsamer und nachhaltiger mit Lebensmitteln umzugehen. Inzwischen ist die Mitnahme der Essensreste in allen Klassen angekommen. Im wechselnden Turnus kommen sie „an die Reihe“. Schulleiter Plessen schätzt, dass rund 20 Prozent der insgesamt 455 Schüler:innen zugreifen. 

Der bewusstere Umgang mit der gemeinsamen Mahlzeit in der Schulmensa hat seiner Meinung nach gleich mehrere Vorteile: „Die Haltung aller zu Lebensmitteln und der Arbeit, die dahinter steckt, über das Ziel, Ressourcen zu sparen bis hin zum Gedanken der Nachhaltigkeit verändert sich. Wir werden achtsamer.“ Essen wird mehr als reine Nahrungsaufnahme. Die Beschäftigung mit ihr und dem, was sich auf dem Teller befindet, stärkt das Bewusstsein für gesunde Ernährung. „Zumal wir vorsichtig auch pädagogisch auf die Kinder einwirken und ihnen vorschlagen, auch einmal Ungewohntes auszuprobieren“, schildert Plessen.

Übung macht den Sparmeister

Zugleich verhehlt er nicht, dass ein derartiges Projekt nicht als „Selbstläufer“ betrachtet werden darf. „Wir müssen dranbleiben und die Kinder auch schon einmal erinnern, wenn sie an der Reihe sind“, berichtet er. Er bringt großes Verständnis dafür auf, dass es manchmal trotz des eigenen Bedürfnisses, etwas gegen die Verschwendung zu tun, in Vergessenheit gerät, dem Wunsch Taten folgen zu lassen. Manchmal falle es halt schwer, abzuwarten, bis alle aufgegessen hätten, um zu sehen, was übrig geblieben sei. Dann sei Geduld gefragt, während draußen die Freund:innen schon spielten. 

Insbesondere Jüngere könnten mitunter schwer einschätzen, wieviel sie mitnehmen sollten – eher den Probierhappen oder doch eine große Portion für die ganze Familie? Und dann sei da natürlich noch die Herausforderung, stets das passende Gefäß dabei zu haben. „Daran wollen wir in der Zukunft noch ein wenig feilen und überlegen, wie wir es noch besser hinbekommen, dass die Umsetzung dieser tollen Idee nicht an solchen Rahmenbedingungen scheitert“, kündigt Hans-Gerrit Plessen an. „Denn“, das betont er auch „es lohnt sich auf jeden Fall.“