Datum: 20.01.2022

Material der Woche: Die Sache mit dem fairen Stein

Welche Farbe und Form hat der Stein? Bleibt die Oberfläche auch nach längerem Gebrauch glatt oder ist sie bereits nach kurzer Zeit porös? Produkteigenschaften wie diese sind mit dem bloßen Auge erkennbar. Doch sogenannte Vertrauenseigenschaften, wie beispielweise faire Produktionsbedingungen, sind für Verbraucher:innen nicht sichtbar. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg regt mit der Fallstudie "Die Sache mit dem fairen Stein" Schüler:innen dazu an, sich anhand eines ungewöhnlichen Produktes - nämlich Grabsteinen - damit kritisch auseinander zu setzen.

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Das Unterrichtskonzept "Die Sache mit dem fairen Stein" ist nicht nur inhaltlich ungewöhnlich, sondern auch methodisch: Denn die Teilnehmenden werden hier in die Rolle von politischen Akteuren versetzet. Die Schüler:innen setzen sich mit der Produkteigenschaft "ohne ausbeuterische Kinderarbeit" anhand von Grabsteinen auseinander und sollen im Austausch miteinander politische Entscheidungen treffen, die bewusste Kaufentscheidungen bei Verbraucher:innen gewährleisten.

Dabei setzt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf ein reales Beispiel aus dem Jahr 2018, als Kommunen die Option eröffnet werden sollte, nur noch "faire" Grabsteine auf den Friedhöfen aufzustellen. Die Lernenden setzen sich mit dem Entwurf um die Änderung des § 15 Absatz 3 des baden-württembergischen Bestattungsgesetzes und Stellungnahmen auseinander, um anschließend selbst einen Beschluss verfassen zu können. Außerdem werden weitere gesetzliche Reglungen wie Gütesiegel diskutiert.

Vorteile des Materials
  • Das Thema wird mithilfe des didaktisch und inhaltlich umfangreichen Materials in Einzel-, Kleingruppenarbeit und im Plenum erarbeitet.
  • In 5 bis 6 Unterrichtsstunden setzten sich die Lernenden mit einem realen Beispiel auseinander und berücksichtigen dabei unterschiedliche Perspektiven. 
  • Die Lernenden befassen sich problemorientiert mit der Lösung eines politischen Konfliktes und diskutieren abschließend in einem exemplarischen Landtagsausschuss. 

Die Fallstudie richtete sich an Schüler:innen der Klassenstufe 10, eignet sich aber auch für höhere Klassen sowie für die berufliche Bildung. Das Material mit Arbeitsblättern und Lehrerhandreichung steht kostenlos über die Website der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zum Download bereit. Dort sind ergänzend ein umfangreiches Hintergrundmaterial und eine Stellungnahme der Verbraucherzentrale zu finden. Da ein reales Fallbeispiel bearbeitet wird, sind Kenntnisse über das politische System im Bundesland wünschenswert, aber kein Muss.

Das Material wurde von den Gutachter:innen des Materialkompass mit "sehr gut" bewertet. Eine Herausforderung ist jedoch die ungewöhnliche Objektwahl - Grabsteine haben nur einen geringen Bezug zur Lebenswelt der Lernenden.

Materialien zum Artikel

Grafik des Unterrichtsmaterials Die Sache mit dem fairen Stein
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Die Sache mit dem fairen Stein

Eine zentrale Fragestellung dieser aufbereiteten Fallstudie ist folgende: Wie kann am Beispiel der Produkteigenschaft "ohne ausbeuterische Kinderarbeit", die für Verbraucher:innen am Produkt nicht erkennbar sind, durch politische Entscheidungen und Rahmenbedingungen eine selbstbestimmte Kaufentscheidung gewährleistet werden? Zudem werden in dem Material wesentliche Fragestellungen der Verbraucherbildung durch die Auseinandersetzung mit Gütezeichen in den Unterricht eingebracht.
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