Datum: 07.02.2022

Algorithmen verstehen für mehr Online-Sicherheit

Jedes Jahr im Februar rückt der Safer Internet Day das Thema Online-Sicherheit in den Fokus von Medien und Gesellschaft. Das Ziel des weltweiten Aktionstags: Menschen – vor allem auch Kinder und Jugendliche – zu sensibilisieren, den Risiken im Internet mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Schüler:innen sollten beispielsweise die Vor- und Nachteile von Algorithmen kennen, „um sich sicher im Netz bewegen zu können“, empfiehlt Peter Reinhardt, Referent für Verbraucherbildung der Verbraucherzentrale Hessen. Das Thema sei vielschichtig und ließe sich in verschiedenen Unterrichtsfächern aufgreifen.

Alik, adobe stock

„Algorithmen – das klingt zunächst einmal technisch und abstrakt, tatsächlich stecken sie aber hinter vielen Anwendungen, die wir täglich nutzen“, erklärt Peter Reinhardt. Das gilt vor allem, wenn Menschen im Internet unterwegs sind. Auf Algorithmen basieren beispielsweise die Musikvorschläge des Streamingdienstes, die Ergebnisse der Suchmaschinen-Anfrage und die Kaufempfehlungen von Onlineshops. Die Grundlage dafür bilden zuvor gesammelten Nutzerdaten. „Suche ich beispielsweise in einem Onlineshop nach einem bestimmten Produkt, erhalte ich später auf Social Media passgenaue Werbung“, so Reinhardt. Algorithmen können somit eine Aufgabe erleichtern, aber mit ihnen sind auch Risiken verbunden, mahnt der Verbraucherbildungsreferent. 

„Ein Problem ist, dass wir oftmals nicht wissen, wie ein Algorithmus funktioniert, weil die jeweiligen Betreiber dies als Geschäftsgeheimnis behandeln.“ Manipulationen, Datenschutzverletzungen und Filterblasen können die Folgen sein und unbemerkt bleiben. Das zu verstehen, sei für Schüler:innen von doppelter Relevanz: „Sie sind die größte Nutzergruppe von Online-Plattformen und Apps und gleichzeitig die verletzlichste.“ Als fester Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen sieht Reinhardt daher Schulen in der Verantwortung, das Thema aufzugreifen. Anknüpfungspunkte biete nicht nur das Fach Informatik; Ethik, Philosophie, Politik, Wirtschaft und Sozialkunde eigneten sich ebenfalls.

Unterrichtsideen

„Das Thema lässt sich ganz niedrigschwellig einführen und etwa mit einem Kochrezept vergleichen“, sagt Reinhardt. Ähnlich diesem ist ein Algorithmus eine Schritt-für-Schritt-Handlungsanweisung, um am Ende ein bestimmtes Ergebnis zu erhalten. Alternativ ermöglichten aktuelle Beispiele, direkt einen Bezug zur Lebenswelt der Schüler:innen zu schaffen, wie etwa das Vorhaben Großbritanniens im ersten Jahr der Corona-Pandemie, die Noten ausgefallener Abschlussprüfungen durch einen Algorithmus berechnen zu lassen. „Automatische Entscheidungen klingen zunächst fair, aber Algorithmen sind von Menschen gemacht und damit fehleranfällig. Sie können leicht zu diskriminierenden Entscheidungen führen“, erklärt Reinhardt die Problematik. Diese ließe sich beispielsweise im Ethik-Unterricht auch mit Bezug auf automatische Entscheidungen im Gesundheitswesen behandeln. 

Die Fächer Politik und Sozialkunde böten den passenden Rahmen, um über die gesellschaftlichen Konsequenzen von Filterblasen zu diskutieren, verursacht durch von Algorithmen personalisierten Timelines. „Bei komplexen Themen ist das ein großes Problem, wenn mir durch die vorgefilterten Informationen Perspektiven fehlen.“

Speziell entwickelte Lerneinheiten

Um Lehrkräfte zu unterstützen, dieses wichtige Thema auch ohne Vorwissen in den Unterricht zu integrieren, hat die Verbraucherzentrale Hessen die Bildungsreihe „Algorithmen-Kontrolle“ entwickelt, mit Unterrichtsmaterialien und ausführlichen Hintergrundinformationen. Die drei Lerneinheiten richten sich an Schüler:innen der Sekundarstufen I und II und beziehen sich auf deren Lebenswelt. Sie bauen aufeinander auf, können aber auch unabhängig voneinander zum Einsatz kommen. Das Material „Social-Media-Algorithmen: Was bestimmt deine Timeline?“ beleuchtet als Basiseinheit den Einfluss von Algorithmen im Alltag. Auf einen kritischen Umgang mit den eigenen Daten sowie Werbung im Internet zielt die zweite Unterrichtseinheit „Sensible Daten: Du bist das Produkt?!“. Den Abschluss der Reihe bildet das Material „Dark Patterns – So durchschaust du Manipulation“; eine QR-Code-Rallye im Zuge derer Schüler:innen Praktiken kennenlernen, die ihre Konsumentscheidungen manipulieren sollen. Die Bildungsreihe ist Teil der Informationskampagne „Algo...was?!“, die mithilfe der zugehörigen Internetseite, Verbraucher:innen über den alltäglichen Einfluss von Algorithmen aufklären soll. 
 

Der Safer Internet Day

Am zweiten Tag der zweiten Woche des zweiten Monats findet seit 2004 jährlich der Safer Internet Day – kurz SID – statt, in diesem Jahr ist das der 8. Februar. Der von der Europäischen Union initiierte weltweite Aktionstag soll Menschen aller Altersgruppen dazu bewegen, sich mehr für die Sicherheit im Internet zu interessieren. Das diesjährige Schwerpunktthema „Fit für die Demokratie – Stark für die Gesellschaft“ rückt die Frage in den Mittelpunkt, welche Rolle das Internet in der Demokratie spielt.  Mit mehr als 200 Veranstaltungen und Projekten beteiligen sich am Safer Internet Day deutschlandweit Stiftungen, Unternehmen, Schulen, Jugendorganisationen, Bildungseinrichtungen, Vereine und auch Privatpersonen – pandemiebedingt finden die Veranstaltungen vielfach online statt. Eine Liste aller Aktionen findet sich online auf der Webseite der EU-Initiative klicksafe, die den Aktionstag in Deutschland koordiniert. 

Weitere Informationen

Materialien zum Artikel

Grafik des Unterrichtsmaterials Algorithmen im Alltag
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Verbraucherbildung im Fachunterricht - Algorithmen im Alltag

Das Unterrichtsmaterial bietet eine Vielfalt an Unterrichtsvorschlägen für den Erwerb von Konsumkompetenzen im Deutschunterricht. Die Schüler:innen werden darin befähigt, grundlegende Funktionsweisen von Algorithmen zu verstehen und im Alltag zu verorten. Die Jugendlichen werden dazu angeregt, sich intensiv mit der Preisbildung bei Onlinekäufen auseinanderzusetzen.
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