Datum: 29.06.2021

Lizenzfrei gleich sorgenfrei? Worauf man bei OER achten muss

Freie Bildungsmaterialien im Unterricht

Egal ob beim Homeschooling oder im Digitalunterricht – die Bedeutung von offenen und lizenzfreien Bildungsmaterialien ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Open Educational Resources (OER) können eine Bereicherung für den Schulunterricht sein, müssen aber vor Gebrauch gründlich geprüft werden. Das Portal Verbraucherbildung informiert über wichtige Anlaufstellen rund um das Thema OER.

(c) woerterhexe - pixabay - CC0 Public Domain

Bund und Länder verständigten sich auf einem Bildungsgipfel im September 2020 darauf, gemeinsam die Digitalisierung der Schulen in Deutschland voranzutreiben. Einer der Handlungsstränge, die dabei identifiziert worden sind: „qualitativ hochwertige digitale Bildungsmedien, insbesondere Open Educational Resources“. Die Verbreitung von OER in Deutschland hat sich in den letzten Jahren laut der deutschen UNESCO-Kommission in einigen wichtigen Punkten weiterentwickelt. Die Politik vernachlässige das Thema nun nicht mehr. 

Als OER bezeichnet man Bildungsmaterialien jeglicher Art und in jedem Medium, die unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden. Eine offene Lizenz ermöglicht die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen. Laut UNESCO-Definition können OER einzelne Materialien, Bücher oder komplette Kurse umfassen – jedes Medium kann verwendet werden. Zu den Zielen von OER zählt, Bildung und Wissen so breit und frei wie möglich zugänglich zu machen. Dass Werke dabei uneingeschränkt bearbeitet, vervielfältigt und verwertet werden können, sorgt für eine stetige Weiterentwicklung und Ergänzung der Lehr- und Lernmaterialien. Offene Bildungsmaterialien sollen selbstbestimmtes und kollaboratives Lernen stärken, so die Idee. 

Allgemeine Informationen zu OER finden Interessierte über die Informationsstelle OER, die vom Bundesbildungsministerium gefördert wird. Die Koordination des Portals liegt beim DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Aktuelle Entwicklungen zu OER werden dort in Berichten, Interviews oder Videos aufbereitet. Zudem werden Anleitungen zum praktischen Einsatz von OER oder auch Formate wie etwa Web-Talks angeboten.

Fehlende Prüfung

Ein großer Vorteil von OER liegt in der Aktualität, die Schulbücher in dieser Form nicht bieten können. Dennoch bleibt die Frage offen, wie sich Qualität sicherstellen lässt, da OER vor der Veröffentlichung keine Zulassung durchlaufen. Qualitätsprüfung wird besonders wichtig, wenn professionelle Anbieter wie Wirtschaftsunternehmen ebenfalls auf freie Bildungsmedien setzen, um sich oder eigene Produkte zu vermarkten. Die Debatte um OER-Qualitätskriterien wird kontrovers geführt. Da OER ständig adaptierbar sind, greifen klassische Maßnahmen der Qualitätskontrolle, die sonst bei Bildungsmaterialien zum Einsatz kommen, nur begrenzt. Das gilt besonders für Materialien, die sich um Verbraucherbildung drehen. Ein Themenkomplex, der häufigen Veränderungen unterworfen ist. 

Grundsätzlich sind die Lehrkräfte für die Prüfung der von ihnen verwendeten Materialien selbst verantwortlich. Umso wichtiger ist es, bei der Suche nach OER auf Plattformen zurückzugreifen, die Materialien transparent kuratieren, einordnen und bewerten. Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) gibt Hinweise, worauf man achten sollte: Verfügt die OER-Datenbank über einsehbare Prüfstandards vor der Freigabe der Dokumente? Wird das Material kommentiert, bewertet oder empfohlen? Gibt es generell die Möglichkeit dazu? Damit Lehrkräfte im OER-Dschungel den Überblick behalten, müssen sie sich fortbilden. Dabei helfen Praktikertreffen wie beispielsweise die OERcamps, die regelmäßig in unterschiedlichen Größen und Formaten stattfinden. Erste Einblicke geben zum Beispiel die Video-Aufzeichnungen der OERcamp-Webtalks, die im Vorjahr unter Trägerschaft der Bildungsagentur J&K – Jöran und Konsorten stattfanden und sich rund um digitale und offene Lehr-Lern-Materialien drehten.

Mannigfache Möglichkeiten

Geht es an die tatsächliche Recherche nach geeigneten Unterrichtsmaterialien ist die Auswahl der Anbieter und Plattformen groß. Die „Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V.“ (ZUM) hat ein Portal erstellt, das vom Engagement interessierter Lehrerinnen und Lehrer lebt. ZUM ist eine ehrenamtlich betreute Seite, die transparent macht, wer welche Inhalte eingestellt und bearbeitet hat – das ermöglicht den Nutzern, die Qualität einzelner Materialien selbst zu überprüfen. Das Portal bietet unter anderem ausführliche Einträge zum Thema Ernährung, Energie oder nachhaltiges Wachstum. Unter dem Suchbegriff „Wirtschaft“ finden sich vollständige Unterrichtsreihen und Fachartikel zu den Oberthemen Marktmodelle, Volkswirtschaftslehre oder Betriebswirtschaftslehre - wie aktuell, interessengeleitet oder multiperspektivisch die verlinkten Inhalte sind, hängt letztendlich vom einstellenden Account und dem jeweils gewählten Material ab. 

Auch die freie Lernplattform „serlo“ funktioniert nach dem Wikipedia-Prinzip, wodurch alle Inhalte durch die Nutzerinnen und Nutzer mitgestaltet werden können. Zum „serlo“-Angebot zählen Erklärungen, Lernvideos, Kurse und Übungsaufgaben mit Musterlösungen. Zu den Themengebieten gehört auch „Nachhaltigkeit lernen“. Anders als ZUM wird „serlo“ finanziell und in Sachleistungen durch Partner und Förderer unterstützt. 

Suchmaschinen für OER

„Elixier – die Suchmaschine für Bildungsmedien“ wurde von den deutschen Bildungsservern und dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht ins Leben gerufen. Das Angebot umfasst etwa 50.000 redaktionell ausgewählte Bildungsmedien mit dem Fokus auf schulischen Unterricht. Die Ergebnisse lassen sich nach Lizenzen filtern.

Die Seite „edutags“ geht noch einen Schritt weiter. Als Kooperationsprojekt vom LearningLab der Universität Duisburg-Essen und dem Deutschen Bildungsserver ist „edutags“ eine Webseite für „Social Bookmarking für Lehrkräfte“. Die Plattform bietet Lehrkräften die Möglichkeit, Bildungsmaterialien zu teilen, zu sammeln und zu verschlagworten. „edutags“ will dabei unterstützen, digitale Inhalte sinnvoll online und auch in Gruppen zu organisieren. Das Tool verfügt über einen CC-Crawler, der das Material automatisch auf vorhandene Creative-Commons-Lizenzen überprüft, was die Suche nach freiem Bildungsmaterial erleichtert. Für den Suchbegriff „Verbraucher“ ergeben sich beispielsweise 184 Treffer, die sich wiederum nach CC-Lizenzen filtern lassen.

Expertencheck beim Materialkompass

Wer nicht auf 100 Prozent geprüfte Unterlagen verzichten will, erhält im Materialkompass der Verbraucherzentrale eine detaillierte Übersicht über frei erhältliche Unterrichtsmaterialien zu allen Themen der Verbraucherbildung. Alle vorgestellten Materialien wurden von einem unabhängigen Expertenteam auf ihre Qualität für den Einsatz im Unterricht geprüft und bewertet.

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